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Erfahrungen als Illustrator aus gut zwei Jahren Zeichnen mit dem Microsoft Surface Pro4

7. Mai 2018
Schon als die Surface-Geräte das erste Mal sah, wusste ich: das könnte für mich passen. Mit dem Surface RT begann ich zu spielen, mit dem Surface Pro2 wagte ich den professionellen Einstieg und löste mein Wacom Intuos mit Dell-Notebook ab, blickte dann später neidisch auf das deutlich verbesserte Surface Pro3, und habe mit dem 4er den Umstieg gewagt.

Rückblickend gab es viel Licht und leider auch viel Schatten. Insgesamt hat es meinen Workflow jedoch komplett verändert und meine Produktivität deutlich gesteigert. Doch der Reihe nach.

Mein Arbeitsumfeld

Das Gerät ist ein Surface Pro 4 mit i7-Prozessor, 16 GB RAM und 256 GB SSD. Zusätzlich habe ich eine 128 GB SD-Karte für „ausgelagerte“ Dateien. Im Büro ist das Surface über eine USB 3.0 Dockingstation von pugable an die Peripherie angeschlossen. Unterwegs verwende ich es mit der ansteckbaren Tastatur. Zur Sicherheit habe ich zwei Stifte immer dabei und – weil es bequemer ist – eine Arc-Mouse.

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Mein Arbeitsplatz zu Hause

Was mache ich damit?

Alles! Ich habe keinen anderen Computer oder ein weiteres Tablet. Ob Gigabyte-große Photoshop-Dateien oder das Anhören von Musik, ob große Exceldateien oder das Zeichnen mit dem Stift, es ist mein Universalgerät.

Was hat sich verändert?

Vorher, auch mit dem Surface Pro2, hatte ich noch viel auf Papier skizziert und noch nicht mit Photoshop gezeichnet. Letzteres ging auf dem Surface Pro2 nicht besonders gut (Prozessor zu schwach?) und ich habe in „leichteren“ Programmen gezeichnet. Doch das Einscannen und das ewige Hin- und Her der Dateien mit Photoshop und anderen Programmen hat irgendwann genervt.

Heute zeichne ich alles mit Photoshop, ob Skizze, finale Zeichnung oder live auf Events. Dadurch hat sich mein Workflow vereinfacht und ist effektiver geworden. Photoshop bediene ich intuitiv mit vielen Tastatur-Shortcuts. Auch liebe ich es, unterwegs in Photoshop beliebige Pinsel zu testen und zu erstellen, und nicht nur eine standardisierte Vorgabe zu nutzen.

Die Leistung des Geräts reicht selbst für große Zeichnungen, die 0,5 bis 1 GB groß sind, locker aus und ich kann flüssig arbeiten. Zu wenige Rechenpower war noch nie das Problem.

Das Surface ist immer dabei, wenn ich unterwegs bin. Kundenwünsche können so jederzeit bedient werden. Schon oft habe ich in der Bahn, auf Flughäfen, im Flieger oder im Hotel gezeichnet, da es zeitlich nicht anders ging.

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Beim Zeichnen im Flieger

Da ich nur ein Geräte habe, habe ich kein Problem mit „wo liegen welche Dateien“ und „wie sind sie synchronisiert“. Alle wichtigen Daten liegen aus Sicherheitsgründen parallel in der Cloud (OneDrive) und alles wird automatisch auf einer externen Festplatte gesichert, wenn ich im Büro bin.

Insgesamt ist mein Reisegepäck leichter geworden und wenn ich das Surface in der Tasche spüre, weiß ich: alles dabei!

Was könnte verbessert werden?

Liebe Microsoft, das erste Jahr war mühsam. Ehrlich! Das interne Energiemanagement war eine Katastrophe. Angeblich waren die Treiber für den Prozessor nicht von Intel bereitgestellt. Immer wieder meinte auch ein Task, er müsse zu Höchstleistung auflaufen und 100% CPU-Leistung in Anspruch nehmen: Leistung für anderes fällt in den Keller, Geräte wird heiß und Akku wird leer. Wie auch immer, manchmal wollte ich das Gerät an die Wand werfen. Doch das ist glücklicherweise Geschichte! Wenn es auch 1,5 Jahr gedauert hat.

Mühsam war auch die Anpassung der Bildschirmskalierung bei Verwendung eines externen Bildschirms oder dem Wechsel zum reinen Surface. On the fly ging hier gar nicht, ein Neustart war die Regel. Mittlerweile sind die Kinderkrankheiten behoben, zumindest funktioniert es deutlich besser. Eine Zeitlang haben hier auch die Programme von Adobe nicht mitgespielt, obwohl es eine automatische Einstellung gab. Auch das ist mittlerweile gut. Kleinigkeiten zwar, aber Dinge, die nerven können.

Die Akkulaufzeit ist beim Zeichnen mit Photoshop auf eher 3-4 h beschränkt. Der i7-Prozessor ist zwar schnell, aber er zieht auch Strom. Musikhören könnte ich problemlos den ganzen Tag, aber beim richtigen Arbeiten mit Photoshop ist nach einem halben Tag Schluss.

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Tastaturkürzel sind bei Photoshop sehr bequem

Das Zusammenspiel mit meiner Dockingstation von plugable ist leider nicht optimal. Mindestens einmal am Tag beim Zeichnen reagiert der Touchscreen oder der Stift nicht mehr. Bei ersterem muss ich neu starten, bei letzterem reicht es oft, die Batterie aus dem Stift kurz herauszunehmen. Die Probleme habe ich nicht, wenn ich nur mit dem Surface ohne Peripherie zeichne, daher vermute ich die Dockingstation als Übeltäter.

Das Energiemanagement mit einfach zuklappen und wieder damit arbeiten kann gut klappen, muss aber nicht. Eine Regel konnte ich nicht entdecken. Das soll bei Apple-Geräten angeblich immer tadellos klappen…

Die Position des Ein-Aus-Schalters direkt neben der Leiser-Lauter-Taste ist unpraktisch. Passt man nicht auf, schaltet man das Gerät aus. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und taste mich vorsichtig an den richtigen Schalter. Aber intuitiv geht anders.

Die Abteilung von Microsoft, die an der Stift-Verwendung arbeitet, ist manchmal etwas zu forsch. Plötzlich werden mit einem Update die Eigenschaften des Stiftes verändert, ohne dass man darauf hingewiesen wird. Nach mühsamer Suche in Foren stößt man dann auf die Info. So konnte man plötzlich in Photoshop mit dem Stift nicht mehr zeichnen, sondern nur das Bild verschieben. Stunden habe ich gebraucht, bis ich im Internet die Einstellung fand, mit der ich den Normalzustand wieder herstellen konnte: ein langer Befehl für die Registry in der Kommandozeile. Kundenorientierung geht anders, liebe Microsoft! Die ellenlange Liste empörter Nutzer war eine eindeutige Sprache.

Eine wirkliche Verbesserung für mich persönlich wäre Bluetooth an der abnehmbaren Tastatur oder – fast noch besser – ein flexibler Adapter. Wenn ich zeichne, stört die fest angedockte Tastatur und ich muss sie abnehmen. Um die vielen Tastatur-Shortcuts in Photoshop dennoch bedienen zu können, brauche ich eine weitere externe Bluetooth-Tastatur. Im Büro habe ich das sowieso. Unterwegs habe ich eine kleine klappbare Tastatur. Aber das müsste halt nicht sein. Früher gab es sogar mal einen Bluetooth-Adapter für die Tastatur, aber er war offenbar nicht gefragt genug. Schade.

Und zu guter Letzt: die Software. So schön Win 8.1 auf dem Tablet war, so ästhetisch hässlich ist Win 10. Als Desktop-Variante ist es super schön, aber im Tablet-Modus… Was ich immer noch vermisse, dass beim Wischen von rechts wie früher auch die Uhrzeit angezeigt wird. Auch sonst sind es so viele kleine Dinge, die kann ich hier gar nicht auflisten. Sagen wir mal so: viel Luft nach oben.

Aber jetzt genug gemeckert.

Was ich an dem Gerät schätze?

Es ist leicht, es ist schnell, es ist trotz allem sehr zuverlässig, es ist innovativ, es sieht gut aus, die Haptik ist ein Genuß und das Zusammenspiel mit Stift, anderen Programmen und die Verwendung als Tablet wird mit jedem Update besser. Der Bildschirm ist sagenhaft, und allein den Touchscreen wollte ich nicht mehr missen, auch für das ganz normale Computing. Es ist für mich beruflich das perfekte Gerät und ich wüsste nicht, wie man es im Form-Faktor wesentlich verbessern könnte. Ich verwende es gerne nur als Tablet zum Surfen oder Videos schauen, oder mit Tastatur zum Arbeiten. Ich habe es jetzt knapp 2,5 Jahre und es ist immer noch auf der Höhe der Zeit. Größer sollte es nicht sein, und auch nicht kleiner.

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Live-Illustration

Würde ich es wieder kaufen?

Ja. Ein Surface oder ein ähnliches Geräte eines anderen Herstellers. Aber definitiv wieder die gleiche Geräteklasse. Wie ich schon sagte, perfekt für meine Bedürfnisse und mittlerweile funktioniert es richtig gut.

Kann ich es empfehlen?

Jein. Man sollte etwas nerdig veranlagt und mit Technik vertraut sein sowie die Bereitschaft haben, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen und sich neue Methoden anzueignen. Es ist ein Gerät, das Laptop und Tablet vereint. Wer erwartet, es wie ein normales Laptop zu verwenden, wird enttäuscht sein, so wie der Benutzer, der ein Tablet erwartet. Es ist eine neue Geräteklasse und verlangt Umdenken in der Benutzung. Wer dazu bereit ist, für den ist es ein klares Ja.

Ihr Wolfgang Irber

P.S. Vor kurzem habe ich auf einer Konferenz einen Wissenschaftler mit einem Surface Book gesehen. Er hat es entweder als Laptop benutzt oder umgeklappt als Tablet und in OneNote handschriftliche Notizen gemacht. Er hatte offenbar viel Routine in der Benutzung und es hat ihm Spaß gemacht. Für mich wäre es zu groß und damit auf Reisen zu unpraktisch. Dennoch ein cooles Gerät. Aber noch mehr hatte mich die Freude in der Benutzung beeindruckt!

Published by

Wolfgang Irber

Business-Illustrator