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Mit wenigen Strichen zum Wesentlichen – oder warum Führungskräfte mehr skizzieren sollten

Das Skizzenbuch als „schnelles“ und überall verfügbares Trainingsgerät für Wahrnehmung, Konzentration und visuelles Denken.

Wenn ich unterwegs bin und durch eine Stadt spaziere, im Museum bin oder in der Bahn sitze, ich habe fast immer ein Skizzenbuch dabei. Nicht, weil es mein Ziel ist, besonders gut zeichnen zu können und ich daher üben möchte.

Sondern weil Zeichnen mich genauer hinsehen lässt.

Dabei liebe ich das schnelle Zeichnen. Ohne Vorzeichnung. Ohne genau Planung. Ich sehe, ich zeichne. Nur wenige Minuten lang. Zeichnen ist aktives Sehen mit dem Stift. Oder anders gesagt: ich zeichne, also bin ich.

Und, nach einer Reise erinnere ich mich besser an die Dinge, die ich gezeichnet habe, als an die Hunderte von Fotos auf meinem Smartphone.

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Beim Skizzieren in einer italienischen Kleinstadt

Zeichnen schärft die Wahrnehmung

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Detail einer Kopfskizzen nach Fotos von Lisette Model in einer Ausstellung in Wien. Viele der kleinen Kopfskizzen in diesem Beitrag stammen davon.

Das Zeichnen lässt mich innehalten, alles andere ausblenden und ganz auf das „Objekt“ konzentrieren.

Erst beim Zeichnen sehe ich das, was ich sehe auch wirklich. Es ist der Unterschied zwischen passivem Sehen und aktiver Wahrnehmung.

Wenn Sie selbst zeichnen, werden sie merken, wie oberflächlich wir im ersten Moment sehen. Eigentlich schauen wir nur. Beim Zeichnen dagegen sehe ich Details, die ich vorher „übersehen“ habe: Ich achte ich auf Proportionen, Bewegungen, Beziehungen und Details. Auf Licht und Schatten. 

Doch gleichzeitig muss ich mich entscheiden.

Nicht alle Details sind wichtig. Immer wieder muss ich überlegen: Was ist für die Zeichnung wichtig und was nicht? Wie kann ich den Moment am besten mit wenigen Strichen reflektieren. Und wann kann ich aufhören? Wann muss ich aufhören?

Für Führungskräfte

Das schnelle Skizzieren ist eine Kaskade an Entscheidungen, die im Sekundentakt getroffen werden müssen: ein idealer Perspektivenwechsel für Führungskräfte.

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Die linke Skizze ist eine eigene Zeichnung in den Straßen von Capoliveri. Die rechte Skizze entstand am Abend in Porto Azzurro in wenigen Minuten. Den zweiten Hund unter dem Stuhl habe ich erst beim Zeichnen bemerkt.

Zeichnen hilft mutig zu sein

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Jeder Strich hat er sein Eigenleben. Der Finger führt den Stift oft unbewusst. Der unbewusste Teil kommt aus der jahrelangen Übungen. Der bewusste Teil ist die aktive Entscheidung, was ich wie zeichnen möchte.

Da ich fast immer nur mit Füller im Skizzenbuch zeichne, kann ich nichts korrigieren. Jeder Strich bleibt. Jeder Strich hat seine Aussage. Mit jedem Strich muss ich leben können so wie jeder Strich das Bild belebt.

Viele Zeichnungen, die spontan ohne Vorzeichnung entstehen, finde ich „lebhafter“ als mit Vorzeichnung. Daher mache ich im Skizzenbuch grundsätzlich keine Vorzeichnung. So wie übrigens auch bei meinen Graphic Recordings. Die Spontanität des unperfekten Strichs bringt sie zum Leben.

Natürlich gehört auch Mut zum Fehler dazu, den man entwickeln muss. Nichts ist schlimmer als der erste Strich auf weissem Papier. Aber mit der Zeit wird es leichter. Fehler werden zu Freunden und nicht zu Feinden. Und der erste Strich fällt einem nicht mehr so schwer.

Für Führungskräfte

Und hier ist die Analogie zum Business. Wie heisst es regelmäßig bei meinen Kunden: einfach mal machen. Nicht vorher alles genau durchdenken. Ein schnelle Skizze ohne Vorzeichnung ist das beste Training dafür und ich empfehle es für Führungskräfte. Ein Skizzenbuch verändert die Einstellung zum Leben und macht spontan.

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Beim schnellen Skizzieren auf einer Wanderung in Portugal entlang der Küste. Da ich immer jemanden brauche, der mich fotografiert, gibt es von mir Bilder, auf denen ich zeichne, nur von Wanderungen mit meiner Frau.

Zeichnen trainiert, das Wesentliche zu erkennen

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Wer mit dem Stift versucht schnell zu zeichnen, merkt sehr schnell, man muss sich auf das Wesentliche beschränken. Details kosten Zeit, die man nicht hat.

Gute Graphic Recorder zeichnen z.B. nicht alles, was gesagt wird. Sie beobachten Muster, Zusammenhänge und Kernaussagen. Sie überlegen permanent: Was ist wichtig, was kann weg? Und wie kann ich es mit wenigen Strichen darstellen?

Für Führungskräfte

Wer regelmäßig seine Umgebung skizziert, trainiert die Fähigkeit, Wichtiges zu erkennen.

Wichtig: Es geht es nicht um die perfekte Zeichnung. Es geht um die Haltung: Wie kann ich etwas mit wenigen Strichen festhalten und was ist dafür wirklich entscheidend?

Je regelmäßiger man das macht, umso intuitiver verändert sich der Blick auf alles um einen herum: Was ist nur Nebengeräusch und was ist wirklich essentiell?

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Ausschnitt aus meinem Notizenbuch von einer Vortragsreihe auf der Inhorgenta in München. Beim Zuhören muss ich mitschreiben und zeichnen. Sonst schlafe ich ganz schnell ein. Gerade die Kombination aus Wort und Bild finde ich später sehr inspirierend.

Zeichnen unterstützt die Erinnerung

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Ein Foto konserviert einen Moment. Eine Skizze rekonstruiert ihn. Beim Zeichnen beobachte ich bewusst und entscheide in jeder Sekunde welche Linie ich setze, interpretiere das Gesehene und übersetze es.

Der Kopf arbeitet aktiv mit. Ein Foto ist in weniger als einer Sekunde gemacht. Eine Zeichnung, und sei es nur eine schnelle Skizze, dauert ein paar Minuten. Bei komplexen Motiven auch gerne eine halbe Stunde und ist dennoch immer nur eine schnelle Skizze.

Ich kann mich oft noch Jahre später an Mitreisende im Zug erinnern, den ich einmal auf einer Reise skizziert habe. Die Zeichnung ist vielleicht mittelmäßig und verwackelt. Die Erinnerung daran ist erstaunlich lebendig.

Für Führungskräfte

Genauso lebendig ist es, jemandem beim Zeichnen zu beobachten. Regelmäßig ermuntere ich Führungskräfte, den Stift in die Hand zu nehmen (Der Stift als Schlüssel zu klarer Führung). Denn dann haben sie die ganze Aufmerksamkeit des Teams. Bereits mit wenigen Strichen und einfachen Symbolen lassen sich Probleme und Lösungen skizzieren. Und wie krakelig auch die Zeichnung wird, das Team wird sich lebhaft daran erinnern.

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Schnelle Zeichnung von einer jungen Dame im Zug. Selten sieht man noch jemanden, der ein Buch aus Papier liest. Aufgefallen ist es mir erst beim Skizzieren.

Das Skizzenbuch als Wahrnehmungstagebuch für Ideen

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Ideen und Visionen entstehen selten aus dem Nichts. Sie entstehen aus Aufmerksamkeit und genauer Beobachtung. Aus Reflektion und Innehalten. Aus der Erweiterung des Blickwinkels. Wer lernt, die Welt genauer wahrzunehmen, erkennt häufiger Muster, Möglichkeiten und Entwicklungen. Wer regelmäßig skizziert, schärft seine Sinne.

Das Skizzenbuch ist für mich deshalb mehr als ein Zeichenbuch. Es ist ein Wahrnehmungstagebuch. Es ist meine Verbindung von unbewusstem Sehen zu bewusstem Sehen. Es ist meine Möglichkeit, unterbewusstes Denken für mich bewusst zu machen.

Viele Ideen entstehen bei mir nicht im stillen Nachdenken. Sie entstehen beim Skizzieren.

So komme ich z.B. auf die Ideen für meine Visionsbilder. Nicht beim stundenlangen Brüten über dem zur Verfügung gestellten Text. Sondern beim Setzen der ersten Striche.

Für Führungskräfte

Der Stift ist für mich die Verbindung vom Kopf zum Papier. Mit dem Stift wird mein Denken sichtbar. Ich bin mir sicher, dass ich hier nicht alleine bin. Nachahmung ist wärmstens empfohlen.

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Auf einer Wanderung auf Elba. Diese Minuten der Konzentration genieße ich besonders.

Von Dr. Wolfgang Irber

Ich unterstütze Unternehmen dabei, ihre Ideen sichtbar zu machen, indem ich Veränderungsprozesse begleite und großformatige Visionsbilder für die Kommunikation entwickle. Zusammen mit meiner Frau lebe ich in Neubeuern bei Rosenheim.