In meiner täglichen Arbeit mit Visions- und Strategiebildern werde ich mit den unterschiedlichsten Begriffen konfrontiert. Sie werden fast beliebig und austauschbar verwendet, aber meinen doch im Kern immer etwas anderes.
Daher versuche ich eine Begriffserklärung und Zuordnung.
Dialogbild
Dialogbild ist – für mich – der Oberbegriff für alle hier beschriebenen Visualisierungsvarianten.
Immer wird mit dem Bild ein Thema auf anschauliche und nachvollziehbare Weise erklärt. Diese Bilder treten in den Dialog mit dem Betrachter und regen zur Diskussion an.
Es geht um die Darstellung eines komplexen Zusammenhangs im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven , z.B. von aktuellen Marktrends, der eigene Historie, sozialen Veränderungen, wirtschaftlichen Perspektiven, der eigene Vision, etc.
Marktführer in Deutschland ist die Firma Dialogbild in Hamburg. Daneben gibt es zahlreiche kleinere Anbieter, wie auch mein kleines Büro.
Viele nutzen den Begriff Wimmelbild, den ich allerdings nicht so gerne höre, da er doch eher den Kinderbüchern zuzuordnen ist.
Im internationalen Sprachgebrauch werden Dialogbilder Big Picture, The Bigger Picture oder auch Rich Picture genannt.
Prozessbilder

Prozessbilder sind eine eigene Gruppe innerhalb der Dialogbilder. Sie werden für die Erklärung der Zusammenarbeit unterschiedlicher Abteilungen in einem Großunternehmen oder für die Darstellung des Ineinandergreifens firmeninterner Prozesse genutzt.
Sie zeichnen sich durch einen eher technisch-strukturierten Aufbau aus.
Wertebilder

Wertebilder sind eine besondere Unterform der Dialogbilder und versuchen Ideale, Wertvorstellungen und/oder gemeinschaftliche Arbeitsweisen einer Firma im Überblick vorzustellen.
Idealerweise sind die Werte an der Firmenvision und Strategie ausgerichtet und im Bild mit anschaulichen Beispielen erklärt.
Nur zu sagen: „Wir kommunizieren auf Augenhöhe“ ist zu pauschal. Erst mit der Darstellung von 1-3 Beispielen ist die Erwartung eindeutig und unmissverständich aufgezeigt. Auch eine Erklärung, warum die Kommunikaton auf Augenhöhe für die Umsetzung der Strategie notwendig ist, macht es verständlicher.
Mit Wertebildern werden die gemeinschaftlichen Normen und Arbeitsweisen über alle Arbeitnehmer hinweg als Norm vereinheitlicht. Sie stellen das interne Fundament für alles Handeln dar.
Zielbilder

Auch: Leitbild, Visionsbild, Transformationsbild, Strategiebild, Zukunftsbild
Zielbilder sind eine weitere Variante der Dialogbilder, und wie der Name sagt, immer mit einer Ausrichtung auf ein spezielles Ziel.
Während im Dialogbild/Prozessbild keine visuelle Erzählrichtung vorgegeben sein muss, weisen Zielbilder im Aufbau immer auf ein konkretes Ziel in der Zukunft und besitzen einen strukturierte Leserichtung.
In Zielbildern wird ein Weg beschrieben, der zum Ziel hinführt und aufzeigt, wie das Ziel erreicht werden kann.
Das Ziel kann beispielsweise die erfolgreiche Umsetzung eines neuen Kunden-Prozesses sein, die Einführung eines neuen digitalen Tools wie z.B. eine Umstellung auf SAP, oder die Darstellung eines visionären Zustands in 10 Jahren.
Leitbilder, Visionsbilder, Transformationsbilder, Zukunftsbilder und Strategiebilder sind daher den Zielbildern zuzurechnen, allerdings mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung:
- Bei einem Leitbild werden neben dem Ziel auch die Werte aufgenommen, es ist also eine Kombination aus Ziel- und Wertebild.
- Bei der Vision ist die Darstellung eines gewünschten Zielzustandes wichtig.
- Bei der Transformation geht es um die Wandlung vom einen in einen anderen Zustand.
- Ein Zukunftsbild richtet den Blick nach vorne.
- Bei der Strategie geht es um die Ausführung der strategischen Schritte zur Erreichung eines Ziels
Der inhaltliche Schwerpunkt bestimmt die visuelle Gestaltung und die Kernaussage, die jedes Bild haben sollte.
Eine Firma, die ich seit vielen Jahren für ihre außergewöhnlichen Transformationsbilder bewundere, ist die Schweizer Firma Zense.
Beispiel
Leitbild für den Medizinischen Dienst
Leitidee
Wenn wir gemeinsam zusammenarbeiten und unsere Werte leben, können wir unseren Auftrag erfüllen.




Ziel
Neue Werte mit der Vision verbinden.
Vorgehen
Briefing mit dem Kernteam über Videocall und schrittweise Bildentwicklung. Großer Workshop mit vielen Mitarbeitenden.
Mehr Details zu diesem Prozess aus Kundensicht finden Sie in diesem Blogeintrag.
Wirkung
Abstrakte Texte bekommen eine visuelle Zuordnung.
Was unterscheidet Prozessbilder von Zielbildern im Bildaufbau?
Prozessbilder

Prozessbilder sind illustrierte Abbildungen von Prozessabläufen und alle Elemente im Bild sind für sich gleichwertig.
Man kann überall im Bild einsteigen und mit der Erklärung beginnen. Der Prozess bestimmt die Bildstruktur oder wie es im Design gesagt wird: „Form follows function.“
Gleiches gilt für die Wertebilder, die in einzelnen Blöcken jeden Wert erläutern, aber meist keinen komplexen Bildaufbau besitzen. Gerne wird ein Raster verwendet.
Da Prozessbilder und Wertebilder die Realität abbilden, sind in der Erstellung nur wenige Freiheitsgrade möglich.
Vor allem Prozessbilder haben keine besonderen Anforderung an eine besonders empathische Kommunikation.
Zielbilder

Zielbildern weisen eine sichtbare Erzählstruktur auf, in der alles auf das Erreichen des Ziels ausgerichtet ist.
In einem sorgfältig aufeinander abgestimmten Storytelling werden folgende Aspekte erläutert:
- Warum wollen wir das Ziel erreichen?
- Wie ist der Ausgangszustand?
- Was muß verändert werden, um losgehen zu können?
- Welche strategischen Schritte sind notwendig?
- Womit ist auf dem Weg zum Zielzustand zu rechnen?
- Woran erkenne ich den Endzustand?
Zielbilder erzählen eine Geschichte
Da meist eine Metapher verwendet wird, liegt die Herausforderung für den Gestalter darin, aus den fast endlosen Möglichkeiten in der Darstellung die passende Variante zu finden.
In Zielbildern wird zudem durch den sorgfältig designten Aufbau das Auge des Betrachters geführt. Meist ist die Leserichtung von links nach rechts oder von vorne nach hinten. Jedes Element erfüllt eine Funktion in der Erzählgeschichte. Nichts ist dem Zufall überlassen oder hat nur gestalterische Funktion.
Alles macht Sinn.
Die Aufgabe von Zielbildern
Orientierung
Ein gutes Zielbild beschreibt die Zukunft und bietet bei Entscheidungen Unterstützung. Es zeigt, wohin sich das Unternehmen verändern soll und warum.
Motivation
Das Ziel zu erreichen ist anstrengend und nicht selbstverständlich. Mit der Darstellung im Bild wird deutlich, warum sich der Aufwand dennoch lohnt.
Ja, wir schaffen es
Auch wenn das Zielbild ambitioniert erscheint, die kommunizierten Ziele sind dennoch realistisch.
Klare Kommunikation
Zielbilder lassen sich so einfach kommunizieren, dass sie von allen im Unternehmen verstanden werden: von der Putzfrau bis zum Vorstand.
Beispiel
Leitbild für Mittelstand
Leitidee
Nur mit Leidenschaft und gemeinsam können wir unsere Qualität jetzt und in Zukunft sichern.




Ziel
Das Werteverständnis auch neuen Mitarbeitenden mit Empathie nahe zu bringen.
Vorgehen
Briefing via Videocall mit dem Kernteam, um die Inhalte festzulegen und schrittweise auszuarbeiten. Intern Abstimmung mit Mitarbeitenden.
Wirkung
Alle neu eingestellten Fachkräfte erkennen ihre Rolle in der Sicherung der Qualität.
Wie kommunizieren Sie Ihre Vision oder Strategie an die Mitarbeitenden?
















Inspirieren Sie mit der Kombination aus einer Geschichte und einem großen Bild, indem alle Bausteine klar zu sehen sind und das Warum erklärt wird.

Wir Menschen denken in Bildern und nur, wenn wir etwas täglich vor Augen haben, bleibt es in Erinnerung. Oder wie heisst es: Aus den Augen, aus dem Sinn. Und genau das ist bei der täglichen Umsetzung der Strategie wenig hilfreich.
Beispiele für meine Arbeit finden Sie unter Leitbild: Im 4-Stufenprozess zu gemeinsamer Orientierung
