Digitales Graphic Recording oder das „bessere“ PowerPoint

9. September 2017
Kurz vor den Sommerferien rief mich ein alter Kunde an: “ Herr Irber, wir brauchen Sie ganz dringend mit Ihrer Zeichenwand für eine Veranstaltung. Es geht um einen Veränderungsprozeß.“

Doch beim Briefing war schnell klar, ein analoges Graphic Recording würde hier nicht funktionieren. Zu viele Menschen im Saal müssen sehen, was ich zeichnen soll. Also blieb nur die digitale Variante über das Tablet, in meinem Fall ein Surface Pro4. Doch wie setzten wir es um? Auch für mich war es Neuland, so hatte ich das noch nie gemacht. Nach kurzem Überlegen und in der Diskussion mit dem Kunden war klar: ich zeichne nicht die Essenz dessen, was gesagt wird, sondern ich zeichne die Folie selbst. Live und parallel zum Vortrag. Doch damit das funktionieren kann, muss der Inhalt klar strukturiert und reduziert sein.

mein-Arbeitsplatz
mein Arbeitsplatz in der Pause: externe Tastatur links, das Surface in der Mitte, die Maus rechts (Foto: Irber)

Vorbereitung ist alles

Im ersten Schritt bekam ich die Originalfolien. Gemeinsam mit den Vortragenden wurden sie von mir vereinfacht und zeichnerisch im Sinne einer Storyline umgesetzt. Um aber von Beginn an eine Struktur zu haben, die man füllen kann, wurden von mir Flächen, in denen Text hineinkommt, als bunte Farbcontainer angelegt. Das war für den Vortragenden eine Hilfe, er hatte ja keine fertige Folie mehr, von der er ablesen konnt, und ich war dankbar für eine Struktur, um zeichnerisch im Rahmen der Präsentationsfläche zu bleiben.
Leider konnten wir nicht proben, aber da die Session über 2 Tage viermal abgehalten wurde, hatten wir Potential zur Verbesserung. Durch die gute Vorbereitung hatte es bereits beim ersten Mal gut funktioniert. So gut, dass noch weitere Folien erst vor Ort für die Sessions 2-4 von mir umgesetzt wurden.

im-Einsatz
ich warte auf den Einsatz: die Vorlage ist zu sehen, jetzt muss sie noch gefüllt werden. Die gefüllte Folie kann ich leider nicht zeigen (Foto: Konstantin Ribel)

Das Feedback der Tagungsteilnehmer war sehr gut. De Kunde war zufrieden, und ich auch. Es war faszinierend zu sehen, wie sich jede Folie parallel zum Vortrag mit Worten oder Zeichnungen füllte: fast magisch.

Die technische Umsetzung

Technisch habe ich es mit Photoshop gelöst und für jede Folie eine eigene Ebenengruppe angefertigt, die jeweils eingeblendet wurde. Natürlich sahen die Teilnehmer beim Wechseln der Folie die Steuerungselemente von Photoshop, aber das kam sogar gut an und unterstrich die neu geforderte Improvisation im Veränderungsprozeß. Ansonsten habe ich viel mit Tastaturkürzeln gearbeitet und das blieb für die Teilnehmer unsichtbar.

Obwohl ich versteckt im Hintergrund neben der Technik saß, kamen nach jeder Session mehrere Teilnehmer auf mich zu und fragten mich, wie ich denn das gemacht habe, welche Software, welche Hardware, welche Tricks.
Für mich war diese Lösung eine Herausforderung gewesen: gespannt zuhören, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zeichnen und immer die Technik beherrschen. Aber alles hat gut funktioniert, Hardware und Software hatten mich nie im Stich gelassen. Klopf, Klopf, Klopf.

Ihr Wolfgang Irber


Foto: Konstantin Ribel

 

Published by

Wolfgang Irber

Business-Illustrator

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