Was ist gutes Graphic Recording?

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Diese Frage beschäftigt mich seit dem Beginn meiner Tätigkeit als Graphic Recorder.
Dabei gibt es für mich eine Grundvoraussetzung: das Recording soll auf den ersten Blick optisch ansprechen, gut lesbar sein, die wichtigsten Inhalte in logischem Aufbau enthalten. Farbe und Illustrationen sollen das Thema leichter lesbar und zugänglich machen. Auch später müssen sich die Inhalte noch erschließen und nachvollziehbar sein. Denn es ist immer noch ein Protokoll.
Für mich ist ein Recording ein Gesamtkunstwerk, das sowohl den Intellekt als auch die Emotionen anspricht. Text ist ebenso wichtig wie die Illustration, denn ein Bild erlaubt mehr Interpretation als ein paar Worte. In der Kombination sind beide eindeutig und unschlagbar. In diesem Punkt muss ich häufig Überzeugungsarbeit leisten, wenn der Kunde nur Bilder will. Dann will er ein Kunstwerk und kein Protokoll. Denn ein Bild lässt sich fast beliebig interpretieren. Die Kombination aus Text und Bild dagegen nicht.

Für mich beginnt ein gutes Recording schon in der Vorbereitung, im Gespräch mit dem Kunden. Was will der Kunde, was sind die Inhalte, was soll mit dem Recording erreicht werden, wozu wird es später verwendet? Dementsprechend wird der Bildaufbau geplant und eine Grundstruktur festgelegt. Titel und Thema-Illustration werden vorab aufgebracht. So bekommen die Teilnehmer einen ersten Eindruck

Während des Recordings versuche ich immer das große Ganze im Blick zu haben, arbeite möglichst offen, noch ohne viel Illustration oder Rahmen. Wenn sich der Vortag dem Ende nähert beginne ich erste Farbe aufzutragen und mehr Illustrationen zu setzen. Diskussionsbeiträge und Fragen werden entsprechend eingefügt. Am Ende des Vortrags habe ich ein Grundgerüst mit allem Text, ersten Illustrationen und etwas Farbe.

Danach beginnt für mich die schwierigste Arbeit: was ist wirklich wichtig, wie kann ich es herausheben, wie kann ich es illustrativ unterstützen, wie kann ich die Farbe zur Strukturierung nutzen, wie kann ich das Auge leiten?
Erst wenn es mir gelungen ist, die Information geordnet und lesbar sichtbar werden zu lassen, wenn sich Worte und Bilder unterstützen, dann ist es für mich ein gutes Recording: ein Gesamtwerk aus Schriftbild, Illustrationen, Farbe und Gestaltungselementen wie Strichdicke, Rahmen, Pfeilen etc.
Es muss von der Weite wie von Nahem wirken. Es muss beim Betrachten Spaß machen, aber auch die Inhalte sachlich richtig wiedergeben.

Wenn ich dann sehe, wie sich die Menschen vor dem Bild versammeln, diskutieren, schmunzeln, Fotos machen, mit mir sprechen, wie das Bild auch Teil des Seminars wird, wie Bezug darauf genommen wird, dann weiß ich, dass ich mein Ziel erreicht habe.

Wolfgang Irber  –  www.wirber.de

Published by

Wolfgang Irber

Business-Illustrator

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