Wolfgang Irber

Was ist gutes Graphic Recording?

Graphic Recording wird immer stärker nachgefragt wird und entwickelt sich von einem Nischen- zu einem Mainstreamprodukt.

Doch wie kann ich gutes Graphic Recording erkennen?

Gibt es allgemeine Merkmale? Welche Kriterien könnte man heranziehen?
Ist es die Reaktion des Kunden? Wenn der Kunde begeistert ist, erfüllt das einen wichtigen Zweck, aber erfüllt es auch Qualitätskriterien, die ich als Experte an ein Recording stelle?
Nicht jedes Graphic Recording wird gleich gut, auch nicht von mir. Manche meiner Werke gefallen mir sehr gut, andere mäßig, wenige gar nicht. Doch was für Kriterien muss ein Graphic Recording erfüllen?

Welche Kriterien könnte man zusammenstellen?

Graphic Recordings sind auf ihre ganz spezielle Art kleine Kunstwerke, die ohne Vorbereitung und spontan entstehen. Es gibt keinen Entwurfsprozess, keine Vorzeichnung, kein langes Überlegen. Und dennoch…es gibt ein paar Kriterien, die ich persönlich für sehr wichtig finde:

Zitate helfen dabei auf den Punkt zu kommen

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Zitate, Zitate, Zitate. Der O-Ton ist wichtig!

Auch wenn der Inhalt stark konzentriert wird, die persönliche Sicht der Dinge des Graphic Recorders kommt immer hinzu. Doch – der Inhalt muss immer noch sachlich korrekt und richtig interpretiert sein. Das zu beurteilen ist schwer und selbst für Teilnehmer einer Tagung oft unmöglich.
Daher sind für mich möglichst viele Originalzitate der Teilnehmer wichtig. Diese sind eindeutig und fassen oft perfekt zusammen. Dabei ist es ist wichtig zu wissen, auch für den Auftraggeber, dass man meist nur 1/6 oder 1/8 der gesprochenen Inhalte aufnehmen kann. Daher lebt ein Graphic Recording von der Reduktion. Je besser auf den Punkt gebracht, desto besser ist das Ergebnis. Je mehr Zitate, umso näher wird man am tatsächlich wichtigen Inhalt bleiben.

Gliederung und Lesbarkeit

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Schon auf den ersten Blick müssen Bereiche erkennbar sein

 

Viele Graphic Recordings erscheinen auf den ersten Blick konfus. Dies ist der Spontanität geschuldet, die Teil des oft unkontrollierbaren Entstehungsprozesses ist. Daher muss mit optischen Elementen gearbeitet werden, um das Auge zu leiten. Fehlen diese, ist der Nutzen als visuelles Protokoll fragwürdig. Das Graphic Recording ist für Außenstehende nutzlos, da nicht mehr lesbar. Daher: die Führung beim Lesen muss intuitiv passieren. Gleiche Inhalte müssen als solche erkennbar sein. Hier kommen viele Wahrnehmungsgesetze ins Spiel und man kann mit Illustration, mit Schrift, mit Farbe, Form und Größe arbeiten. Selbst leerer Raum und Abstände sind wichtig. Leerer Raum ist meist schwierig, da wir als Graphic Recorder oft mit dem Platz kämpfen, aber die Wirkung von „WEISS“ ist es wert.

Aufbau

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Bildlandschaften sind mir am liebsten, aber auch am schwierigsten zu erstellen

 

Graphic Recordings, die mich persönlich begeistern, lassen schon aus der Distanz einen Aufbau erkennen und sind nicht nur ein buntes Durcheinander. Eine große Überschrift, eine großes Key-Visual, eine Grundgliederung, die sich optisch durch das Recording zieht, mit all diesen Elementen kann man arbeiten. Wenn man es zusätzlich schafft, das Graphic Recording als einheitliche Bildlandschaft aufzubauen, in der alle Themen ihren Platz finden, dann ist das ein besonderer Glücksfall, aber auch das Ergebnis von guter Planung und spontaner Kreativität.

Typographie

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Unterschiedliche Schriften gliedern

Die Schrift ist nicht nur das Mittel zum Festhalten der Information, sondern auch zur Gliederung der Inhalte. Überschriften müssen als solche erkennbar sein; auch unterschiedliche Gliederungsebenen. Die Hauptschrift muss dem Bild Frische und Eleganz verleihen, und gut lesbar sein. Ein schlechtes Schriftbild kann ein Graphic Recording negativ beeinflussen. Ein tolles Schriftbild, kann schon rein optisch begeistern. Ein gutes Schriftbild kann man üben. Wie auch gutes Graphic Recording!

Illustrationen

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Cartoon können komplexe Sachverhalte ganz einfach erklären

 

Vielen Auftraggebern geht es nur um die Bilder. Aber für mich stehen Bilder und Text nebeneinander. Bilder können unterschiedlich interpretiert werden, nur die Kombination aus Bild und Text ist eindeutig. Illustrationen müssen den Text unterstützen und sind damit das schwierigste beim Graphic Recording. Immer auf die Schnelle das richtig Bild zu finden ist extrem anstrengend und klappt nicht jedes Mal. Illustrationen können dabei einfache Bildanker sein oder die Situation reflektierende Cartoons bis hin zu Bildlandschaften im Hintergrund, in die der Text eingebettet wird. Die Illustrationen bestimmen zu einem großen Teil den Erfolg eines Graphic Recordings. Es hilft, für bestimmte Situationen vorpräparierte Visualisierungen zu haben. Dennoch sollte man es nicht übertreiben, sonst werden alle Recordings einander zu ähnlich. Spontane Kreativität ist hier der Schlüssel.

Farbe

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Mit Farbe lassen sich Bereiche gut gliedern

 

Die Farbe hat neben den Illustrationen fast den größten Einfluss auf die emotionale Wirkung eines Graphic Recordings. Der Unterschied zwischen einer reinen Strichzeichnung und dem farbigen Endresultat ist gewaltig. Dabei darf die Farbe nicht verwirren, sondern muss zur Gliederung der Inhalte beitragen und gleichzeitig emotional ansprechen. Man kann hier mit flächigen Farben im Hintergrund arbeiten und mit farbigen Markern. Was man wie macht, bestimmt der persönlichen Stil.

Emotionale Begeisterung

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Emotionen, Emotionen, Emotionen

Graphic Recordings können alle oben genannten Kriterien erfüllen, aber – warum auch immer – sie begeistern nicht. Sie knüpfen keine Verbindung zum Kunden. Andererseits, Graphic Recordings können vieles falsch machen, aber dennoch begeistern sie den Betrachter. Was hier der genaue Grund ist, konnte ich noch nicht genau herausfinden. Oftmals sind es Sätze oder kleine Cartoons, die Begeisterung hervorrufen, die ich an dieser Stelle nicht erwartet hätte. Was ich oft für mich feststelle: ist die Atmosphäre gut, überträgt sich das auf mich; das Graphic Recording wird gut und begeistert. Umgekehrt trifft es genauso zu: ein schlechter unmotivierter Vortrag wird auch kein gutes Graphic Recording.

Fazit

Für mich müssen viele Elemente gleichzeitig erfüllt sein, um ein gutes Graphic Recording zu schaffen. Graphic Recording ist nicht gleich Graphic Recording. Es ist eine Kunst für sich, die viel Erfahrung verlangt. Eine Kunst, die anstrengend ist und oft an den Rand der Erschöpfung geht. Ich lerne mit jedem Auftrag neu hinzu. Verändere meinen Stil. Werde besser. Probiere Neues aus.
Jeder Graphic Recorder hat seinen persönlichen Stil mit seinen persönlichen Stärken und Schwächen. Stimmt die Chemie zwischen Kunde und Graphic Recorder, ist man bereits auf einem guten Weg.
Das Allerwichtigste ist die Leidenschaft, etwas Großartiges zu schaffen, etwas, das Menschen begeistert. Und der Mut, Fehler zu machen und mit Kreativität und Erfahrung zu korrigieren. Dann kommt der Erfolg von alleine.

Auf ein gutes Gelingen,

Wolfgang Irber  –  www.wirber.de

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Wolfgang Irber

Business-Illustrator

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