Die meisten Visionen scheitern nicht an der Idee. Sie scheitern daran, dass sie niemand wirklich akzeptiert. Sie hängen in Fluren, stehen auf Webseiten und tauchen in Präsentationen auf.
Aber im Alltag spielen sie keine Rolle.
Und das hat einen einfachen Grund: Visionen werden häufig „top-down“ fürdie Belegschaft formuliert – aber nicht mitihnen. Doch was passiert, wenn man das Prinzip umdreht?
Ein Perspektivwechsel, der alles verändert
In einem Projekt, das ich visuell begleitete, stand genau diese Frage im Raum:
Wie entsteht eine Vision, die nicht nur verstanden wird, sondern den Alltag verändert?
Normalerweise hätte es diesen klassischen Ablauf gegeben: Workshop mit Führungskräften → Leitbild formulieren → kommunizieren.
Stattdessen wurde der Prozess vom CEO geöffnet: Die Vision sollte von innen entstehen, das Team spielte die Hauptrolle. Bottom‑up – nicht Top‑down.
Das Ziel war nicht eine „bessere Formulierung“. Das Ziel war echte Identifikation mit den Inhalten.
Der entscheidende Unterschied: Beteiligung statt Abstimmung
Viele Organisationen glauben, sie würden beteiligen, doch tatsächlich lassen sie oft nur abstimmen:
Ideen werden gesammelt
Entscheidungen trotzdem oben getroffen
Ergebnisse „zurückkommuniziert“
Das fühlt sich für Mitarbeitende schnell an wie: „Wir durften mitreden, aber nicht mitgestalten.“
Ein echter partizipativer Ansatz funktioniert anders:
Perspektiven werden sichtbar gemacht
Widersprüche werden zugelassen
Konstruktive Vorschläge entstehen aus der Gruppe heraus
Die Vision wird nicht von oben herab definiert: Sie entwickelt sich aus der Mitte der Belegschaft.
Wie aus vielen Perspektiven ein gemeinsames Zukunftsbild wird
Angestoßen wurde der Prozeß zuerst von einer Handvoll ausgewählten Vertretern der Belegschaft. Die finale Ausarbeitung fand mit einer weltweiten Auswahl an rund 70 Teammitgliedern statt, die für zwei Tage in einem Hotel bei Zürich zusammenkamen.
Der Prozess folgte keiner simplen Ideensammlung, sondern einer klaren Dramaturgie.
1. Realität sichtbar machen
Was prägt die Organisation heute wirklich? Wichtig ist nicht das, was im Leitbild steht – sondern das, was heute gelebt wird.
2. Perspektiven öffnen
Unterschiedliche Rollen, Teams und Ebenen bringen ihre Sicht ein. Oft wird hier zum ersten Mal sichtbar: Wie unterschiedlich „die gleiche Organisation“ wahrgenommen wird.
3. Spannungen bewusst aufzeigen
Wo entstehen Reibung, Konflikte, Widersprüche? Genau hier liegt das größte Potenzial. Denn, eine Vision entsteht nicht aus Harmonie, sondern aus Spannung.
4. Zukunftsszenarien entwickeln
Nicht als PowerPoint‑Text, sondern als konkrete, vorstellbare Szenarien:
Wie arbeiten wir zusammen?
Wie treffen wir Entscheidungen?
Wie erleben Kunden uns?
Klare Szenarien und Bilder statt unklarer Buzzwords.
5. Verdichten statt bewerten
Statt sofort zu entscheiden, werden Ideen gesammelt, kombiniert, zugespitzt. So entstehen gemeinsame Grundlagen für:
wiederkehrende Themen und Muster
gemeinsame Sehnsüchte
erste Ideen für eine gemeinsame Richtung
6. Gemeinsames Ziel formulieren
Erst jetzt wird die Vision greifbar: Nicht weil jemand sie formuliert hat, sondern weil viele sie bereits als das Ergebnis des Prozesses gesehen haben.
7. Als Zukunftsbild für alle sichtbar machen
Hier kommt der entscheidende Schritt: Die Vision wird visualisiert. Warum? Weil Bilder Komplexität reduzieren und Emotion erzeugen.
Und genau das braucht eine Vision, um zu wirken.
Was dabei entsteht, und warum es wirkt
Der größte Unterschied zeigt sich nicht im Ergebnis, sondern im Verhalten danach:
Eine klassische Vision wird zwar verstanden, ist aber nicht relevant, sie wird akzeptiert, aber nicht gelebt.
Mit der Bottom‑up‑Vision bleibt sie emotional verankert, wird aktiv genutzt und ist in Gesprächen präsent.
Der Effekt: Die Vision wird Teil der täglichen Entscheidungen. Selbst heute, nach 8 Jahren, wird das Bild immer noch genutzt.
Warum dieser Ansatz entscheidend ist
Viele Führungskräfte stehen heute vor der gleichen Herausforderung. Sie sollen die Transformation beschleunigen, Orientierung geben und die Menschen mitnehmen.
Eine Vision soll all das leisten. Doch sie kann es nur, wenn sie nicht „verordnet“, sondern „angenommen“ wird.
Der Bottom‑up‑Ansatz ist kein „nice to have“. Er ist eine Antwort auf ein zentrales Führungsproblem:
Wie entsteht Klarheit in komplexen Organisationen?
Fazit: Die stärksten Visionen kommen nicht von oben
Eine Vision, die von oben formuliert wird, kann richtig sein. Aber sie bleibt oft fremd.
Eine Vision, die von innen entsteht, ist vielleicht weniger perfekt formuliert, aber sie ist von der Mehrheit getragen.
Und genau das macht den Unterschied. Nicht die Formulierung entscheidet über die Wirkung, sondern der Weg dorthin.
Und welche Rolle hat die Visualisierung gespielt?
Die Visualisierung war der rote Faden im gesamten Change-Prozess. Sie hat Diskussionen in klare, greifbare Bilder übersetzt und damit Komplexität reduziert und gemeinsames Verständnis geschaffen.
Vom ersten Scribble bis zum finalen Visionsbild diente sie als gemeinsamer Referenzpunkt, an dem sich alle ausrichten konnten. Entscheidend war dabei nicht nur das Ergebnis, sondern der Prozess: Weil das Bild iterativ gemeinsam entwickelt wurde, entstand echte Identifikation mit dem Bild und dessen Botschaften.
Im Rollout wurde die Illustration schließlich zum zentralen Träger der Vision – digital, räumlich und weltweit sichtbar verankert.
So haben die Zeichnungen Klarheit geschaffen und Licht ins Dickicht der vielen Worte gebracht.
Weitere Blogeinträge zum Thema Vision und Strategie
Bildquelle: Ein Großteil der Bilder wurde mir von der Pressestelle der DGU zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür!
Der Job
Es galt, die Kongressteilnehmer über drei Tage zu drei Themen zu befragen und die Ergebnisse zu visualisieren.
Wo siehst du die Urologie in 10 Jahren?
Was bedeutet für dich Urologie verbindet?
Was ist dein Game Change für eine nachhaltige Entwicklung der Urologie?
Der Eingang zum Congress Center in Hamburg: Urologie verbindet
Für jede Frage gab es einen kleinen Block, auf dem die Kongressteilnehmer ihre Antwort schreiben konnten. Anfangs ging ich aktiv auf die Kongressteilnehmer zu und versuchte sie mit Charme zu überreden, ihre Antwort abzugeben. Immer bedurfte die Antwort einer weiteren Erklärung, das Geschriebene war für mich als urologisch Aussenstehenden nie selbsterklärend. So haben die Interviews gut ein Drittel meiner Zeit in Anspruch genommen.
Ich habe erfahren, was Urologen bewegt, wie sie sich sehen und wie sie die Zukunft ihrer Zunft bewerten. Herausgekommen ist ein einzigartiges Schlaglicht zu den urologischen Themen der Zeit.
Wie sagte einer so schön: „Wir sind ein lustiges Völkchen. Denn bei uns gibt es keine Scham, wir arbeiten immer unter der Gürtellinie.“
Die besondere Herausforderung: der Hintergrund
12 qm zu füllen ist keine alltägliche Aufgabe und es wurde definitiv das größte Bild meiner Karriere als Eventzeichner aka Graphic Recorder.
Allein wegen der Größe der Fläche war mir klar, dass ich hier einen neuen Weg gehen musste, um das Bild auch von der Ferne visuell attraktiv zu machen. Das erste Mal wollte ich daher mit großflächig angelegten Hintergründen arbeiten.
Die Dipersionsfarbe ist meine Wahl
Um einen großflächig farbigen Hintergrund zu bekommen, testet ich in den Wochen davor verschiedene Farben auf verschiedenen Untergründen. Schliesslich wählte ich Dispersionsfarbe, die in Anlehnung an die offiziellen Kongressfarben im Baumarkt angemischt wurde. Darauf wollte ich mit schwarzen und weissen Faserstiften zeichnen.
Die Köpfe als Leitmotiv
Das visuelle Leitmotiv der Tagung bestand aus einfachen Köpfen im Profil, die mit einem Pinsel gut auf die Fläche zu bringen waren. Knifflig waren die weissglänzend-lackierten Alu-DiBond-Platten, da eigentlich Kapaplatten für die Wand ausgemacht waren. Um eine gleichmäßig Deckung zu bekommen, musste ich die Farbe zweimal aufbringen und dazwischen einen Tag Trocknungszeit abwarten.
Und wieder muss es mein Edding sein
Was ärgerlicher war: Mit den Stiften von Neuland und Copic ließ sich auf der glatten DiBond-Fläche leider überhaupt nicht mehr arbeiten. Sie hinterliessen nur einen blassen Strich. Also musste doch wieder mein geliebter 0815-Edding einspringen, der mich noch nie im Stich gelassen hat, auf welcher Oberfläche auch immer.
Die Durchführung
Drei Tage hatte ich für die Visualisierung Zeit, plus einem halben Tag Vorbereitung. Rund 35 Einzelgespräche habe ich in dieser Zeit geführt, insgesamt wohl 300 min oder 5 h.
Am ersten Kongresstag füllten noch viele Gespräche mit den Kongressteilnehmern meine Zeit, die Hintergrundköpfe mussten trocknen und erst spät am Nachmittag begann ich die zeichnerische Umsetzung der Antworten.
Am zweiten Kongresstag „gab ich Gas“ mit der Visualisierung und führte weniger Gespräche. Am letzten Tag konzentrierte ich mich auf die Fertigstellung und investierte nur noch wenig Zeit in die Gespräche.
Selbst akrobatisch war ich gefordert. Um die 12 qm wirklich zu füllen, habe ich viel im Liegen für das untere Drittel gearbeitet und für das obere Drittel stand ich auf einer kleinen Leiter. „Dass Sie mir aber nicht runterfallen!“, sagte der Messebauer zu mir mit erhobenem Zeigefinger.
Meine Highlights
In den drei Tagen habe ich viel über die Urologie gelernt. Sie sind inder Tag ein „lustiger Haufen“, wie eine Familie und natürlich gibt es auch hier viele Themen der Verbesserung oder Veränderung.
Es gibt ein Problem in der Kommunikation untereinander (wo gibt es das nicht), zu anderen Fachbereichen und zwischen Klinik und Niederlassung, die Nachhaltigkeit könnte durch den Trend zu Wegwerfinstrumenten viel besser sein, die KI wird vieles in der Administration verändern, es gibt Schwierigkeiten ausreichend Nachwuchs zu finden und die Einzelpraxis ist keine Modell mehr für die Zukunft. Aber alles in allem ergab sich ein sehr stimmiges Bild und die Mehrzahl der Antworten war positiv und zukunftsfroh.
Nimmt die KI-Assistenten den Harnbecher, wird sofort die Analyse gestartet: Wunsch oder bald Realität? (Bild: DGU)Viele Bereiche werden durch den Einsatz der KI verbessert (Bild: DGU)Sind autonom operierende Roboter ein realistisches Szenario für die Zukunft? (Bild: DGU)
Spannend für mich war, wie sich einzelne Illustrationen mit der Zeit durch Kommentare weiter entwickelten. Zum Beispiel ist bei der Zeichnung zu „Urologie betrifft jeden“ jede Sprechblase ein eigener Teilnehmer-Beitrag.
Ich lernte: Irgenwann muss jeder mal zum Urologen, früher oder später (Bild: DGU)
Gleiches passierte bei der der Illustration zu „Urologie verbindet“. Einer meinte mit Schmunzeln: „Wenn du Spaß im Beruf haben willst, geh zur Urologie.“ Und so hat sich fast jede Illustration über die Tage weiter entwickelt.
Ein kleine Werbung für den Beruf
Besonders amüsant fand ich einen älternen Urologen, der meinte, früher hätte er zu seinen Patienten gesagt, wenn sie nur einmal die Nacht aufstehen müssen, dann das ist gut. Jetzt ist er selbst in diesem Alter und er merkt, wie kreativ man in dieser schlaflosen Zeit sein kann. Jetzt sagt er: einmal ist super!
Ich selbst konnte diesen Rat gleich in die Tat umsetzen, da ich in Hotels mittlerweile eher schlecht schlafe. So habe ich um halb drei morgens im Bett erste Skizzen zu den Antworten gemacht. Klappte gut!
Nachts aufstehen zu müssen, kann die Kreativität fördern. Ich kann es nur bestätigen.
Mein Resümee zum Malen auf einem Hintergrund aus Dispersionsfarbe
Auf den Dispersionsfarben liess sich gut zeichnen, aber sie mussten auf der DiBond-Platte mindestens 12 h trocknen. Das wäre auf Kapa schneller gegangen. Technisch besonders herausfordernd war die unterschiedliche Oberfläche von Dispersion (rauh) zu DiBond (glatt).
Da die Dispersionsfarbe nicht wirklich trocken war, wenn ich zum Zeichnen anfing, schmierte auch gerne der Faserstift zu. Aber das war keine wirkliche Behinderung.
Würde ich es wieder so machen? Ich denke schon, wenn ich auch noch mehr experimentieren würde. Anfangs hatte ich noch zu Hause mit den extrabreiten Stiften von Neuland experimentiert, um den Hintergrund anlegen, aber schnell merkte ich, man bekommt keine gleichmässigen, sondern streifige Flächen, da es keine deckenden Farben sind. Und auf DiBond wäre ich mit Ihnen verloren gewesen.
Die extra angemischten Dispersionsfarben sind preislich in Ordnung, treffen genau den Kundenfarbton, sind leicht zu verarbeiten und völlig unproblematisch auf allen Oberflächen. Aber es muss eine Toilette in der Nähe sein, auf der man die Pinsel auswaschen kann, da sehr viel Wasser nötig ist.
Es war eine völlig neue Erfahrung für mich, bei einem „graphic recording“ Job auch mit richtigen Pinseln zu arbeiten, und ich genoss es. Ich fühlte mich mehr als Künstler als jemals zuvor.
Das Arbeiten mit dem Pinsel ist sehr meditativ (Bild: DGU)
Teilnehmerfeedback
Je weiter das Bild fortschritt, desto mehr Interesse zog es auf sich. Am dritten Tag standen oft fotografierende Teilnehmer links und rechts von mir, während ich noch gezeichnet habe.
Kurz zusammengefasst: Die Kongressteilnehmer liebten es. Viele kamen immer wieder, um ihre Antwort im Bild zu sehen. Einer war von dem Jungs-TÜV so begeistert, dass er mehrmals mit wechselnden Freunden kam, um es zu zeigen. Wie ich gelernt habe, ist Hodenkrebs bei jungen Männern ein großes Thema. Früher wurde er bei der Musterung zum Wehrdienst häufig entdeckt, jetzt eben nicht mehr.
Als ich einmal von der Pause zurückkam, hing ein Zettel mit einem Herz und Ausrufezeichen an der Wand. Ein anderes Mal hatte sich sogar jemand selbst aktiv mit Herz auf der Wand verewigt (ganz rechts in der Wand, neben der KI).
Der Jungs-TÜV wäre für junge Männer sehr wichtig (Bild: DGU)
Was passiert mit dem Bild?
Wie ich erfahren habe, wurde es abgebaut und soll entweder in der DGU-Geschäftsstelle in Düsseldorf wieder aufgebaut werden oder an ein Krankenhaus gehen. Die große Fläche ist wohl eine Herausforderung, auch im Nachhinein.
Mein Dank
Als erstes möchte ich der DGU danken, die sich auf das Experiment eingelassen hat und mich auf dem Kongress herzlichst aufgenommen hat. Die Urologen sind in der Tag ein „besonderes Völkchen“. Ein großer Dank geht hier an die Pressestelle der DGU für die Überlassung der vielen wunderbaren Bilder.
Als zweites geht mein Dank an die Agentur Interplan, die mich hervorragend betreut und alles sehr professionell organisiert hat. Es gab wirklich nichts, was meine Ansprechpartnerinnen je aus der Ruhe gebracht hätte.
Und natürlich möchte ich auch allen aktiven Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmern danken. Ohne deren Mitwirkung hätte das Bild nie entstehen können. Besonders die Frauen haben sich hier – wie so oft – offener, neugieriger und kreativer gezeigt als die Männer.
Woran das wohl liegt? Eine meinte lächelnd: „Wahrscheinlich sind sie wir es durch den Umgang mit Kindern gewohnt, uns auf Neues einzulassen und damit spielerisch umzugehen“.
Vielleicht wäre das eine Lösung für den Umgang mit den Problemen in diesem Land.
Visions- und Strategiebilder sind komplexe visuelle Erzählungen. Sie beschreiben eine übergeordnete Geschichte und viele kleinere – das Warum, das Wie und das Was der Transformation eines Unternehmens. Ihr Zweck ist es, Klarheit über bevorstehende Veränderungen zu schaffen.
Damit derart komplexe Bilder auch ihre ganze Wirkung erzielen können, müssen Sie bestimmte Vorgaben erfüllen. Hier meine 12 besten Tipps aus rund 15 Jahren Erfahrung.
1 Ein Visionsbild braucht Zeit
Bei meinen ersten Aufträgen hieß es oft: wir brauchen das Bild ganz dringend in zwei Wochen. Und ich ließ mich darauf ein. Es war immer Stress, und nie war ich mit dem Ergebnis des hektisch zusammengeschusterten Bildes zufrieden. Die Kunden offenbar schon, also machte ich weiter.
Heute weiß ich, dass ein gutes Visionsbild Monate reifen muss, mit viel Austausch mit dem Kunden und seinen Mitarbeitenden. Aufträge, die mir weniger als einen Monat Zeit geben, nehme ich nicht mehr an. Eine Vision ist 3-10 Jahre gültig, da sollte auch etwas Zeit für die Visualisierung enthalten sein.
Warum es so lange dauert? Das liegt an den folgenden Punkten:
2 Ein Visionsbild macht eine Zukunft sichtbar, die viele Kunden so konkret noch nicht beschreiben können
Das ist sicher keine neue Erkenntnis, aber dieser Zustand der Ungewissheit ist bei der Erstellung von Visionsbildern ein zentrales Thema. Denn wie kann ich ein Bild der Zukunft zeichnen, wenn die meisten Kunden die Zukunft nicht konkret beschreiben können?
Das ist jetzt kein Vorwurf an die Kunden, sondern liegt in der Natur der Sache. Eine Vision ist meist nur eine vage Idee, die es zu konkretisieren gilt.
Um diese Klarheit beim Kunden zu generieren, braucht es viele Fragen, und Zeit. Das Wort Warum ist ein wichtiges Werkzeug.
Die direkte Kommunikation mit den Entscheidern ist dabei essentiell. Sind Dritte dazwischen geschaltet, z.B. eine Assistentin oder eine Agentur, wird es unnötig kompliziert und zieht sich in die Länge.
An dieser Stelle noch ein Achtung: wenn das Bild ein Herzensprojekt der Marketing- oder Personalabteilung ist, aber der CEO nicht dahinter steht, kämpft man meist vergebens mit einem firmeninternen Konflikt und kommt zu keinem befriedigenden Ergebnis.
3 Ein Visionsbild ist das Ergebnis eines Prozesses
Um ein Visionsbild zeichnen zu können, müssen viele Fragen beantwortet werden (siehe Punkt 2). Oft findet dabei beim Kunden ein Prozess der internen Synchronisierung statt. Ich stelle eine Frage, einer antwortet und ein anderer sagt: „Aber nein, ich sehe das anders.“ Spätestens bei der ersten Skizze holt mich diese Wirklichkeit ein. Ich nenne dies die Katharsis, die Reinigung von verbalen firmeninternen Missverständnissen.
Das ist gut so und nicht überraschend, denn das erste Mal sind alle Details der Vision auf einen Blick sichtbar. Was vorher nur vage und missverständlich im Raum und in den Gedanken schwebte, wird sichtbar und konkret (siehe Punkt 2). Daher ist dieser Prozess parallel zur Bildentstehung so wichtig und entscheidend.
4 Ein Visionsbild ist keine Illustration, sondern eine Übersetzung
Texte zu Visionen, Missionen, Strategien und Werten sind meist sehr knapp gehalten. Sie sind das Ergebnis einer langen firmeninternen Diskussion und ein Konzentrat aus vielen Stunden Workshop.
Jetzt wird es kompliziert: Als Zeichner war ich meist nicht Teil der Diskussion, soll aber mit dem Bild mehr sagen, als die vorhandenen kurzen Texte. Das Bild soll sie erläutern und verständlich machen. Es soll sie so übersetzen, dass jeder in der Firma sie versteht.
Ein ausführliches Briefing ist daher unabdingbar. Im Idealfall ist der Zeichner von Anfang an dabei und kann den Prozess begleiten bzw. unterstützen. Ich persönlich bevorzuge mittlerweile einen kleinen Tages-Workshop als Briefing. Und kann damit die Punkte 2-4 abhaken.
5 Ein Visionsbild muss eine Geschichte erzählen
Geschichten sind selbst in der modernen Zeit das Mittel der Wahl, um abstrakte Informationen verständlich und wiedererzählbar zu gestalten. Eine Geschichte hat einen Beginn, einen Mittelteil und ein Ende. Alles hängt voneinander ab. Nichts kann weggelassen werden, sonst funktioniert die Geschichte nicht mehr.
Es ist daher hilfreich, die Vision als Geschichte zu erzählen und zwar so spannend und so einfach wie möglich. Wenn alle Bestandteile aus Vision, Mission, Strategie und den Werten eine in sich geschlossene Geschichte ergeben, ist das Ziel erreicht. Die Vision lebtund nimmt ihren Platz in den Köpfen und Herzen der Mitarbeitenden ein.
Für mich kommt das Finden der passende Geschichte noch vor dem ersten Strich. Mit den Jahren habe ich gelernt, dass die erste Skizze viel leichter fällt, wenn die zugrunde liegende Story stimmt.
6 Ein Visionsbild braucht eine klare Erzählstruktur
Hier unterscheiden sich Wimmelbilder von Visionsbildern. Wimmelbilder stellen das pralle Leben einer Situation dar: je mehr passiert, umso besser, aber vieles steht in keinem Bezug zu einander.
In einem Visionsbild hat jede Figur, jede Farbe, jede Position eine Bedeutung. Alles erzählt etwas. Im Bild gibt es einen Anfang und ein Ende. Das Bild ist vom Aufbau genau geplant und das Layout ist die Wiedergabe der Erzählstruktur.
Daher muss – wie schon in Punkt 6 – zuerst die Geschichte stimmen, dann kommt das Bild. Nach dem gleichen Schema wurden früher die Kirchenbilder geschaffen. Nur dass damals die Geschichten schon fertig aus der Bibel kamen.
7 Ein Visionsbild funktioniert am besten als Metapher
Schon immer verwenden wir Metaphern, um neue Inhalte verständlich zu machen. Herr Meier (mit dem Namen wird hier wird keine Bild generiert) sieht aus wie der typische Buchhalter (hier wird ein Bild generiert). Jetzt wissen alle, wie Herr Meier wohl aussieht, ohne dass er im Detail beschrieben wurde.
Wir verwenden laufend Metaphern in der täglichen Sprache, ohne uns dessen bewusst zu sein. Wenn der Chef sagt, vor uns liegen Herausforderungen, die sind kein Spaziergang im Park, sondern eher mit der Besteigung des Mount Everest zu vergleichen, dann wissen die Mitarbeitenden, was sie zu erwarten haben: Es wird anstrengend.
Mit Metaphern wird der unbekannte neue Raum der zu erreichenden Vision zu einem vertrauten Raum. Es muss keine Bergbesteigung oder eine Schiffsreise sein. Mit etwas Kreativität findet sich immer die passende Metapher.
8 Ein Visionsbild braucht maximale Beteiligung
Natürlich ist es am einfachsten, wenn das Visionsbild zu Beginn nur von einem kleinen Gremium erarbeitet wird. Da es aber die gesamte Belegschaft ansprechen soll, sollte im Verlauf der Bildentstehung das gesamte Team auch ein Mitspracherecht bekommen.
Das Team muss nicht zwingend von Anfang an dabei sein, aber sobald die Skizze die Geschichte gut wiedergeben kann, sollte man sich an die Mitarbeiter wenden und sie um ihre Meinung dazu fragen. Und über dieser Art der Einbindung haben sie sich dazu viel intensiver mit der Vision beschäftigt als es sonst je der Fall gewesen wäre: Eindeutig eine Win-Win-Situation.
Oft gibt es mit dem Feedback im Bild signifikante Änderungen. Nicht so sehr an der zugrunde liegenden Story, aber an den Details in der Darstellung. Und die können entscheidend sein (siehe Punkt 9).
Wenn die Mitarbeitenden dann ihre Vorschläge im finalen Bild wiederfinden, werden sie automatisch zu dessen Botschaftern.
9 Ein Visionsbild muss viele Details und auch Humor enthalten
Warum sind Kinder von Wimmelbildern so fasziniert? Weil es immer etwas Neues zu entdecken gibt. Dieses Muster funktioniert auch bei Visionsbildern. Gerade die Details sind es, die das Visionsbild so typisch für die Firma machen. Hier bin ich immer auf die Hilfe der Mitarbeitenden angewiesen (siehe Punkt 8).
Gleichzeitig sollten die Details mit Humor gewürzt werden. Dann macht es Spaß, diese Bilder zu betrachten und sie auch gemeinsam anzusehen. Spielerisches Betrachten funktioniert immer. Humor ist der Kleber fürs Gehirn, um sich die Inhalte des Bildes zu merken.
10 Ein Visionsbild sollte in Abschnitten erzählt werden
In den Visionsbildern sind in der Regel so viele Details enthalten, dass sie die Mitarbeitenden überfordern, wenn sie das Bild zum ersten Mal in seiner ganzen Fülle zu sehen bekommen.
Daher ist es von Vorteil, wenn das Bild parallel zur Erzählung aufgebaut wird und das ganze Bild erst am Ende zu sehen ist. Die moderne Technik macht es möglich. So können sich die Mitarbeitenden immer auf die aktuell wichtige Aussage in der Erzählung konzentrieren, ohne sich in der Detailfülle zu verlieren.
11 Ein Visionsbild muss aktiv betrachtet werden
Dieser Punkt ist entscheidend für den langfristigen Erfolg der Transformation, die eine Vision zwangsläufig bedeutet. Das Bild aufzuhängen und zu hoffen, dass sich daraus automatisch die Veränderung im Alltag ergibt, ist ein Trugschluss.
Das Bild muss aktiv von den Führungskräften immer wieder herangezogen und diskutiert werden. Es muss Teil jeder Mitarbeiterversammlung, jedes Kick-off und jedes Jahreszielgesprächs sein. Es muss Teil eine kritischen Reflektion mit den erreichten und nicht erreichten Zielen sein, denn nur so bleibt es authentisch und lebt.
12 Ein Visionsbild muss nach einer Weile angepasst werden
Wir leben in volatilen Zeiten. Was heute gültig ist, kann morgen schon verworfen sein. Wird das Visionsbild angepasst, ist es ein sichtbares Zeichen für die Mitarbeitenden, dass sich etwas geändert hat. Und dass die Firma es auch ernst mit der Veränderung meint. Mehr Sichtbarkeit geht nicht.
Erstmals nach einem halben Jahr, spätestens nach einem Jahr, sollte man wieder einen gemeinsamen Blick darauf werfen.
Die Illustrationen für diesen Beitrag wurden von mir über die KI in Microsoft Designer generiert und teils in Photoshop weiter bearbeitet.
In meiner täglichen Arbeit mit Visions- und Strategiebildern werde ich mit den unterschiedlichsten Begriffen konfrontiert. Sie werden fast beliebig und austauschbar verwendet, aber meinen doch im Kern immer etwas anderes und werden anders genutzt.
Daher versuche ich eine Begriffserklärung und Zuordnung.
Dialogbild
Dialogbilder treten in den Dialog mit dem Betrachter.
Dialogbild ist für mich der Oberbegriff für alle hier beschriebenen Visualisierungsvarianten.
Immer wird mit dem Bild ein komplexes Thema auf anschauliche und nachvollziehbare Weise erklärt. Diese Bilder treten in den Dialog mit dem Betrachter und regen zur Diskussion an.
Es geht um die Darstellung eines komplexen Zusammenhangs im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven , z.B. von aktuellen Marktrends, der eigene Historie, sozialen Veränderungen, wirtschaftlichen Perspektiven, der eigene Vision, etc.
Marktführer in Deutschland ist die Firma Dialogbild in Hamburg. Daneben gibt es zahlreiche kleinere Anbieter, wie auch mein kleines Büro.
Viele nutzen den Begriff Wimmelbild, den ich allerdings hier nicht so gerne höre, da er doch eher den Kinderbüchern zuzuordnen ist.
Im internationalen Sprachgebrauch werden Dialogbilder Big Picture, The Bigger Picture oder auch Rich Picture genannt.
⇢ Prozessbilder
Prozessbilder sind eine eigene Gruppe innerhalb der Dialogbilder. Sie werden für die Erklärung der Zusammenarbeit unterschiedlicher Abteilungen in einem Großunternehmen oder für das Ineinandergreifen der Prozesse genutzt. Sie zeichnen sich durch einen eher technisch-strukturierten Aufbau aus.
⇢ Wertebilder
Wertebilder sind eine besondere Unterform der Dialogbilder und versuchen Ideale, Wertvorstellungen und/oder gemeinschaftliche Arbeitsweisen einer Firma im Überblick vorzustellen.
Idealerweise sind die Werte an der Firmenvision und Strategie ausgerichtet und im Bild mit anschaulichen Beispielen erklärt.
Nur zu sagen: „Wir kommunizieren auf Augenhöhe“ ist zu pauschal. Erst mit der Darstellung von 1-3 Beispielen ist die Erwartung eindeutig und unmissverständich aufgezeigt. Auch eine Erklärung, warum die Kommunikaton auf Augenhöhe für die Umsetzung der Strategie notwendig ist, macht es verständlicher.
Mit Wertebildern werden die gemeinschaftlichen Normen und Arbeitsweisen über alle Arbeitnehmer hinweg als Norm vereinheitlicht. Sie stellen das interne Fundament für alles Handeln dar.
Zielbilder sind eine weitere Variante der Dialogbilder, und wie der Name sagt, immer mit einer Ausrichtung auf ein spezielles Ziel. Während im Dialogbild/Prozessbild keine visuelle Erzählrichtung vorgegeben sein muss, weisen Zielbilder im Aufbau immer auf ein konkretes Ziel in der Zukunft und besitzen einen strukturierte Leserichtung.
In Zielbildern wird ein Weg beschrieben, der zum Ziel hinführt und aufzeigt, wie das Ziel erreicht werden kann.
Ein Zielbild heisst Zielbild, weil im Bild ein Ziel zu sehen ist.
Das Ziel kann beispielsweise die erfolgreiche Umsetzung eines neuen Kunden-Prozesses sein, die Einführung eines neuen digitalen Tools wie z.B. eine Umstellung auf SAP, oder die Darstellung eines visionären Zustands in 10 Jahren.
Leitbilder,Visionsbilder, Transformationsbilder, Zukunftsbilder und Strategiebilder sind daher den Zielbildern zuzurechnen, allerdings mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung:
Bei einem Leitbild werden neben dem Ziel auch die Werte aufgenommen, es ist also eine Kombination aus Ziel- und Wertebild.
Bei der Vision ist die Darstellung eines gewünschten Zielzustandes wichtig.
Bei der Transformation geht es um die Wandlung vom einen in einen anderen Zustand.
Ein Zukunftsbild richtet den Blick nach vorne.
Bei der Strategie geht es um die Ausführung der strategischen Schritte zur Erreichung eines Ziels
Der inhaltliche Schwerpunkt bestimmt die visuelle Gestaltung und die Kernaussage, die jedes Bild haben sollte.
Eine Firma, die ich seit vielen Jahren für ihre außergewöhnlichen Transformationsbilder bewundere, ist die Schweizer Firma Zense.
Was unterscheidet Prozessbilder von Zielbildern im Bildaufbau?
Der visuelle Aufbau von Prozessbildern
Prozessbilder sind illustrierte Abbildungen von Prozessabläufen und alle Elemente im Bild sind für sich gleichwertig. Man kann überall im Bild einsteigen und mit der Erklärung beginnen. Der Prozess bestimmt die Bildstruktur oder wie es im Design gesagt wird: „Form follows function.“
Gleiches gilt für die Wertebilder, die in einzelnen Blöcken jeden Wert erläutern, aber meist keinen komplexen Bildaufbau besitzen. Gerne wird ein Raster verwendet.
Da Prozessbilder und Wertebilder die Realität abbilden, sind in der Erstellung nur wenige Freiheitsgrade möglich. Vor allem Prozessbilder haben keine besonderen Anforderung an eine besonders empathische Kommunikation.
Zielbildern weisen eine sichtbare Erzählstruktur auf, in der alles auf das Erreichen des Ziels ausgerichtet ist. In einem sorgfältig aufeinander abgestimmten Storytelling werden folgende Aspekte erläutert:
Warum wollen wir das Ziel erreichen?
Wie ist der Ausgangszustand?
Was muß verändert werden, um losgehen zu können?
Welche strategischen Schritte sind notwendig?
Womit ist auf dem Weg zum Zielzustand zu rechnen?
Woran erkenne ich den Endzustand?
Zielbilder erzählen eine Geschichte
Da meist eine Metapher verwendet wird, liegt die Herausforderung für den Gestalter darin, aus den fast endlosen Möglichkeiten in der Darstellung die passende Variante zu finden.
In Zielbildern wird zudem durch den sorgfältig designten Aufbau das Auge des Betrachters geführt. Meist ist die Leserichtung von links nach rechts oder von vorne nach hinten. Jedes Element erfüllt eine Funktion in der Erzählgeschichte. Nichts ist dem Zufall überlassen oder hat nur gestalterische Funktion.
Alles macht Sinn.
Die Aufgabe von Zielbildern
Orientierung
Ein gutes Zielbild beschreibt die Zukunft und bietet bei Entscheidungen Unterstützung. Es zeigt, wohin sich das Unternehmen verändern soll und warum.
Motivation
Das Ziel zu erreichen ist anstrengend und nicht selbstverständlich. Mit der Darstellung im Bild wird deutlich, warum sich der Aufwand dennoch lohnt.
Ja, wir schaffen es
Auch wenn das Zielbild ambitioniert erscheint, die kommunizierten Ziele sind dennoch realistisch.
Klare Kommunikation
Zielbilder lassen sich so einfach kommunizieren, dass sie von allen im Unternehmen verstanden werden: von der Putzfrau bis zum Vorstand.
Wie kommunizieren Sie Ihre Vision oder Strategie an die Mitarbeitenden?
Großes Erklärbild für eine Welt ohne Plastik-AbfallWertebild für die ZukunftLeitbild mit der Insel der Selbstgefälligkeit und dem ParadiesVisionsbild für eine Welt ohne AbfallWir gestalten unsere Zukunft und bauen unsere Bahnstrecke mit vereinten KräftenLeitbild für die neue Vision als WeltraummetapherVisionsbild mit Raumschiffen und Astronauten auf dem Weg zum Stern Be No. 1Transformations-Geschichte für das Erreichen der neuen VisionWertebild für eine gemeinsame VisionVisionsbild für den Umbau vom alten zu einem neuen SAP-SystemFotovoltaikanlagen als Leitbild für eine lebenswerte Zukunft in einem kleinen DorfStrategiebild für die Eroberung neuer MärkteZielbild für die vielen ÄnderungenWie wollen wir in Zukunft sein? Weltraumbild für junge Nerds.Was kommt auf uns zu? Ehrliche Kommunikation mit Aussicht auf Besserung.Digitalisierung in allen Bereichen. Eine digitale Agenda sichtbar gemacht.Die Bilder können durch Anklicken größer betrachtet werden
Inspirieren Sie mit einer Geschichte und einem großen Bild, indem alle Bausteine klar zu sehen sind und erklären Sie das Warum.
Doch warum mit einem Bild? Weil bereits unsere Sprache voller bildhafter Bezüge ist:
Lasst uns zuerst ein Bild machen, wie ist das Big Picture, ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.
Wir Menschen denken in Bildern und nur, wenn wir etwas täglich vor Augen haben, bleibt es in Erinnerung. Oder wie heisst es: Aus den Augen, aus dem Sinn. Und genau das ist bei der täglichen Umsetzung der Strategie wenig hilfreich.
Gemeinsam erarbeitet von Florian Bies (Informatiker & Berater bei Ritzenhöfer in Mettmann) und Wolfgang Irber (Illustrator & Graphic Recorder)
Bilder, die heute schon mit künstlicher Intelligenz generiert werden können, sind von einer Qualität, die Illustratoren in der Kürze der Zeit nie erreichen können. Doch stimmt die optische Qualität mit der inhaltlichen überein?
Florian und ich sind dieser Frage auf der alljährlichen Sommerkonferenz 2024 der Beratungsfirma Ritzenhöfer in Mettmann nachgegangen.
Das Thema der Konferenz mit fünf Vorträgen und 4 Themenräumen lautete: Force of Change: Transformation (in) einer chaotischen Welt.
Unsere Aufgabe war es, die fünf Vorträge im Sinne des Graphic Recordings visuell zu reflektieren, einmal von mir mit der Hand digital gezeichnet und einmal von Florian über die KI generiert.
Wolfgang saß links, Florian rechts. Die fertigen Bilder wurden dann zur Ansicht auf den großen Monitor geladen. Hier waren wir noch ganz am Anfang.
Arbeitsweise
Da wir nicht neben der Bühne Platz nehmen konnten, mussten wir die Veranstaltung via MS-Teams-Stream folgen. Dabei haben wir uns auf das gesprochene Wort konzentriert, gezeigtes Bildmaterial wurde sowohl von uns als auch von der KI nicht genutzt.
Prompt = kurze Beschreibung des gewünschten Bildes als normaler Text oder in Stichworten, mit dem der KI die Anweisung gegeben wird, die Bilderzeugung zu starten.
Jeder Vortrag war 30 min lang, und kurz nach dem Ende jedes Vortrags mussten beide Bilder (Mensch und KI) vorliegen. Die Gäste des Sommerfestes wurden gebeten, die Ergebnisse zu bewerten und dabei entwickelten sich zahlreiche Diskussionen. Zu den mit KI-generierten Bildern wird als Bildunterschrift auch der originale von ChatGPT erstellte Begleittext gezeigt.
Wolfgang (Illustrator)
Meine Arbeitsweise war klassisch und entsprach dem normalen Graphic Recording:
Zuhören > Nachdenken > Zeichnen
Letzteres fand rein digital in der App Concepts auf meinen Surface Pro 9 statt. Da die Zeit begrenzt war, musste ich spätestens 15 min nach Beginn des Vortrags mit der Zeichnung beginnen, um am Ende fertig sein zu können.
Hier werden die Bilder mit der Hand gezeichnet.
Florian (Informatiker)
Florian hatte den Graphic Recording-Prozess weitestgehend automatisiert und im Vergleich einen ruhigen Job:
Die gestreamten Vorträge wurden live transkribiert (KI-Modul Whisper von Open AI).
Basierend auf dem Transkript wurde ChatGPT aufgefordert eine Zusammenfassung des Vortrags zu generieren.
Die automatisch generierte Zusammenfassung diente als Prompt–Vorlage für die Bilderzeugung in DALL-E, die weniger als eine Minute dauerte.
Die Anweisungen an ChatGPT/DALL-E wurden jeweils leicht variiert, die KI behielt jedoch weitestgehend die künstlerische Freiheit über die Art der Darstellung.
Hier werden die Bilder mit der KI generiert.
Vortrag 1 The Force of Good
Transformation in Banking und Technology
Der Vortrag zeigte, dass die Bank mit dem Einsatz von Technologie kundenorientierter werden könnte und sich mit dem Einsatz der Blockchain in der Finanzkrise verloren gegangenes Vertrauen wieder herstellen ließe.
Kommentar von Wolfgang Im Vortrag fiel es mir durch die vielen Abschweifungen des Vortragenden schwer, eine klare Aussage zu finden. Dreimal versuchte ich, eine Visualisierung zu starten, ohne aber den Kern zu treffen.
Erst zum Ende hin wurde der Vortrag klarer, doch die Zeit war zu Ende. So beschränkte ich mich auf die generelle Veränderung in der Bankenbranche mit dem Zitat: „Gut für Berater“ hin zu einem kundenfreundlichen „End-to-end-Concierge-Dienst“ am Beispiel der modernen Internetbanken.
Originale Bildbeschreibung von DALL-E Hier ist das Bild, das die Hauptideen des Vortrags darstellt. Es kombiniert Elemente von Chaos und Transformation, moderne Technologien im Bankwesen, Vertrauen und Regulierung, Nachhaltigkeit sowie zukunftsorientierte Technologien. Ein Geschäftsmann im Anzug, der mit dem Fahrrad fährt, symbolisiert umweltfreundliche Fortbewegung.
Unser Kommentar Die KI generierte im Vergleich ein sehr bildgewaltiges Kaleidoskop an kleinen Illustrationen, die alle behandelten Aspekte wiedergeben. Ohne Erläuterung ist das Bild aber nicht zu verstehen. Die Texte im Bild sind oft verstümmelt. Gewählte Assoziationen wie der fahrradfahrende Banker, der für Nachhaltigkeit steht, lassen einen eher schmunzeln.
Vortrag 2 The Force of AI
Reshaping the Financial Industry
Der auf Englisch gehaltene Vortrag ging auf den Umbau des gesamten Bankenwesens durch die KI ein. Die neue Bank nutzt KI als stabile Basis für viele Dienste, um daraus einen sicheren und demokratisch gleichwertigen Zugang für alle Menschen zu schaffen. Der Vortrag hatte eine klare Struktur und war in fünf Punkte gegliedert, in denen die KI für Verbesserungen sorgen kann.
Kommentar von Wolfgang In meiner Zeichnung lasse ich die heutige Bank sehr plakativ von einer Dame (Referenz auf die Rednerin) mit KI-Hammer zerstören. Die neue Bank von morgen steht auf einer Basis aus KI und bietet die Dienste für alle Menschen an.
Da ich die begleitenden Folien nicht sehen konnte, verlor ich leider den Bezug zu den besprochenen Kategorien, die von der KI klar aufgenommen wurden.
Originale Bildbeschreibung von DALL-E Here is the illustration capturing the main ideas of the presentation about the transformative potential of AI in finance. The image highlights five key areas: regulatory compliance and financial reporting, fraud detection and prevention, personalized financial guidance, conversational finance, and middle and back office operations, all interconnected by an AI brain symbolizing intelligence and data analysis
Unser Kommentar Die Kernaussage des Bankenumbaus kommt im KI-generierten Bild nicht zum Ausdruck. Das Bild ist in sechs Kategorien unterteilt, die in 4 Feldern von einer bunte Kollektion an Symbolen begleitet werden. Die KI-Texte im Bild sind verstümmelt. Je genauer man sich die einzelnen Bildsegmente anschaut, desto unklarer wird, was sich hinter der klaren Struktur verbirgt.
Vortrag 3 The Force of Art
Leben verändern durch Kunst
Der Vortrag erzählte davon, dass spielerisch erlebte Kreativität ohne festes Ziel wichtig ist, um sich selbst besser zu erkennen und dem Leben einen Sinn geben zu können. Als Beispiel wurde ein Projekt mit Kindern in der Ukraine gezeigt, die aus russischen Waffenresten Instrumente erstellen und darauf musizieren. So haben sie die Möglichkeit- trotz Krieg – die eigenen kreativen Potentiale für ihr späteres Leben besser erkennen zu können.
Kommentar von Wolfgang Mein Bild folgt einer Leserichtung von links nach rechts und gibt viele Originalzitate aus dem Vortrag wieder, die damit auch die Kernaussage reflektieren.
Links oben ist der Vortragende auf seiner persönlichen Sinn-Suche zu sehen, die der Anlass für die kreativen Projekte war.
Originale Bildbeschreibung von DALL-E Hier ist das Bild, das die Kernaussage von Tom Lupos Vortrag visualisiert. Es zeigt eine lebendige Szene in einer kriegszerstörten Umgebung, wo Kinder kreative Aktivitäten ausüben und von Erwachsenen unterstützt werden. Die Kinder sind glücklich und ihre Kunstwerke sind farbenfroh, was Hoffnung und Transformation inmitten der Zerstörung symbolisiert.
Unser Kommentar Das KI-generierte Bild ist rein visuell in Farbigkeit und Detailreichtum dem Bild von Wolfgang deutlich überlegen. Die wesentlichen Elemente werden zwar dargestellt, aber aus dem Bild wird das Warum nicht klar. Dennoch spricht es in seiner Emotionalität an.
Vortrag 4 The Force of Story
Lust auf Zukunft machen
Die Essenz des Vortrags war, dass man Menschen mit einer starken Geschichte die Lust auf eine unbekannte Zukunft geben kann. Gut erzählt, kann sie eine Einladung zu einer Reise sein, ein Versprechen auf eine Chance. Menschen können dabei selbst entscheiden, ob sie daran teilnehmen wollen oder nicht.
Kommentar von Wolfgang Im Bild von mir steht eine „starke“ Sprechblase in der Mitte, die Bild-Leserichtung geht wieder von links nach rechts und erzählt eine kleine Geschichte mit Hilfe der originalen Zitate.
Originale Bildbeschreibung von DALL-E Hier ist eine visuelle Darstellung der Kernaussage des Vortrags. Die Illustration zeigt einen Erzähler auf einer Bühne, umgeben von einem aufmerksamen Publikum. Im Hintergrund schlängelt sich ein Weg von einem dunklen Tal durch Herausforderungen (dargestellt als Berge) zu einem hellen, sonnigen Gipfel, der eine Reise symbolisiert. Im Vordergrund halten sich Menschen an den Händen, was die Verbindung und das Hormon Oxytocin darstellt. Emotionen sind in den Gesichtern zu sehen: Glück, Überraschung und Nachdenklichkeit. Ein Schmetterling, der aus einem Kokon schlüpft, symbolisiert Transformation.
Unser Kommentar Das KI-generierte Bild ist schön anzusehen, aber erschließt sich nicht ohne Erläuterung. In diesem Fall wurde die KI übrigens aufgefordert, das Bild einer menschlichen Zeichnung nachzuempfinden. Die Inhalte der Gedankenblasen bleiben rätselhaft. Typische KI-Fehler sind enthalten, wie z.B. der fehlende Arm bei der Dame ganz rechts neben der Sprechblase „Challenges“.
Vortrag 5 The Force of Words
Die Macht der Worte
Der Vortrag erklärte, dass die richtigen Worte in der richtigen Tonalität aus dem Chaos wieder Ordnung erzeugen können. Dies sei genau die Aufgabe der Berater, die in einer Firma oft Chaos mit Unsicherheit vorfinden, aber die Unordnung mit den richtigen Worten wieder in einen geordneten „Garten der Ökonomie und das Wachstums“ überführen können.
Kommentar von Wolfgang In meinem Bild habe ich die ungeordnete VUCA-Welt einem geordneten Garten der Ökonomie gegenübergestellt. Der Übergang von Unordnung zur Ordnung gelingt mit den richtigen Worten eines Beraters. Originale Zitate ergänzen das Bild. Von allen Zeichnungen ist dies meine Lieblingszeichnung.
Dem augenzwinkernden Verweis des Vortragenden auf die Ritter der Ritzenhöfer Tafelrunde habe ich einen kleinen Raum links oben gegeben. Dem konnte ich nicht widerstehen.
Originale Bildbeschreibung von DALL-E Hier ist das Bild, das die zentrale Botschaft des Vortrags darstellt: Die Kraft der Worte, die Ordnung ins Chaos bringen und das Leben der Menschen beeinflussen. Ich hoffe, es gefällt Ihnen!
Unser Kommentar Im KI-generierten Bild ist eine Burg mit Rittern in einer Tafelrunde zu sehen. Dabei hatte der Redner in der Einleitung nur kurz erwähnt, dass ihn die Ritzenhöfer-Villa in Mettmann an eine Burg erinnert, in der die Ritzenhöfer-Ritter der Tafelrunde versammelt sind. Dieser kurze Satz am Anfang hatte gereicht, um das Bild zu dominieren, das an einen geheimnisvollen Berater-Geheimbund mit zentralem Magier erinnert.
Zusammenfassung
Allgemeine Beobachtung
Die Antwort auf die Frage, kann die KI über einen automatisiert ablaufenden Prozess einen Graphic Recorder ersetzen, lautet eindeutig:
Heute „noch“ nicht.
Die Bilder sind von beeindruckender visueller Opulenz, aber noch von geringer inhaltlicher Relevanz.
Wo sich alle Gäste einig waren: Nach dem ersten WOW-Moment und der näheren Betrachtung der Bilder ergaben sich viele Fragezeichen:
Was wird hier gezeigt?
Wo ist die Kernaussage?
Welche Geschichte erzählt das Bild?
Auch wenn es die KI in einem Live-Recording einfacher hat, den Inhalt in seiner Gesamtheit zu erfassen, da sie das Bild nicht im Verlauf des Vortrags schrittweise entwickeln muss, hat sie Schwierigkeiten, die Kernaussage klar herauszustellen.
Am besten wurde von den Konferenzteilnehmern das KI-Bild des dritten Vortrags beurteilt, da es auch emotional sehr berührte.
Ein rein automatisch ablaufendes Graphic Recording erscheint derzeit daher noch nicht möglich.
Florian (ganz links) in der Diskussion mit den BesuchernWolfgang erklärt die Bilder
Wo ist die KI stark?
Visuelle Opulenz
Wir waren – wie auch alle Konferenzteilnehmer – von der visuellen Mächtigkeit der künstlich generierten Bilder beeindruckt, die allerdings gerne in eine dramatische Gestaltung abglitt.
Textliche Zusammenfassung
Einen hervorragenden Job machte die KI in der Zusammenfassung der langen Vorträge zu einem kurzen Absatz, der als Vorlage für die Prompts dienten. Besser ist es nicht mehr möglich.
Oft war für mich der Prompt klarer als das daraus generierte Bild.
Wo ist die KI schwach?
Einbindung von Text
Die Einbindung von Text als wesentliches Gestaltungselement beim Graphic Recording ist der KI kaum gelungen. Text erschien in den Bildern bestenfalls stark reduziert und oft verstümmelt. (Anmerkung Juni 2026: Mittlerweile gelingt das der KI viel besser, wenn auch immer noch viele Fehler enthalten sind, aber zumindest ist der Text lesbar geworden)
Hier unterscheiden sich auch die KI-generierte Bilder von den Menschen-gemachten am deutlichsten:
Vom Menschen erzeugtes Graphic Recording ist handgeschriebener Text in Kombination mit einfachen Illustrationen im Stil von Sketchnotes;
KI-generiertes Graphic Recording ist eine bildgewaltige Illustration mit wenig oder gar keinem Text.
Trennung von Wichtigem von Unwichtigem
Auch konnte die KI nicht werten oder bewusst Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. Wenn ein Redner unstrukturiert gesprochen hat und sich in unwichtigen Details verlor, wurde das so von der KI abgebildet (Vortrag 1). Was im Vortrag häufig erwähnt wurde, aber vielleicht gar keine Relevanz hatte, erschien dennoch im Bild sehr dominant (Vortrag 5).
Zu viel visuelles Rauschen
Oft entstand der Eindruck einer Willkürlichkeit, was die Nutzung visueller Elemente durch die KI angeht. Ganz nach dem Motto: Hauptsache ein Bild, ob es Sinn macht oder nicht (Vortrag 2). Bildelemente wurden oft mit Bedeutung aufgeladen, die ohne Text nicht erkennbar war (Vortrag 1 und 4). Gerne wird visuell eher zu viel als zu wenig gezeigt. Das erschwert es dem Betrachter, die Bilder schnell zu verstehen.
Kein Multi-Storytelling
Das Unvermögen der KI, in einem Bild unterschiedliche Aspekte abzubilden ist auffällig. Beim Sketchnoting oder Graphic Recording wird dieses Stilmittel gerne verwendet, um einen logischen Bezug bzw. eine erzählerische Abfolge darzustellen, wie z.B. im letzten Vortrag mit dem Übergang von Unordnung zu Ordnung.
Kein klare Geschichte
Die größte Schwäche der KI ist daher in unseren Augen das Fehlen einer internen Geschichte, in der die Kernaussage erzählt wird. So ist es kein Graphic Recording mehr, sondern eine visuelle Untermalung der Vortragsgeschichte, die sich aber im Nachhinein daraus nicht mehr erschließen lässt.
Dennoch: Die KI-generierten Bilder könnten gut als Illustration für einzelne Aspekte in einem Vortrag genutzt werden.
Ausblick
Ist damit die KI als Graphic Recorder völlig gescheitert?
Wir sagen: „Nein“.
Wir können es uns gut vorstellen, dass ein zeichnerisch nicht begabter Zuhörer intelligent gemachte Prompts zusammenstellt, mit denen Bilder in kürzester Zeit passend zum Vortrag generiert werden. Das Titelbild dieses Blogeintrags wurde zum Beispiel auf diese Weise in nur 3 min mit DALL-E in Microsoft Designer generiert (Prompt schreiben, erste Iteration, Prompt anpassen, zweite Iteration).
Hier der genutzte Prompt in DALL-E: ein männlicher Illlustrator, ca. 60 Jahre alt, mit Brille, kämpft gegen eine zeichnende künstliche Intelligenz, style=comic
Prompten erfordert viel Sorgfalt und Zeit
Oft entspricht das erste Ergebnis vielleicht nicht ganz der eigenen Vorstellung, allerdings gibt es bereits heute die Möglichkeit Ausschnitte des Bildes von der KI korrigieren zu lassen. Ergänzt man das noch mit einer kurzen Textzusammenfassung, haben die KI-generierten Bilder eindeutig großes Potential.
Auf diese Weise könnte die vom Menschen angeleitete KI tatsächlich heute schon einen Graphic Recorder ersetzen, nur eben nicht automatisiert.
Die KI ist in der Bilderstellung etwas wiederspenstig
Doch in der KI-gestützten Bildgenerierung muss man sich bewusst sein, dass man hier versucht, ein „wildes Tier zu zähmen“. Die generierten Bilder haben einen großen Freiheitsgrad an Zufälligkeit und widersetzen sich gerne den Vorgaben. Ein Bild zu schaffen, das genau den eigenen Vorstellungen entspricht, ist unmöglich.
Je einfacher und zufälliger das Bild sein darf, umso eher wird das Ergebnis die Vorstellung treffen. Komplexe Sachverhalte, die aus Einzelaspekten bestehen und miteinander eine Geschichte erzählen, sind derzeit – unserer Meinung nach – nicht zu erstellen.
Auch handgemachtes Graphic Recording hat Limitierungen
Mir selbst ist in dieser Konferenz mit der zeitlichen Limitierung wieder deutlich vor Augen geführt worden, wie sehr man als Graphic Recorder von einer guten Vortragsstruktur und Klarheit der Aussagen abhängig ist. Ist das nicht gegeben, kann live und synchron kaum ein vernünftiges Recording stattfinden.
Im Nachhinein würde ich fast alle Bilder, die ich gezeichnet hatte, anders zeichnen, um die Kernaussage noch besser zu reflektieren. Aber diesen Luxus hat man im Live-Recording nicht. Als Graphic Recorder kann ich zwar versuchen, einen versteckten Sinn zu finden, aber es gilt wie überall: Input = Output. Auch für den Prompt, um die Bilder künstlich zu generieren.
Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.
Antoine de Saint-Exupéry
Warum ist eine Workshop-Visualisierung anders als Graphic Recording?
Gute Arbeit will auch gesehen werden. Es wäre sonst sehr schade um die investierte Zeit.
Das auf Workshops häufig eingesetzte klassische Graphic Recording (so wie ich es auch anbiete) kommt an seine Grenzen, da es zwar parallel zum Geschehen ein visuelles Protokoll erzeugt, aber durch die fehlende Reflektion noch keine Analyse und Auswertung anbieten kann.
Selbst die Vorstellung der Ergebnisse im Plenum durch die Arbeitsgruppen ist schwierig live mitzuzeichnen, da sie gruppenabhängig oft sehr ungleichwertig stattfindet und zeitlich unter Druck steht. Alles muss schnell gehen, aber eine gute Zeichnung braucht etwas Zeit.
Wenn Sie eine gute Rede schreiben wollen, machen Sie das auch nicht in 5 Minuten.
Graphic Recording
Wiedergabe der Inhalte parallel zum Ereignis
Inhalte sind nur durch den Graphic Recorder bestimmt
Normalerweise kein ausgefeiltes Layout möglich
Am gleichen Tag fertig
Keine Fehlerkorrektur
Workshop-Visualisierung
Reflektierte Zusammenfassung meist danach
Inhalte entstehen in Absprache mit dem Auftraggeber
Auf die Inhalte sorgfältig abgestimmtes Layout
Nach der Veranstaltung fertig
Fehlerkorrekturen möglich
Wie arbeite ich für eine Workshop-Visualisierung?
Beobachten, Zuhören, Notizen erstellen
Mit Teilnehmern reden und von Gruppe zu Gruppe gehen
Alle Ergebnisse sichten, sortieren und kategorisieren
Visualisierung erstellen (entweder noch vor Ort oder danach oder beides)
Die Ergebnisse werden von mir für Sie so aufbereitet, dass Sie gezielt damit weiterarbeiten können. Wenn digital angefertigt, können Sie die Ergebnisse als Poster ausdrucken oder Teile daraus in PowerPoint für die Kommunikation an die Teams verwenden.
Eine Workshop-Visualisierung hat eine längere Nutzungszeit
Was ist der Vorteil?
Aus vielen losen Zetteln, Karteikarten und Flipchart-Blättern bekommen Sie eine strukturierte Zusammenfassung im Sinne eines visuellen Posters. Mit der Bild-Metapher wird gleichzeitig eine Geschichte erzählt, die von den Teilnehmern nicht nur rational, sondern auch emotional verinnerlicht wird.
Das Bild ist auch von so guter Qualität, dass es danach ohne Probleme weiter in verschiedenen Nutzungsformen verwendet werden kann.
Ist die Workshop-Visualisierung teurer als Graphic Recording?
Ja. Das Tageshonorar ist ähnlich zu Graphic Recording, zusätzlich fallen Nacharbeiten an, die wie bei einer normalen Illustration abgerechnet werden. Im Durchschnitt liegen die Kosten 50% höher. Aber Sie bekommen ein besseres Bild mit mehr nutzbarem Wert.
Die Bilder können durch Anklicken in groß betrachtet werden
Strategieworkshop, 1 Tag, auf PapierStrategieworkshop, 1 Tag, digital vor OrtStrategieworkshop, 2 Tage, digital vor OrtStrategieworkshop, 1 Tag, digital nachbereitetStrategieworkshop, 1 Tag, digital vor OrtStrategieworkshop, 1 Tag, digital danach aufbereitetStrategieworkshop, 1 Tag, digital vor OrtStrategieworkshop, 1 Tag, digital danach aufbereitetStrategieworkshop, 1 Tag, auf PapierStrategieworkshop, 1 Tag, digital danach aufbereitetStrategieworkshop, 2 Tage, auf PapierStrategieworkshop, 2 Tage, auf Papier, digital überarbeitetStrategieworkshop, 2 Tage, auf PapierStrategieworkshop, 1 Tag, digital aufbereitetStrategieworkshop, 2 Tage, auf Papier
Viele Strategien scheitern nicht an der Qualität der Vision, sondern daran, dass sie im Alltag der Organisation nicht wirksam wird.
Als Führungskraft sind Sie der entscheidende Faktor: Ihre Art, die Vision zu kommunizieren, entscheidet darüber, ob Teams Orientierung gewinnen – oder Unsicherheit entsteht.
Visions-Kommunikation ist daher keine Nebenaufgabe, sondern ein zentraler Bestandteil wirksamer Führung.
1
Vision konkret übersetzen, auch visuell
Eine Vision entfaltet erst dann Wirkung, wenn sie in den Arbeitsalltag übersetzt wird. Ihre Aufgabe als Führungskraft ist es, die Brücke zu schlagen: von der strategischen Idee zu konkreten Handlungsleitplanken.
Wie verändert diese Vision unsere aktuellen Prioritäten und Entscheidungen?Was bedeutet das für uns als Team und für mich als Mitarbeitenden?
Tipp: Ein individuell erstelltes Visionsbild kann dabei einen wesentlichen Beitrag leisten und aus einer abstrakten Richtung echte Orientierung machen.
Der reine Visionstext ist wenig inspirierend und immer schlecht zu merken. In einer inspirierenden Bild verpackt, beginnt er zu leben.
2
Konsistenz in der Kommunikation schaffen
Mitarbeitende beobachten weniger, was kommuniziert wird, sondern ob es konsistent ist. Wenn Vision und tägliche Entscheidungen nicht zusammenpassen, verliert die Vision schnell an Glaubwürdigkeit.
Sorgen Sie für Übereinstimmung zwischen dem, was Sie sagen, und dem, was Sie fördern, priorisieren und entscheiden.
Konsistenz schafft Vertrauen, und Vertrauen ist die Grundlage für Umsetzung.
3
Führungskräfte als Multiplikatoren aktivieren
In größeren Organisationen verbreitet sich die Vision nicht von selbst. Jede Führungskraft ist ein Multiplikator – oder ein Engpass.
Ihre Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass alle Führungsebenen die Vision nicht nur kennen, sondern aktiv weitertragen können.
Das bedeutet konkret:
Klarheit schaffen
Interpretationsspielräume reduzieren
gemeinsame Sprache entwickeln
Tipp: Werden Texte zusätzlich durch eine Visualisierung unterstützt, wird die Klarheit unterstützt und der Interpretationsspielraum eingegrenzt. So entsteht Alignment im gesamten Führungssystem.
4
Dialog statt Einwegkommunikation ermöglichen
Wirkung entsteht nicht durch Ankündigung, sondern durch Auseinandersetzung. Visions-Kommunikation ist kein Top-down-Format, sondern ein Dialogprozess.
Schaffen Sie gezielt Räume, in denen Teams die Vision hinterfragen, einordnen und auf ihre Arbeit übertragen können.
Denn erst wenn Mitarbeitende die Vision für sich übersetzen konnten, wird sie handlungsleitend.
Tipp: Bereits der Entstehungsprozess für ein Visionsbild ist ein derartiger Raum, wenn die Mitarbeitenden aktiv eingebunden werden.
5
Vision im Alltag verankern
Eine Vision wirkt nicht in Präsentationen, sondern in täglichen Entscheidungen. Ihre Führungsaufgabe ist es, die Vision systematisch im Alltag sichtbar zu machen, z.B. in:
Priorisierungen
Zielsetzungen
Feedback
Entscheidungen
Tipp: Ein prominent aufgehängtes Visionsbild unterstützt die Verankerung im Alltag und Sie können darauf verweisen.
Fragen Sie regelmäßig: „Spiegelt diese Entscheidung unsere Vision wider?“
So wird die Vision vom Kommunikationsinhalt zum Steuerungsinstrument.
Christine Dubach, bekennendes Apple-Fangirl aus Basel in der Schweiz, und Wolfgang Irber, Microsoft-Fanboy aus Neubeuern in Süddeutschland, haben sich getroffen, um beide Geräte und ihre Arbeitsweisen zu vergleichen.
Beide wollten verstehen, wie sich iPad und Surface im Vergleich schlagen, völlig frei von emotionalen Fan-Vorlieben, auch wenn es schwerfiel. Christine und Wolfgang arbeiten im Bereich der visuellen Kommunikation, erstellen Illustrationen und Visualisierungen und verwenden ihre Tablets mit Stift seit vielen Jahren zum Zeichnen und zum allgemeinen Arbeiten.
Christine nutzt als iPad ein iPad Pro 12.9“ der 3. Generation mit 256 GB Speicher. Wolfgang besitzt ein Surface Pro 6 (12,3“) mit i7-Prozessor, 16 GB RAM und 512 GB SSD.
Unterstützt im Blick über die Zaungrenzen werden sie von Demetrius Rinderknecht, Manager bei der Schweizerischen Post, und RozHall, einem Künstler aus England. Beide kennen sowohl die Apple- als auch die Windows-Welt sehr gut und haben im Laufe ihres Computer-Lebens immer wieder das „Lager“ gewechselt. Demetrius ist zurzeit wieder überzeugter Apple-Fan, während Roz gerne komplett zum Surface wechseln würde, wenn es denn seine Lieblingsapp Procreate auch für Windows gäbe.
Für Christine ist das iPad ein externes Zeichenpad, auf dem vorwiegend über die Zeichen-App Procreate alle digitalen Visualisierungen erstellt werden. Neben dem Stift nutzt sie die handelsübliche Apple-Tastatur für das iPad. Über AirDrop werden die auf dem iPad erstellten Visualisierungen häufig an das iPhone oder an das MacBook bzw. an den iMac zur weiteren Bearbeitung bzw. zur Ablage und zum Versand an den Kunden übergeben.
Alles andere wird größtenteils über den „PC“ erledigt, vor allem, wenn Christine in ihrem Büro arbeitet. Christine arbeitet also in der Realität mit zwei Geräten (iPad + MacBook) bzw. seit Kurzem sogar mit drei Geräten (iPad + MacBook + iMac).
Unterwegs ist oft das iPad dabei, bei Kundentreffen häufig auch noch das MacBook. Christines Arbeitsweise ist damit der von Roz sehr ähnlich.
Für Einträge in Listen, dem Schreiben von E-Mails oder dem Erstellen von Notizen nutzt sie fast immer die virtuelle Tastatur auf dem iPad (Touch) oder die externe Tastatur. Selten wird dafür der Stift eingesetzt, außer bei der Notizen-App von Apple. Das gewohnte 10-Finger-System ist gegenüber dem Stift im Vorteil, daher kommt der Stift für solche Arbeiten, wie bereits erwähnt, nur selten zum Einsatz.
Das iPad war für mich das Tor zur Welt des digitalen Visualisierens und ist die Grundlage für meine Selbständigkeit.
Christine Dubach
Wie arbeitet Wolfgang mit dem Surface?
Für Wolfgang ist sein Surface das alleinige Gerät, auf dem alles erledigt wird.
Im Büro ist das Surface über eine Dockingstation mit einem großen Monitor verbunden. Das Surface selbst wird dabei meist als dunkles, vor ihm liegendes Zeichenpad verwendet, d.h. Inhalte sind nur am großen Monitor sichtbar, mit dem Stift wird am Surface gezeichnet, geschrieben oder mit den Fingern gewischt und gezoomt. Mit der linken Hand wird dabei die Tastatur bedient, mit der rechten Hand der Stift und die Maus, so kommt es zu keinen Verspannungen (siehe Punkt Ergonomie unten).
Für Videokonferenzen wird der Projektionsmodus auf „erweitert“ umgestellt, so dass der Bildschirm des Surface und des externen Monitors genutzt werden können. Skizzen in Konferenzen und digitale handschriftliche Notizen werden dabei direkt mit dem Stift in OneNote gemacht.
Unterwegs wird der Stift oft für die handschriftliche Eingabe verwendet, wenn für die Tastatur kein Platz ist. Wolfgang nutzt dabei gerne das handschriftliche Eingabefeld der virtuellen Tastatur. Auf Veranstaltungen ist das Surface der digitale Zeichenblock, auf dem alle Visualisierungen erstellt werden, wechselweise in Photoshop und der App Concepts.
Seit kurzem verwendet Wolfgang ein kleineres Surface Go mit LTE als zusätzliches Arbeitsgerät. Auch wenn er noch nie Probleme mit den Surface-Geräten hatte, so ist ihm eine Backup-Option unterwegs doch lieber, wenn er für digitale Visualisierung zum Kunden reist. Inhalte mit anderen Geräten oder Kunden werden immer über die Cloud geteilt (OneDrive).
Das Surface Pro ist für mich wie ein digitales Schweizer Taschenmesser.
Wolfgang Irber
Kosten der Arbeitsumgebungen
Christine hat für ihre minimal-produktive Arbeitsumgehung aus iPad Pro mit Apple-Tastatur, Pen und MacBook rund 2900€ netto investiert.
Wolfgang hat für seine minimal-produktive Arbeitsumgebung aus Surface Pro 6 mit anklickbarer Tastatur und Tasche für unterwegs, Bluetooth-Tastatur am Schreibtisch, Surface Arc Maus und Pen sowie der Dockingstation mit externem Monitor rund 2300€ netto gezahlt. Fairerweise muss man hier hinzufügen, dass das Surface Pro 6 in einer Aktion mit ca. 400€ Rabatt gekauft wurde.
Wolfgangs zusätzliches Surface Go mit eigenem Pen und Christines iMac sind nicht notwendig und daher oben nicht berücksichtigt. Würde man sie in die Rechnung aufnehmen, käme Christine insgesamt auf knapp 5000€, Wolfgang auf knapp 2900€. Wolfgangs Oldtimer von 2015, ein Surface Pro 4, das er nur noch als Kontrollmonitor bei Videokonferenzen nutzt, ist hier ganz außen vor.
Zwei Arbeitsplätze im Vergleich: der von Christine und der von Wolfgang
Ist produktives und ergonomisches Arbeiten nur mit dem Tablet möglich?
Was im Vergleich beider Arbeitsszenarien sehr schnell deutlich wurde: ein produktives und längeres Arbeiten allein mit dem Tablet ist nur mit zusätzlich großem Bildschirm sowie Maus und Tastatur möglich. Das gilt für das iPad wie das Surface. Die Effizienz, die mit Tastatur und Maus erreicht wird, ist mit Finger und Stift nicht zu erlangen. Zudem ist der Formfaktor Tablet ergonomisch gegenüber dem Desktop im Nachteil. Der Bildschirm ist zu klein und die permanent gebeugte Haltung kann schnell zu Rücken- und Nackenbeschwerden führen. Die offiziellen Kriterien für einen ergonomischen Arbeitsplatz können auch bei Tablets nicht ausgeblendet werden.
Da Wolfgang beim Zeichnen auf dem Surface nach vorne auf seinem externen Monitor schaut, hat er dieses Problem nicht. Christine wird in Zukunft verschiedene Lösungsansätze für das iPad testen, da die Nackenverspannungen zunehmen und das Arbeiten in gebeugter Haltung sehr unangenehm wird; vor allem bei langen Arbeiten an den Visualisierungen.
Erschwert wird der Anschluss eines externen Monitors beim iPad, da Inhalte nur 1:1 gespiegelt werden und es zu keiner Anpassung der Darstellung an den externen Monitor kommt. Hier muss iPadOS noch nacharbeiten.
Ist das iPad ein vollwertiger PC-Ersatz?
Auf die Frage an Christine, ob sie ausschließlich mit dem iPad Pro arbeiten könnte, meinte Sie, dass dies wohl möglich sei, komfortabel und effizient sei es jedoch eher nicht. Obwohl die Apps auf dem iPad sehr gut sind, sind sie doch in der Regel nicht vom gleichen Funktionsumfang wie auf dem PC und sehr auf Finger und Touch optimiert, und damit umständlicher zu bedienen, wenn man auch mit Maus und Tastatur arbeiten möchte. Das einfache „Drag & Drop“ wie im Explorer oder im Finder vermisst Christine zum Beispiel auf dem iPad.
Die meisten Arbeiten könne sie wohl mehr oder weniger ausschließlich auf dem Tablet durchführen, aber irgendwo käme sie dann doch immer an eine Grenze. Das entspricht exakt der Erfahrung von Roz Hall (siehe Zitat). Auch vermisse sie an der handelsüblichen Apple-Tastatur für das iPad das Touch- oder Trackpad. Das neu herausgekommene Magic Keyboard mit Trackpad wird von Christine gerade getestet.
I can do most work with the iPad for about a week or so, then I will struggle and definitely need a real PC.
Roz Hall, iPad- & Surface-Experte
Wie oben bereits erwähnt, arbeitet Christine in der Regel in der Kombination iPad und MacBook/iMac. So umgeht sie auch die Einschränkungen durch das sehr einfache Dateisystem auf dem iPad, da sie im Prinzip nicht lokal auf dem Gerät, sondern virtuell in der iCloud arbeitet und die Dokumente, wie bereits beschrieben, sehr bequem via AirDrop über alle Geräte austauscht.
Die Antwort auf die Frage in der Überschrift ist daher ein klares Nein. Nicht die Hardware ist das Problem, sondern die Software.
Ist das Surface ein vollwertiges Tablet?
Wolfgang arbeitet am Flughafen mit seinem Surface in Photoshop
Da auf dem Surface vollwertige Windows-Programme laufen, sind eingeschränkte Apps für Wolfgang kein Thema und das Surface kann wie ein normales Laptop verwendet werden. Die große Beschränkung liegt in der Nutzung des Surface als Tablet: da viele Programme in der Windows-Welt nicht optimal für Finger und Touch optimiert sind, muss zwangsläufig der Stift mitbenutzt werden, um den dicken Finger zu ersetzen. Auch ist Windows 10 als Betriebssystem im Gegensatz zu iOS nicht optimal für Finger und Touch ausgelegt. Der Tablet-Nutzungskomfort ist daher von Programm zu Programm in der Windows-Welt sehr unterschiedlich.
Manche „alten“ Programme wie Photoshop sind auf dem Tablet ohne Tastatur nicht vernünftig zu bedienen, obwohl sie automatisch in einen tabletfreundlichen Modus umschalten. Ist Photoshop unterwegs erforderlich, z.B. für Livezeichnen auf Veranstaltungen, nutzt Wolfgang eine mobile Klapptastatur für die Tastenkürzel und eine Bluetooth-Maus. Die anklippbare Surface-Tastatur ist hier nicht geeignet, da beim Zeichnen die Hand aufliegen würde.
If the drawing app Procreate were available for Windows too, I would switch to Surface completely.
Roz Hall, iPad- & Surface-Experte
Die besten Programme für Windows, die sowohl am Desktop wie auch am Tablet gut zu bedienen sind, kommen meistens von Microsoft und sind oft die Apps aus dem Microsoft-Store. Doch insgesamt ist die Auswahl an empfehlenswerten Tablet-Apps unter Windows gering. Zu aufwendig ist es für die Entwickler, das User-Interface für Maus & Tastatur wie auch für Finger & Stift zu designen. Die Zeichenapp Concepts ist da eine löbliche Ausnahme, wenn sie auch am Tablet deutlich eleganter zu verwenden ist als am Desktop. Ironischerweise wurde sie zuerst für das iPad entwickelt.
Mit Windows 11, das während der Entstehungszeit dieses Bog-Eintrags herauskam, hat Microsoft in der Nutzung von Windows auf einem Tablet einen großen Schritt nach vorne getan. Wolfgang nutzt es derzeit nur auf seinem Surface Go und vergleicht Win11 mit Win10 intensiv. Die Verbesserung liegt in vielen kleinen Details, die erst in der aktiven Nutzung auffallen. Wenn Microsoft hier noch ein paar Stolpersteine entfernt, macht die Nutzung von Windows auf dem Tablet mit Win 11 einen großen Sprung nach vorne.
Dennoch, auch beim Surface lautet die Antwort auf die Frage in der Überschrift mit einem klaren Nein. Nicht die Hardware ist das Problem, sondern die Software.
Die Nutzung des Stifts bei iPad und Surface
Was im Vergleich der Arbeitsweisen herauskam: Wolfgang verwendet den Surface Pen häufiger auch in der normalen Computerarbeit als Christine ihren Apple Pencil. Der Grund liegt in der Art wie Wolfgang das Surface am Schreibtisch nutzt: als eine Art vor ihm liegendes Zeichenpad, wobei die Inhalte nur über den großen Monitor zu sehen sind. Der Stift ist damit jederzeit auch beim Arbeiten am Schreibtisch einsetzbar: in OneNote, bei Kurznotizen, beim Präsentieren in PowerPoint, bei handschriftlichen Anmerkungen in PDFs oder zum Kommentieren in Excel. Unterwegs hat Wolfgang sogar immer zwei Stifte dabei, falls er einen verlieren sollte: denn das wäre eine Katastrophe.
Was für mich für Apple spricht: wenn man alles von Apple hat (also MacBook, iMac, iPad, AirPods), dann funktioniert das Ökosystem perfekt.
Demetrius Rinderknecht, Apple-Fan
Bei Christine ist das iPad eine Art externer eigenständiger Computer, der fast ausschließlich zum Visualisieren genutzt wird. Gearbeitet wird auf dem MacBook (Outlook, Word, Excel, InDesign, Illustrator, Chrome, Franz, etc.), das selbst keine Sifteingabe erlaubt. Zwar könnte Christine das iPad über „Sidecar“ drahtlos mit dem MacBook/iMac verbinden und so dort den Stift nutzen, aber in der Praxis wird dies von ihr (noch) nicht genutzt. Vielleicht aus purer Gewohnheit?
Was Wolfgang wie auch Roz am Apple Pencil irritiert, ist das laute Klacken beim Kontakt mit der glasigen Oberfläche. Daher nutzen viele Kreative beim iPad auch eine dämpfende Folie wie Paperlike und/oder zusätzlich Gummikappen auf dem Stift. Die Folie schützt gleichzeitig den Screen und lässt die Hand besser über die Zeichenfläche gleiten.
Christine stört dagegen beim Surface Pen die scheinbar weniger genaue Stift-Oberflächen-Interaktion. Wolfgang vermutet, dass Christine ihren Bildschirm nicht kalibriert, denn das sollte hin und wieder gemacht werden.
Interessant: Beim Zeichnen von geraden Linien scheint das iPad Pro den Strich weniger zittrig umzusetzen als das Surface Pro. Das könnte auch daran liegen, dass beim iPad grundsätzlich eine Strichglättung über die Software erfolgt, beim Surface offenbar nicht. Bei der Verwendung von Profisoftware wie Photoshop, Procreate oder Concepts kann der Grad der Strichglättung eingestellt werden und daher spielt diese Beobachtung in der Realität keine Rolle. Wolfgang verwendet z.B. in Photoshop immer mindestens 15% für die Strichglättung. In vielen anderen Programmen mit Stifteingabe unter iPadOS wie auch unter Windows wird der Strich automatisch geglättet und erscheint glatt.
Mit dem Stift auf dem iPad (hier in Procreate) und auf dem Surface(hier in der App OneNote für Windows)
Die Haptik des Surface Pen ist sehr gut, doch der Apple Pencil hat keine Tasten und wirkt dadurch stabiler, wie aus einem Stück und fühlt sich deutlich wertiger an. Allerdings fehlen Wolfgang und Roz die einfache Bedienbarkeit über das Löschen mit dem „Radiergummi“ und dem Schnellstart von Programmen über die Drucktaste des Radiergummis wie beim Surface Pen (Wolfgangs Lieblingsfunktionen). Die Geste für den Apple-Pencil mit Doppeltipp auf die Spitze zum Einschalten der Löschfunktion funktioniert ohne haptisches Feedback nicht immer zuverlässig und bleibt schwierig.
Christine meint dagegen, sie finde es komisch, den Stift zum Radieren zu drehen und sie nutze lieber das Software-Tool. Wolfgang kontert, dass gerade auf der Baustelle oder in Videokonferenzen eine Hardware-Lösung zum Radieren viel praktischer sei, da intuitiver. Alles eine Frage der Gewohnheit?
Apropos Preis: Der Apple Pencil ist im Straßenverkauf ab 120€ zu bekommen, der Surface Pen ab 65€. Allerdings ist der neue Surface Pen für das Pro 8 mit taktilem Feedback bereits in der Preisregion des Apple Pencil angekommen.
I like the Surface Pen more than the Apple pencil as it has a nicer feel, and better functionality with the eraser on the end.
Roz Hall, iPad- & Surface-Experte
Nach Wolfgangs Beobachtung hat sich Microsoft in den letzten Jahren sehr bemüht, die Stifteingabe in OneNote, Word, Excel, PowerPoint und verschiedenen Apps zu ermöglichen bzw. laufend zu verbessern, aber es bleibt meist bei: ja es ist möglich, aber es ist im Vergleich zu Maus & Tastatur nie so effektiv. Vieles fühlt sich an wie im Experimentierstadium, was es realistisch gesehen auch ist, wer möchte schon eine Präsentation nur mit dem Stift erstellen? Und doch ist z.B. das Schreiben von Zahlen mit dem Stift in Exceltabellen immer wieder beeindruckend und von Microsoft spannend gelöst.
In PowerPoint ist die Stifteingabe bei laufenden Präsentationen sehr intuitiv und praktisch umgesetzt. Diese Option wird von Wolfgang intensiv genutzt und stellt für das Publikum einen echten Mehrwert dar. Was Wolfgang definitiv nicht mehr missen möchte, ist die Möglichkeit, mit dem Stift handschriftliche Anmerkungen in OneNote, Word, PowerPoint oder Excel zu erstellen. Erst dadurch wird echtes papierarmes Arbeiten ermöglicht, da für handschriftliche Notizen keine Seite mehr ausgedruckt werden muss.
In Gesprächen mit anderen Surface- und iPad-Nutzern fällt Wolfgang oft auf, dass der Stift zwar gerne mitgekauft wird, um papierloses Arbeiten zu ermöglichen, aber dann doch nicht wirklich genutzt wird. Offenbar ist sowohl in iPadOS als auch in Windows eine Lernkurve notwendig, die abschreckt.
Die Stiftspitzen unterscheiden sich: der Apple Pencil ist glatt und etwas hart, aber sehr präzise, der Surface Pen hat austauschbare Spitzen und wird mit einer relativ weichen Spitze ausgeliefert, die das Schreibgefühl angenehm, aber etwas schwammiger macht. Beide Stifte arbeiten sehr genau.
Akkulaufzeiten im Vergleich
Beim Thema Akkulaufzeit hat das iPad eindeutig die Nase vorn, doch ein fairer Vergleich ist kaum möglich, da Wolfgang auf dem Surface immer mit vielen Programmen gleichzeitig arbeitet, während Christine auf dem iPad meist nur ein Programm offen hat oder aktiv nutzt.
Beim Zeichnen im energiehungrigen Photoshop mit Wolfgangs Surface Pro 6 sind vielleicht 3 h realistisch, beim Zeichen in Concepts können es 5 h sein. Was immer bedacht werden muss: Leistung kostet Akkulaufzeit. Ein Surface mit schwächerem i3-Prozessor läuft dazu immer länger als eines mit i7-Prozessor. Das war z.B. auch ein Grund für Wolfgang gewesen, sich das kleine Surface Go anzuschaffen: perfekt für lange kreative Denkphasen und das Skizzieren „on the go“. Nutzt Wolfgang nur OneNote, kommt er auf dem Surface Go gut einen ganzen Tag mit einer Akkuladung aus.
Bei Christine sind auf dem iPad Pro beim Zeichnen in Procreate gut 5 h das mögliche Minimummit Potential zu viel mehr. Doch im Alltag sind das für Christine und Wolfgang eher theoretische Betrachtungen, da immer irgendwo eine Steckdose zur Verfügung steht oder der Arbeitsplatz entsprechend ausgewählt wird. Beim iPad sollte man darauf achten, die automatische Bildschirmhelligkeitsregelung von gerne 100% auf manuelle 50% zu reduzieren, was der Akkulaufzeit sehr hilft. Dies vermeidet auch ein unangenehmes Erwärmen des Geräts. Als störend wird oft eine sehr starke Erwärmung des iPad berichtet, die nur einen kleinen Teil des Bildschirms betrifft und selbst bei einfachen Aufgaben auftritt; offenbar ein Designproblem.
Wie auch immer: Zähneknirschend muss Wolfgang zugeben, dass das iPad mit seiner längeren Akkulaufzeit eindeutig im Vorteil ist. Wenn Akkulaufzeit ein wirklich wichtiges Kriterium ist, dann sollte man eher ein iPad kaufen.
Nutzung eines Tablets als Kreativ-Gerät zum Denken
Christine und Wolfgang nutzen beide das „Tablet“ gerne abseits vom normalen Schreibtisch zum Denken und Konzipieren. Wolfgang arbeitet dabei fast ausschließlich in OneNote (App für Windows 10) bzw. zusätzlich in Concepts und nutzt den Stift zum Skizzieren und handschriftlichem Schreiben. Gerne verwendet er das Handschriftfeld der virtuellen Tastatur, das Handschrift in Computerschrift umwandelt. Wer sich dafür interessiert: es erfordert am Anfang Übung und Geduld, bis man die Stärken und Schwächen dieser Eingabemethode verinnerlicht hat.
Christine nutzt für kreatives Nachdenken gerne Procreate auf dem iPad (wie auch Roz Hall), nur stört sie dort die fehlende Suchmöglichkeit. Procreate ist eine Zeichensoftware und keine Notizverwaltung wie z.B. OneNote. Je nach Aufgabe verwendet sie auch gerne das e-Ink-Tablet reMarkable, das sie sich aus Neugierde vor kurzem zugelegt hat. Die Reduktion des reMarkable hilft ihr dabei, sich nicht von „unnötigen“ Dingen ablenken zu lassen und fokussiert zu bleiben. Zudem ist es ein sehr praktisches Gerät für unterwegs, da es sehr leicht ist und der Akku tagelang, wenn nicht sogar wochenlang hält.
Letztendlich kommt es sehr darauf an, was Christine machen möchte. Oft geht sie zum Arbeiten in ein Café oder setzt sich an den Rhein, um unter Menschen zu sein und immer mal wieder in anderer Umgebung zu arbeiten. Dies vor allem dann, wenn die Grundidee steht und es an die Ausarbeitung bzw. Fertigstellung der Visualisierung geht. Dort können oft Stunden wie im Flug vergehen. Für diese Arbeiten braucht Christine dann lediglich das iPad und einen guten Kaffee. Natürlich werden zwischendurch auch E-Mails beantwortet oder im Internet gesurft.
In letzter Zeit bevorzugt Wolfgang für kreative Denkphasen eher sein Surface Go als das Surface Pro, da das Go leichter und kleiner ist. Ein Gerät wie reMarkable käme für ihn nicht in Frage. Es würde nur die System-Komplexität ohne Mehrwert erhöhen. Aber ausprobieren würde er es gerne.
Auch eine Erfahrung von Wolfgang: Windows 10 „out-of the-box“ ist für die Nutzung als Tablet mit Stift suboptimal, da es für die Nutzung am Desktop voroptimiert ist. Als aktiv genutztes Tablet verlangt es ein paar wichtige Anpassungen in den Einstellungen. Sein Surface Go ist z.B. ganz anders eingestellt als sein Surface Pro; weil es kleiner ist und auch anders genutzt wird. Für Neueinsteiger ist das schwierig herauszufinden. Daher ist das Arbeiten mit dem Surface im Tabletmodus für Normaluser eine Herausforderung und kann schnell in Frustration enden. Mit Windows 11 ist es deutlich besser geworden, aber immer noch nicht optimal.
Zwei Kreative beim Arbeiten: Christine in den Bergen der Heimat, Wolfgang beim Urlaub in der Toskana.
Ein Vergleich der genutzten Arbeitsprogramme auf dem Tablet
Christine und Wolfgang arbeiten beide sehr papierarm. Wolfgang hat sein Notizenbuch aus Papier nur noch selten im Einsatz, da er mittlerweile fast alles in OneNote auf dem Surface Go notiert. Wenn er noch Papier verwendet, wird es so bald als möglich mit der Surface-Kamera nach OneNote kopiert. Christine konnte für diese Art der Notizen und Aufgabenverwaltung noch kein brauchbares digitales Tool finden und ist bei ihrem „Bullet Journal“ aus Papier als ständigem Begleiter geblieben.
Unten eine Übersicht der von Christine und Wolfgang genutzten Programme für verschiedene Aufgaben. Da auf dem iPad andere Programme optimal sind als auf dem Surface, ist auch ein System-Umstieg mit einer großen Lernkurve verbunden und bleibt schwierig.
Procreate als exzellente Zeichensoftware gibt es z.B. nur für das iPad, nicht für Windows. Die OneNote-App gibt es zwar auch für das iPad, aber sie ist in den Stiften nicht gleichwertig zu Windows. Daher weicht Christine auf Procreate aus und muss mit dem Nachteil leben, dass es keine gute Dokumentenverwaltung hat, wie OneNote. Photoshop ist für Wolfgang das meistgenutzte Tool zum Zeichnen, doch auf dem iPad läuft nur eine reduzierte App-Version. Da Procreate auf dem iPad die Ebenen stark limitiert, kombiniert es Christine später gerne mit Indesign. Will Wolfgang nur mit Stift und ohne Tastatur auf dem Surface professionell zeichnen, nutzt er Concepts, das zudem die Vorteile eines reinen Vektorzeichenprogramms besitzt.
Christine auf iPad
Wolfgang auf Surface
Gesprächsbuchung
Calendly
Microsoft Bookings
Emails & Kalender
Outlook
Outlook
Videocall
Zoom und Teams
Teams (seltener Zoom)
Aufgabenverwaltung
Papierbuch
Microsoft To-Do
Notizenverwaltung
Papierbuch (seltener reMarkable)
OneNote (seltener Papierbuch)
Brainstorming
Papierbuch, Procreate, reMarkable
OneNote
Erste Skizzen
Procreate
OneNote
Anfertigung der Zeichnung
Procreate
Photoshop oder Concepts
Graphic Recording
Procreate
Photoshop oder Concepts
Rechnungsstellung
Excel & Bexio
Word & Excel
Cloud
Dropbox/iCloud
OneDrive
Das App-Universum
In einem Punkt liegt das iPad um Welten (!) dem Surface voraus: in der Anzahl und der Qualität der verfügbaren Apps. Für welchen speziellen Bedarf auch immer, es gibt eine App im Apple-Store. Das ist der Vorteil, wenn man aus der Welt der Smartphones kommt.
Auf dem Surface ist der Microsoft-Store eher eine unwirtliche Wüste, in der nur selten eine Oase zu finden ist. Fairerweise muss man allerdings auch zugeben, dass in Windows ein anderes Arbeitsdenken mit Software vorherrschend ist. Statt vieler spezieller Apps wird hier die Vielseitigkeit der Möglichkeiten genutzt, die das Office-Paket zur Verfügung stellt. Doch dafür sind wieder gute Computerkenntnisse und viele Jahre Erfahrung notwendig. Excel ist z.B. das Programm für alle Fälle und in seiner Vielseitigkeit nicht zu schlagen.
Design der Software
Zum Thema Design der Software bleibt nur festzuhalten, dass Christine bei Apple das rundliche und pastellige Erscheinungsbild liebt, während Wolfgang die kantige Windowswelt bevorzugt. Insgesamt ist das iPad eleganter in der Animation und wirkt dadurch wertiger. Windows 10 ist hier etwas ruppig und uneinheitlich, was aber fairerweise der Produktivität keinen Abbruch tut. Windows 11 hat eine deutliche Veränderung gebracht, alles ist rundlicher und gefälliger geworden. Zudem läuft Wolfgangs Surface Go 2 mit Windows 11 viel geschmeidiger als vorher mit Windows 10 und ist jetzt dem iPad fast ebenbürtig.
Zweimal OneNote: auf dem iPad und auf dem Surface. Nur in der App für Windows wird der weiche Bleistift unterstützt, der leider auch in der Office365-Variante fehlt.
Design und Nutzung der Hardware
Die Hardware von iPad Pro wie auch Surface Pro wirkt edel. Beide Geräte lassen sich gut anfassen, wenn auch das iPad luxuriöser und doch irgendwie anfälliger erscheint.
Wolfgang wie Roz fehlen beim iPad der praktische Surface–Kickstand, der ganz viele unterschiedliche Positionen erlaubt und damit oft auch die Stiftnutzung besser unterstützt. Die Position der Kamera links oben stört Wolfgang als Rechtshänder beim Halten (rechts Stift, links halten = Finger auf der Kamera) und die Ausbuchtung für die Kamera beim Liegen auf dem Tisch. Er habe fast Angst, das iPad „nackt“ den Tisch zu legen, es könnte die Kamera verkratzt werden, noch dazu „kippelt“ es bzw. liegt schräg. Christine meine, das sei ihr noch nie aufgefallen, da sie das iPad (a) nie nur mit einer Hand hält und (b) nie ohne Hülle auf den Tisch legt.
Das Gehäuse des iPad ist fühlbar weniger verwindungssteif als beim Surface. Offenbar aus diesem Grund und wegen der hervorstehenden Kamera nutzt kaum jemand das iPad Pro „nackt“ und ohne Hülle, wie auch Christine. Mit der Hülle wird das iPad Pro nicht nur viel stabiler, die Rückseite nimmt die Kamera auf und das iPad wird dadurch hinten wieder bündig flach und ist besser zu greifen.
Das eigentlich leichte iPad Pro wird aber mit der fest verbundenen Tastaturhülle deutlich schwerer, so dass es längere Zeit nicht mehr in einer Hand gehalten werden kann. In der Kombination mit der normalen Apple-Tastatur kommt das iPad Pro (0,7 kg) auf gut über 1 kg, mit dem Magic Keyboard sogar auf über 1,4 kg und wiegt fast mehr als ein MacBook Air. Viel zu schwer, um es länger in einer Hand zu halten, genau wie das Surface Pro (12 Zoll) ohne Tastatur mit ca. 0,9 kg. Ein Surface Pro landet mit angeklickter Tastatur bei gut 1,2 kg und ist nurmehr sehr kurzfristig einhändig zu nutzen.
Die Erfahrung zeigt: Ein halbes Kilogramm ist für eine Hand bequem auch länger zu halten, wie das Surface Go 2 (0,6 kg, 10 Zoll), oder das iPad 10 Zoll mit 0,5 kg (7 Zoll).
Christine findet beim Surface Pro die anklickbare Tastatur weniger stabil als die Konstruktion der Apple-Tastatur, die das iPad fest in sich aufnimmt, aber sie schätzt das in der Surface-Tastatur enthaltene Touchpad/Trackpad. Doch beim Schreiben auf den Beinen oder auf engen Tischchen im Flieger bzw. der Bahn ist das Surface für sie mit der weniger stabilen Tastatur im Nachteil, wenn es auch möglich ist. Hier hat sich Wolfgang angewöhnt, das Surface Pro/Go rein im Tablet-Modus mit Finger und Stift zu nutzen, wenn er keine langen Texte schreiben muss. Die Bearbeitung oder das Entwerfen von Konzepten funktioniert sehr gut, wenn man sich an die veränderte Bedienungsroutine und Wischgesten gewöhnt hat. Lernkurve!
Zusammenfassend kann man sagen, dass Christine und Wolfgang ganz typische Nutzer sind, wenn man sich unterwegs umschaut: ein iPad Pro wird in der Regel mit der fest umschließenden Hülle genutzt, ein Surface Pro eher „nackt“ mit angeklickter Tastatur. Das iPad aus der Leder-Hülle zu nehmen, dauert übrigens 3 Sekunden, die Tastatur des Surface Pro abzuziehen, 1 Sekunde. 1 Sekunde dauert es auch, das iPad vom Magic Keyboard zu trennen.
Das iPad und das Surface im Vergleich. Beim iPad ist der Kamerabuckel zu sehen, während ein Surface völlig plan auf dem Tisch aufliegt.
Nutzung der Kamera
Christine gibt zu, die Kamera des iPad Pro so gut wie nie zu nutzen. Sie hat einfach keinen Anwendungsfall dafür. Alle Fotos macht Sie mit dem iPhone. Für Videokonferenzen nutzt Sie den iMac.
Wolfgang verwendet die Kamera des Surface Pro oft für Videokonferenzen und um Notizen auf Papier oder sonstigen Blättern mit dem Dokumentenmodus der Kamera zu fotografieren und in OneNote abzulegen. In Seminaren, ob Präsenz oder Online, schaltet er die rückwärtige Kamera zu, um etwas zu zeigen oder zu erklären. Sie ist für ihn der schnelle Ersatz einer Dokumentenkamera. Von Ingenieuren weiß er, dass sie auf der Baustelle gerne Fotos mit der Kamera machen und die Fotos sofort mit handschriftlichen Notizen ergänzen.
Rein von den technischen Merkmalen wäre die Kamera des iPad Pro der Kamera des Surface Pro überlegen. Christine hätte damit einen Vorteil.
Zuverlässigkeit von Gerät und Software
In den 9 Jahren, die Wolfgang die Surface-Geräte in verschiedenen Generationen nutzt, hatte er nie einen Hardwareausfall. Trotz intensivster Verwendung, vieler Reisen und wenig liebevoller Behandlung haben die Geräte immer ihren Dienst getan. Seinen Oldtimer von 2015, ein Surface Pro 4, nutzt er immer noch als Kontrollmonitor bei Videokonferenzen oder als zweiten Bildschirm. Kratzer gibt es wenige, obwohl er die Geräte immer ohne Hülle verwendet. Bildschirmbruch gab es bisher nie.
Christine liebt die Apple-Produkte, da sie nach einem Knopfdruck „da“ sind. Beim Surface, das sie allerdings auch nur selten verwendet, stört Christine das lange Starten, die vielen Meldungen und Updates. Bei Apple würde dies viel geschmeidiger laufen, meint sie. Zudem seien alle Apple-Geräte über die iCloud immer synchronisiert. Neue Geräte könnten problemlos in Betrieb genommen werden. Softwareupdates würden bequem über Nacht installiert (je nach Grundeinstellungen). Abstürze und langes Warten gäbe es… effektiv nie.
Ich liebe die Apple-Produkte, weil sie nach einem Knopfdruck „da“ sind.
Christine Dubach
Hier kontert Wolfgang, dass alle Punkte oben, die Christine so liebt, auch für Windows 10 gelten, doch fairerweise muss er zugeben, dass in manchen Fällen manuell konfiguriert werden muss, während es bei Apple offenbar voreingestellt ist. Und ja, wenn man ein Windows-Gerät nur sehr selten verwendet, wie Christine ihr Surface, dann laufen in der Zwischenzeit in der Tat viele Updates auf, die irgendwann installiert werden wollen.
Ein Wermutstropfen für Wolfgang: Die Adobe Suite verträgt sich bisher nur schlecht mit dem Standby-Modus unter Windows. Hier hat sich Wolfgang angewöhnt, die Programme vor dem Aktivieren des Standby (= Energie sparen) zu beenden.
Wolfgangs kleines Surface Go – ohne Adobe Software – ist wie ein iPad ebenfalls auf Knopfdruck da und mit dem großen Surface Pro sowie seinem Smartphone über OneDrive immer synchron. Daher nutzt Wolfgang es gerne, um Notizen zu machen oder schnell die Emails oder die sozialen Medien zu checken. Neue Geräte können auch unter Windows problemlos schnell in Betrieb genommen werden. Abstürze gäbe es selten wie auch langes Warten, nur „effektiv nie“ kann er hier leider nicht sagen.
Zwar hat auch die Software nie zu einem Arbeitsausfall geführt, aber die Zuverlässigkeit von Windows wie auch von Adobe ist nicht immer garantiert. Große System-Updates sind immer mit Vorsicht zu installieren, vor allem vor wichtigen Aufträgen. Es kommt rund alle zwei Jahre vor, dass ein Update deinstalliert werden muss, um die Arbeitsfähigkeit des Geräts zu erhalten. Zum Beispiel gab es beim letzten großen Photoshop-Update im Oktober 2021 einen Bug, der zum sofortigen Absturz führte, wenn man am Gerät mit den Fingern das Bild zoomen oder drehen wollte. Hier half nur die Neu-Installation der alten Version. Hey Adobe, testet ihr nicht mehr?
Christine visualisiert auf dem iPad Pro in Procreate
Wie werden die Geräte transportiert?
Da Christine das iPad Pro immer mit umschließender Leder-Tastaturhülle verwendet, ist das iPad im zusammengeklappten Zustand ausreichend geschützt und wandert so direkt in die Tasche.
Wolfgang hat für das Surface eine innen gefütterte leichte Vliestasche gekauft, die nach oben offen in seiner Umhängetasche steckt. So kann er unterwegs das Surface Pro leicht herausnehmen und wieder einstecken. Wichtig ist, dass die Ein/Aus-Taste nach oben blickt, da sonst das Surface unterwegs laufend eingeschaltet wird, was den Akku leert. Viele Bauingenieure & Architekten nutzen spezielle Outdoorcases, wenn sie das Surface außerhalb des Büros einsetzen. Das versehentliche Einschalten entfällt und der Stift ist bombenfest untergebracht.
Unser Resümee: Der Gewinner ist…
Am Ende des Vergleichs steht für Christine und Wolfgang fest:es gibt keinen eindeutigen Gewinner über alle Kategorien.
Jedes System hat seine Vor- und Nachteile, die mit Kreativität und Wissen umgangen werden können, und auch umgangen werden müssen, wenn man damit arbeiten will. Christine liebt ihr iPad Pro und kombiniert es mit dem MacBook oder iMac, Wolfgang liebt sein Surface Pro als All-in-One und musste die produktive, nicht-zeichnerische Nutzung als Tablet mühsam erlernen.
Es ist eindeutig der Nutzer mit seinem technischen Know-How, der über die mögliche Produktivität entscheidet. Das Kennen der Möglichkeiten von Soft- und Hardware, positiv wie negativ, ist viel wichtiger als das System selbst.
Produktives Arbeiten
Wenn es um die reine Produktivität als alleiniges Gerät geht, liegt das Surface Pro klar vorne, da für das iPad im professionellen Einsatz immer ein MacBook oder iMac notwendig ist. Wenn es um Akkulaufzeit, Tablet-Bedienbarkeit und Schönheit in der Benutzung geht, gewinnt ganz klar das iPad.
Wer für seine unterschiedlichen Anwendungen eine spezielle App sucht, wird nur mit dem iPad glücklich, wer eher der Allrounder ist und die Office-Suite als flexibles Werkzeug nutzt, kommt mit dem Surface klar.
Eine klare Empfehlung für das eine oder andere System auszusprechen, ist daher unmöglich, denn für jeden definiert sich „Produktivität“ anders.
Wenn das Geld eine Rolle spielt, ist man mit einer produktiven Arbeitsumgebung auf Basis des Surface Pro etwas preiswerter am Start, vor allem wenn man die regelmäßigen Aktionen mit „Bundles“ nutzt (Surface plus Tastatur + Stift). Mit dem neu herausgekommenen Surface Pro 8 ist Microsoft jetzt allerdings auch in neue finanzielle Höhen vorgestoßen, die Apple ebenbürtig sind.
If I had to choose between an iPad and a Surface as single device for work, I would go for the Surface.
Roz Hall, iPad- & Surface-Experte
Ist Akkulaufzeit ein wichtiges Kriterium, sollte es ein iPad sein; hier ist eine Surface immer im Nachteil.
Computeraffine kommen besser mit dem Surface zurecht, Neulinge besser mit dem iPad. Für Profis, die nur ein Gerät haben wollen, kommt in diesem Vergleich nur das Surface in Frage, im privaten Einsatz reicht das iPad.
Es stellt sich auch die Frage, ob ein Vergleich überhaupt möglich ist. Zu unterschiedlich sind iPad und Surface. Das iPad kommt aus der Welt der Smartphones und versucht auch PC zu können, das Surface kommt aus der Welt der PCs und versucht auch Tablet zu können. Sie nähern sich langsam dem optimalen Gerät an und sind doch vom perfekten Gerät noch weit entfernt.
Ein iPad Pro als „großes Smartphone“ ist deutlich einfacher zu bedienen, auch geschmeidiger in der Software, die Apps sind alle auf einem hohen Niveau, aber es verlangt für wirklich produktives Arbeiten im Beruf zusätzlich ein MacBook oder einen iMac, und immer eine Hülle. Das Betriebssystem iPadOS leidet bei komplexen Aufgaben auch unter dem primären Ansatz eines Medienkonsumgeräts und den damit einhergehenden Limitierungen zu Multitasking und Speicherverwaltung.
Im Gegensatz kann ein Surface Pro mit Windows 10/11 als vollwertiger PC leicht als alleiniges System bestehen, ist aber durch die Kombination mit dem Formfaktor Tablet deutlich komplizierter zu bedienen und erfordert digitalen Pioniergeist und auch etwas Computerwissen.
Dazu eine kleine Anekdote: Als Wolfgang sich 2010 als Illustrator selbständig machte, wurde ihm von allen Seiten geraten, unbedingt auf Apple umzusteigen, sonst könne man nicht kreativ arbeiten. Darüber kann er heute nur schmunzeln.
Kreatives Arbeiten
Ob iPad Pro oder Surface Pro, mit beiden lässt sich hervorragend kreativ arbeiten. Auf dem iPad ist die kreative Denksoftware eher Procreate, auf dem Surface eher OneNote und auch Concepts. Wo und wie oft der Stift eingesetzt wird, entscheidet das Wollen des Nutzers, weniger die Software.
In der stark Apple-verbliebten Kreativszene hat sich das iPad als Zeichenpad fest etabliert und die früher beliebten Wacom-Boards fast verdrängt. Dagegen fristet das Surface in der Kreativszene ein Nischendasein und kann doch bei Ingenieuren und Architekten punkten, die mit einem Surface Book primär ein leistungsfähiges Desktopsystem suchen, das gelegentlich auch als Tablet nutzbar ist.
Roz, der nebenbei an der Uni die IT-Abteilung unterstützt, meinte dazu, dass bei Studierenden derzeit weniger ein reines Tablet gefragt sei. Die Statistiken der eingeloggten Geräte an der Uni zeigen Desktopsysteme als dominantes PC-System an, dabei handelt es sich entweder um MacBooks oder Surfaces.
Zeichnen auf dem Tablet
Nutzt man ein iPad, ist die Qual der Wahl nicht vorhanden: Procreate ist der Platzhirsch, das Lieblingsprogramm der Illustratorenszene mit unzähligen tollen Pinseln und dazu als Einmalkauf sehr günstig. Probleme hat Procreate aber in der Anzahl der Ebenen, die abhängig vom vorhandenen Arbeitsspeicher sind. Braucht man große Bilder mit vielen Pixeln, z.B. mit 5000 px in der Breite, ist man ruckzuck auf eine Handvoll Ebenen beschränkt, was im professionellen Einsatz ein Problem sein kann. Der Grund liegt darin, dass iPadOS keinen Arbeitsspeicher auf die Festplatte auslagern kann, wie ein PC (MacOS oder Windows). Da iPadOS den maximal nutzbaren Arbeitsspeicher pro App begrenzt, gibt es diese unüberwindbare Grenze. Als alternative Programme gibt es für das iPad von Adobe noch Fresco bzw. auch Sketch, und von TopHatch das beliebte Concepts, das auch Christine gerne nutzt.
Auf dem Surface in der Nutzung als Tablet ist die Qual der Wahl ebenfalls kaum vorhanden, da nur wenige Programme ein gelungenes User-Interface für das Tablet haben: Concepts, als modernes Vektorenzeichenprogramm, Fresco von Adobe als Pixel- und Vektorprogramm für das Tablet designt, sowie Sketchbook und Sketchable, beide Pixelzeichenprogramme.
Mehr zu den Zeichenprogrammen hat Wolfgang in einem eigenen Blogeintrag geschrieben: Zeichnen auf dem Surface. Grundsätzlich hat man in all diesen Programmen auf dem Surface keine Ebenenproblem, aber die Übersichtlichkeit auf dem kleinen Bildschirm geht mit zu vielen Ebenen sehr schnell verloren. Daher nutzt Wolfgang zum Zeichnen seiner großen Visionsbilder mit teils Hunderten von Ebenen und Ebenengruppen ausschließlich Photoshop über einen großen Monitor.
Ob man also ein iPad oder ein Surface als Tablet zum Zeichnen benutzt, ist von der genutzten Software und den Anforderungen abhängig.
Allgemeines
Externer Monitor, Maus und Tastatur sind immer notwendig, um schnelles, professionelles und vor allem ergonomisches Arbeiten zu ermöglichen. Das alleinige Arbeiten am reinen Tablet führt irgendwann zu Rückenschmerzen, egal ob iPad oder Surface. Mehr Flexibilität im Monitoranschuss bietet derzeit eindeutig das Surface.
Windows kann mega viel, es ist oft jedoch nicht so 100% gut umgesetzt. Apple kann weniger – dafür ist alles immer perfekt.
Demetrius Rinderknecht, Apple-Nutzer
Schwierig wird es, wenn man die Welten Tablet & Desktop oder auch Apple & Microsoft uneingeschränkt zum Arbeiten vermischen möchte. Nicht jedes Programm ist für alle Systeme verfügbar und wenn, nicht auch in allen Funktionen gleichwertig. Am einfachsten gelingt das gemischte Arbeiten Tablet & Desktop beim Surface, da man hier in einer Software-Welt bleibt, jedoch mit den bereits besprochenen Vor- und Nachteilen. Das mag auch mit ein Grund sein, warum Christine und Roz das iPad fast nur zum Zeichnen verwenden. Denn das geliebte Procreate ist nicht für das MacBook verfügbar und die auf dem iPad erstellte Zeichnung kann auf dem MacBook nur als exportierte Variante in anderen Programmen bearbeitet werden.
Noch eine Beobachtung zur Uneinheitlichkeit von Software: Christine und Wolfgang ist z.B. bei Microsoft OneNote aufgefallen, dass der sehr realistisch umgesetzte Bleistift/Buntstift in Windows auf der App für iPad und MacBook fehlt. Dabei ist der Bleistift einer der Gründe für Wolfgangs Liebe zu OneNote. Überhaupt scheint der Bleistift in selbst einfachen Apps auf Windows realistischer implementiert zu sein als in iPadOS. Da Christine sowieso kaum mit dem Stift direkt in den Office Apps arbeitet, ist ihr dies bisher auch gar nicht aufgefallen. Wenn sie den Stift nutzt, dann in Procreate, und hier lassen sich unterschiedlichste Stifte importieren.
Wolfgangs Lieblingsmotiv: Fische. Hier ein schneller Sketch in OneNotemit dem Bleistift/Buntstift.
ANHANG
Für Christine die Vor- und Nachteile beim iPad
Vorteile
Stiftgenauigkeit und Reaktion, fühlt sich einfach noch besser an als beim Surface
Procreate gibt es nur für das iPad, nicht für Windows
AirDrop zum leichten Austausch der Dateien mit anderen Apple-Geräten
Ästhetik von Hardware und Software
Schnelles Einschalten, kaum störendes Update-Prozedere und kaum Wartezeiten
Die drahtlose Anbindung an Bildschirme und Beamer über Airplay
Nachteile
Rudimentäre Dateiverwaltung ohne Drag & Drop
Gibt es keine spezielle App, ist keine Nutzung auf dem iPad möglich
Von Christine die meistgenutzten Apps auf dem iPad
Procreate
Mail
Safari oder Chrome
Google Calendar
Concepts
Apple Notes
Für Wolfgang die Vor- und Nachteile beim Surface
Vorteile
Alles in einem Gerät, kein Hin- und Her mit den Dateien, immer vollwertige Software
Die Strategieklausur war gut. Die Richtung ist klar. Die Folien sind verabschiedet. Und trotzdem passiert ein paar Wochen später in vielen Unternehmen etwas Erstaunliches:
Jede Führungskraft erzählt die Zukunft ein wenig anders.
Jede Ebene setzt andere Akzente. Und im Alltag entsteht nicht die erhoffte gemeinsame Richtung, sondern eine Vielzahl gut gemeinter Interpretationen.
Das eigentliche Problem ist dann selten die fehlende Vision. Viel häufiger ist die Vision zwar vorhanden, aber im Unternehmen nicht so vermittelt, dass Menschen daraus ein einheitliches Bild ableiten.
Genau dieses Muster zeigt sich immer wieder:
Unternehmen haben eine Firmenvision, doch oft wissen Mitarbeitende zu wenig davon oder können sie nicht in ihren eigenen Arbeitsalltag übersetzen.83% der Führungskräfte geben sogar an, die eigene Vision nicht gut verstanden zu haben (Quelle Zitat).
Die Hürde einer Vision ist nicht die Erstellung, sondern die Vermittlung
Viele Führungsteams investieren viel Zeit in Formulierungen. Sie feilen an Leitbildern, Zukunftssätzen und strategischen Botschaften. Das ist nachvollziehbar, aber es greift zu kurz.
Denn für die Wirksamkeit einer Vision ist – aus meiner Erfahrung heraus – nicht entscheidend, ob sie sprachlich sauber formuliert ist. Entscheidend ist, ob sie im Unternehmen verstanden, erinnert und weitererzählt werden kann.
Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer Vision, die lediglich auf Folien existiert, und einem Zukunftsbild, das im Führungsalltag Orientierung gibt.
Wenn Führung schwierig wird, liegt das deshalb oft nicht an mangelnder Motivation, sondern an fehlender gemeinsamer Orientierung.
Wo kein gemeinsames Zielbild existiert, entstehen zwangsläufig unterschiedliche Deutungen:
Was ist wirklich wichtig?
Was bedeutet die Strategie für Prioritäten?
Was heißt das konkret für Entscheidungen, für Zusammenarbeit, für Führung?
Solange diese Fragen in jeder Ecke des Unternehmens unterschiedlich beantwortet werden, bleibt die Vision offen für Interpretation. Und genau das erzeugt Reibung und kostet Energie.
Gute Führung braucht ein klares und gemeinsames Zukunftsbild
Führungskräfte brauchen heute mehr als eine gute Botschaft. Sie brauchen eine Form der strategischen Kommunikation, die im Alltag praxistauglich ist und Menschen verbindet.
Das gilt besonders in Veränderungsprozessen. Harvard Business Review (Storytelling that drives bold change) beschreibt Storytelling in diesem Zusammenhang nicht als nettes Add-on, sondern als einen entscheidenden Hebel, um die Energie einer Organisation zu bündeln und auf Veränderung auszurichten.
Sobald ein Plan steht, besteht die nächste Führungsaufgabe darin, eine Geschichte dazu so klar und überzeugend zu formulieren, dass sie
Orientierung schafft,
die Vergangenheit würdigt,
den Veränderungsauftrag verständlich macht und
einen nachvollziehbaren Weg nach vorn zeigt.
Eine Strategie wird also nicht wirksam, weil sie beschlossen wurde. Eine Strategie wird wirksam, weil Menschen sie in eine innere Landkarte „übersetzen“ können.
Warum Strategien so oft an der Übersetzbarkeit scheitern
In vielen Unternehmen ist nicht die strategische Richtung das Problem, sondern ihre mangelnde Übersetzbarkeit in eine Handlungsanweisung für das eigene Team.
McKinsey verweist seit Jahren regelmäßig darauf, dass große Transformationen häufig an den sogenannten „weichen“ Faktoren scheitern — also an Führung, Kultur, Haltung und Kommunikation.
In einem neueren Beitrag ( A better way to lead large-scale change) betont McKinsey zudem, dass schlechte oder uninspirierende Kommunikation die Umsetzung von Transformationen massiv ausbremsen kann.
Das ist für Führungskräfte hoch relevant. Denn es zeigt:
Zwischen strategischer Entscheidung und deren Umsetzung im Alltag liegt nicht nur der Maßnahmenplan.Dazwischen liegt vor allem die Frage, ob Menschen den Sinn, die Richtung und ihre eigene Rolle darin erkennen.
Darum muss eine Vision als Geschichte erzählt werden
Menschen orientieren sich nicht an isolierten Schlagworten. Sie orientieren sich an Zusammenhängen.
Eine gute Geschichte beleuchtet Zusammenhänge und stiftet Sinn.
Gregor Adamczyk, 2019
Eine gute Geschichte leistet genau das: Sie verbindet Ausgangslage, Herausforderung, Zielbild und den Weg nach vorn. Sie macht aus abstrakten Begriffen eine nachvollziehbare Entwicklung, sie stiftet Sinn und definiert ein gemeinsames Bild.
Das bedeutet nicht, dass jede Vision emotional aufgeladen oder pathetisch inszeniert sein muss.
Es bedeutet vielmehr, dass sie erzählbar sein muss. Führungskräfte sollten in der Lage sein, die Zukunft ihres Unternehmens so zu vermitteln, dass andere sie nicht nur hören, sondern innerlich nachvollziehen können.
Denn was nicht erzählbar ist, läßt sich nicht merken, und was sich nicht merken läßt, bleibt im Alltag folgenlos.
Warum Bilder dabei so wirksam sind
Eine erzählbare Vision gewinnt an Kraft, wenn sie zusätzlich in ein Bild übersetzt wird.
Denn ein Bild macht sichtbar, was sonst abstrakt bleibt: Zusammenhänge, Prioritäten, Spannungsfelder, Zukunftsszenarien.
Genau darin liegt die Stärke eines gut entwickelten Zukunftsbildes: Es übersetzt Strategie in eine Form, die nicht nur erklärt, sondern orientiert; aus abstrakten Inhalten wird ein für alle greifbares Bild.
So wird eine gemeinsame Referenz geschaffen, auf die sich Führung und Mitarbeitende immer wieder beziehen können. Sie können davor stehen und diskutieren. Sie können sich auf einen Aspekt konzentrieren, ohne alles andere aus dem Augenwinkel zu verlieren. Das schafft nur ein Bild und keine PowerPoint-Präsentation.
In meiner Erfahrung liegt hier oft der entscheidende Unterschied zwischen einer Vision, die „gut klingt“, und einer Vision, die tatsächlich führt.
Denn ein Bild reduziert nicht die Komplexität der Wirklichkeit. Aber – und das ist der entscheidende Vorteil – es erhöht die Klarheit, mit der Menschen sich in der Wirklichkeit bewegen, da sie sehen, worin und wohin sie sich bewegen.
Die eigentliche Führungsfrage lautet daher nicht: „Haben wir eine Vision?“
Die wichtigere Frage lautet:
Ist unsere Vision bereits so klar, dass Menschen daraus ein gemeinsames Zukunftsbild entwickeln können?
Erst wenn diese Frage mit Ja beantwortet werden kann, entsteht mehr als Kommunikation. ⇢ Dann entsteht Orientierung. ⇢ Dann werden Prioritäten nachvollziehbar. ⇢ Dann sinkt der Interpretationsspielraum. ⇢ Und dann wird Führung über Ebenen hinweg so konsistent, dass aus einzelnen Abteilungen eine einheitliche Mannschaft wird.
Fazit
Eine Vision entfaltet ihre Wirkung nicht dadurch, dass sie verabschiedet ist. Sondern dadurch, dass sie im Unternehmen zu einem gemeinsamen inneren Bild wird.
Führungskräfte, die Zukunft wirksam kommunizieren wollen, brauchen deshalb mehr als starke Formulierungen. Sie brauchen eine Vision, die erzählbar und visuell verständlich ist. Erst dann wird aus theoretischer Strategie eine echte Orientierung im Alltag.
Und genau daran entscheidet sich am Ende oft, ob Führung Richtung gibt — oder nur Informationen verteilt.
Mein Angebot
Ich unterstütze Führungsteams dabei, aus abstrakten Strategien verständliche Zukunftsbilder zu machen, so dass Menschen sie nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern im Alltag nutzen können.
Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Vision zwar formuliert ist, aber noch nicht als gemeinsames Zukunftsbild im Unternehmen wirkt, lohnt sich ein genauer Blick auf ihre Erzählbarkeit und Verständlichkeit.
Häufig bekomme ich Anfragen zum digitalen Arbeiten und dem besten Weg dahin. Oft wird ein Tablet mit Stift gekauft, z.B. ein Surface, und nach einer Weile kommt die Enttäuschung, dass der digitale Umstieg ins Stocken geraten ist. Der Grund ist immer der gleiche: es gibt keinen klaren Plan, die Erwartungen sind unrealistisch, die Frustration ist groß. Um die Vorbereitung zur erfolgreichen Digitalisierung mit mehr Struktur angehen zu können, teile ich meine persönlichen Erfahrungen mit Ihnen.
Hier meine 12 Tipps:
1
Beantworten Sie sich die Frage: Warum will ich digital arbeiten?
Diese Frage sollten Sie sich als erstes stellen und beantworten. Ist es Ihnen ein Bedürfnis oder müssen Sie, wollen aber nicht? Was versprechen Sie sich davon? Mehr Freiheit? Mehr Möglichkeiten? Sind Sie genervt vom ewigen Hin und Her zwischen Papier und digitalem Raum? Welchen Nutzen erhoffen Sie sich? Wenn Sie nicht hochmotiviert sind und es wollen, wird es nicht funktionieren. Denn Sie müssen viel an der Art und Weise, wie Sie arbeiten, verändern. Und man sollte anfangen, digital zu denken. So intuitiv wie man Stift und Papier nutzt, so intuitiv muss das digitale Arbeiten sein. Was Sie in der analogen Welt im dreidimensionalen Raum vor sich sehen, ist in der digitalen Welt nur über das zweidimensionale Fenster eines Bildschirms zu sehen. Ganz viel ist vorborgen und muss sich vorgestellt werden.
Wie war es bei mir?
Ich war genervt. Entweder waren die Dateien auf dem Notebook oder dem Tablet oder dem Smartphone oder im Notizbuch und nie waren sie auf dem gleichen Stand. Und unterwegs hatte ich immer irgendetwas nicht dabei. Ich war genervt. Das analoge Arbeiten war nicht mehr zeitgemäß, die Kombination war noch schwieriger. Meinen Weg zum digitalen Arbeiten habe ich im Detail in diesem Blogeintrag beschrieben: Wie die Digitalisierung mein Arbeiten verändert hat.
2
Definieren Sie genau, was Sie digital umsetzen wollen
Sind es Briefe aus Papier? Wollen Sie digital unterschreiben und nicht mehr ausdrucken, analog unterschreiben, einscannen? Wollen Sie Dokumente wie Präsentationen nur noch digital verteilen? Wollen Sie nichts mehr ausdrucken und alles rein digital mit handschriftlichen Anmerkungen versehen? Wollen Sie alle Notizen und To-Do-Listen digital erstellen? Müssen Sie digitale Skizzen erstellen? Wo nutzen Sie derzeit Papier und wie können oder wollen Sie es einsparen? Jeder hat andere Scherpunkte und mit denen sollten Sie beginnen.
Wie war es bei mir?
Beim langsamen Übergang von analog zu digital ergab sich automatisch die Notwendigkeit, einen digitalen Speicher für digital erfasste Inhalte zu haben: das war OneNote und dessen immer intensivere Nutzung. Ich fing mit der Desktop-Variante an, aber nutze mittlerweile fast nur noch die App für Windows 10. Sie ist für das Tablet und die Nutzung mit Stift viel besser geeignet. Dann kam die Notwendigkeit, digitale Dokumente mit Notizen zu versehen, Skizzen anzufertigen und irgendwann war es so weit: ich musste rein digital zeichnen. Anders war die Illustration nicht mehr wirtschaftlich zu stemmen. Dafür nutze ich Photoshop und die App Concepts.
3
Ein Bildschirm ist nicht genug
Wie viele Endgeräte brauchen Sie? Eine der größten Einschränkungen beim digitalen Arbeiten ist der Bildschirm. Liegen auf dem Schreibtisch fünf Blatt Papier mit Notizen, sehen Sie sie alle gleichzeitig. Auf dem Bildschirm sehen Sie gleichzeitig nur eines, maximal zwei. Brauchen Sie daher zwei Bildschirme? Oder vielleicht sogar zwei Computer? Oder einen PC und ein Tablet? Wie machen Sie die handschriftlichen Eingaben? Mit einem digitalen Stift? Direkt auf einem Tablet oder auf einem angeschlossenen Wacom-Pad (oder ähnlichem)? Die Hardware hat einen sehr großen Anteil am Erfolg der digitalen Umstellung. Es ist allerdings schwierig, schon am Anfang genau zu wissen, was man später brauchen wird. Mit der Digitalisierung wird sich Ihre Arbeitsweise ändern. Bleiben Sie offen und flexibel.
Wie war es bei mir?
Mit einem Notebook fing ich an. Dann kam ein externer Bildschirm. Anfangs hatte ich noch ein externes Grafiktablet ohne aktiven Bildschirm, dann ein Surface Pro2, auf dem ich direkt schreiben konnte. Derzeit nutze ich drei Tablets und einen externen Monitor. Ein Surface Pro 6 ist mein Hauptgerät, ein altes Surface Pro 4 ist mein „Ersatz“ und Kontrollmonitor bei den vielen Online-Schulungen, Teams- und Zoom-Konferenzen. Ein Surface Go 2 ist mein digitaler Block und Nachdenkgerät. Da es viel leichter ist als das Surface Pro, und auch länger läuft, nutze ich es gerne zum Notieren, zum Zeichnen, zum Surfen, zum Konsumieren und Denken.
Lange Zeit hatte ich nur ein Surface Pro 4, und auch das war in Ordnung. Doch was ich mittlerweile sehr schätze ist, schnell das Surface Go zu schnappen und woanders weiterzuarbeiten. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht aus Ideen entwickeln und Entwürfe erstellen. Das kann ich schlecht am Schreibtisch, ich muss woanders hingehen. Mein Pro 6 ist zwar schneller und größer, aber auch schwerer und damit schlechter zu halten, wenn ich mich zum Nachdenken irgendwo „hinfletze“. Hier nehme ich jetzt immer das Go. In diesem Fall ist der Tipp 9 essentiell.
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Legen Sie die Software fest, mit der Sie digital arbeiten wollen
Nutzen Sie Apple, Microsoft oder Android? Warum entscheiden Sie sich für oder gegen ein Betriebssystem? Was kann das eine, was kann das andere? Im zweiten Schritt: Welche Software nutzen Sie im Detail? Wie erstellen Sie Notizen, wie verwalte Sie diese? Wie gehen Sie mit Texten um? Wie machen Sie Anmerkungen in Excel-Dateien? Wie nutzen Sie den Stift in Präsentationen? Wie verwalten Sie Ihre Aufgaben? Wie machen Sie allgemein Anmerkungen zu „was auch immer Sie auf dem Bildschirm sehen?“ Die Software ist die Limitierung, nicht die Hardware.
Wie war es bei mir?
Ich fing mit Microsoft an und bin bisher bei Microsoft geblieben. Interessieren würde mich auch die Welt von Apple oder Android, aber ich konnte mich bisher nicht dazu motivieren. Entscheidend ist es, sich in der eigenen Welt gut auszukennen. Bei Microsoft kenne ich die Macken, ich weiß, wann es ein Fehler ist und das System nicht normal funktioniert. Ganz nach dem alten Spruch in der IT-Welt: „It’s a bug and not a feature!“ Und ich weiß, wie ich Probleme beheben kann. Bei Apple oder Android müsste ich es neu lernen. Im Blog finden Sie einen aktuellen Vergleich zum Arbeiten mit dem iPad oder dem Surface, den ich mit einer Kollegin verfasst habe.
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Lernen Sie die Software gut kennen, mit der Sie arbeiten wollen
Digitales Arbeiten ist so viel mehr als nur in einer App auf dem Smartphone ein paar Videos zu konsumieren. Ohne solide Grundkenntnisse zu Betriebssystem, Dateisystem und sehr gute Kenntnisse der genutzten Software werden Sie nicht glücklich werden. Die Software ist Ihr Handwerkszeug und erst wenn Sie dieses beherrschen, klappt es mit dem digitalen Arbeiten. Zudem kommen mittlerweile laufend neue Funktionen hinzu, die meist nur unzureichend, wenn überhaupt erklärt werden.
Wie war es bei mir?
Als ich 1988 mit dem Computer anfing, kaufte ich mir als Student einen ganzen Stapel Bücher zu DOS, Word, Lotus, dBase etc. Die Bücher haben weh getan, denn sie waren teuer. Alle habe ich Seite für Seite durchgearbeitet. Mit der Zeit entwickelte ich ein intuitives Gespür für die Funktionsweise von Software. Später habe ich das gleiche Vorgehen bei den Adobe-Programmen gewählt und so Photoshop und Illustrator gelernt. Heute gibt es jede Menge wirklich guter Tutorials umsonst, entweder beim Hersteller oder von Anwendern auf Youtube. Auf diese Art und Weise habe ich im letzten Jahr die Nutzung von After Effects und Premiere gelernt. Sie sehen: ohne Lernen geht es nicht wirklich.
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Gestalten Sie die Schnittstelle von der analogen zur digitalen Welt
Wie digitalisieren Sie anfallendes Papier? Nutzen Sie einen Scanner? Oder nutzen Sie die Kamera Ihres Tablets oder Smartphones? Wie können Sie später mit den „Bildern“ arbeiten? Die Schnittstelle muss bequem sein, beliebig verfügbar sein und gut funktionieren.
Wie war es bei mir?
Anfangs nutzte ich nur einen Scanner. Mittlerweile verwende ich auch die Kamera des Smartphones und der Surfaces mit der Einstellung für Dokumentenscan. Ich weiß aus Erfahrung, welche Kamera und welche Software für welche Anforderung gut ist. Wie immer im Leben gibt es nicht die eine Variante, sondern es ist eine Kombination aus verschiedenen Werkzeugen.
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Organisieren Sie Ihre Daten
Ein Blatt Papier mit Notizen auf dem Schreibtisch findet man schon irgendwie wieder. Auf dem PC ist das fast unmöglich. Können Sie in der analogen Welt „lässig mit Zettelkram“ arbeiten, erfordert es in der digitalen Welt viel Disziplin. Bereits bei der Erstellung einer Datei sollten Sie immer daran denken: wie kann und will ich die Datei wiederfinden? Über eine Ordnerstruktur oder über eine intelligente Suche? Oder über beides? Was muss im Dateinamen enthalten sein, damit ich die Datei auf alle Fälle wiederfinde?
Wie war es bei mir?
Es war ein Learning by Doing mit vielen Schmerzen. Mittlerweile nutze ich eine sklavisch eingehaltene Ordnerstruktur, die Dateinamen sind so aussagekräftig wie möglich und ich verwende die Suche in Windows 10. Und so kann ich es empfehlen. Digitales Arbeiten verlangt viel Ordnung und Disziplin. Es ist wie in der binären Welt: 0 und 1. Es gibt nichts dazwischen.
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Sichern, Sichern, Sichern
Wie garantieren Sie den Zugriff auf die Daten, wenn der PC ausfällt? Wie viele Kopien der Daten wollen Sie oder müssen Sie haben? Welche Sicherungsstruktur verfolgen Sie und welche Systeme nutzen Sie dafür? Ein Totalverlust der Daten ist das schlimmste, was einem digitalen Arbeiter passieren kann. Es ist vergleichbar mit einem abgebrannten Haus. Apropos: brennt das Haus ab und alles ist verschmort, haben Sie dennoch Zugriff auf die Daten?
Wie war es bei mir?
Nach meinem ersten Totalverlust begann ich manuell zu sichern. Und damals war es nur auf großen Disketten möglich und war sehr mühsam. Später kam die mobile Festplatte dazu, auf der ich in regelmäßigen Abständen sicherte. Heute ist es ein permanentes Backup über die Cloud und gleichzeitig eine Sicherung auf eine Festplatte im Büro. Um die Gefahr durch Ransomware-Attacken zu minimieren, wird die Festplatte nur alle paar Tage automatisch angeschaltet und holt sich die Dateien. Die bordeigenen Mittel von Windows 10 reichen für meine Fälle völlig aus. Sehr praktisch finde ich automatische Sicherung von Versionen. Schon oft hat es mich gerettet, wenn ich eine ältere Variante einer digitalen Zeichnung wieder hervorkramen konnte.
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Ablage der zahllosen Passwörter mit System
Je digitaler Sie arbeiten, umso mehr Passwörter sammeln sich an. Nutzen Sie für die Speicherung digitale Tools oder Papier? Wie sichern Sie Ihre digitalen Portale ab? Nutzen Sie zusätzlich das Smartphone oder andere Methoden? Stichwort 2-Faktor-Authentifizierung und Identitätsdiebstahl. Es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten verschlüsselte Container für die Ablage und Organisation der Passwörter zu verwenden. Sie sollten dabei immer an die Redundanz denken. Wie können Sie von verschiedenen Geräten auf die gleichen Daten zugreifen und gibt es Kopien? Ich erlebe es täglich im Bekanntenkreis, dass die Passwörter irgendwohin geschrieben werden, wo man sie später mit Garantie nicht mehr wiederfindet. Oder man denkt: das kann ich mir merken. Eine Woche später ist es definitiv vergessen.
Wie war es bei mir?
Anfang schrieb ich alles auf Papier. Auch ohne Struktur. Das Finden war das große Problem. Später erstellte ich kleine TXT-Dateien, die ich in einem verschlüsselten Ordner ablegte. Wie ich es heute mache, will ich hier nicht öffentlich verraten. Wichtig ist allerdings, dass Sie von überall her auf die Daten zugreifen können.
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An der Cloud werden Sie kaum vorbeikommen
Die Frage dabei lautet: müssen Sie von verschiedenen Geräten auf Ihre Daten zugreifen? Zum Beispiel, wenn Sie zwei Geräte verwenden wie Tablet und Smartphone. Dann kommen Sie um die Nutzung einer Cloud nicht herum, da sonst die wechselseitig genutzten Daten nicht synchron zu halten sind. Welche Cloud Sie dabei verwenden dürfte unerheblich sein. Nutzbarkeit und Integration in das eigene Betriebssystem sind hier die Kriterien. Es ist auch wichtig zu verstehen, wie die Synchronisierung funktioniert, um Fehler zu vermeiden.
Wie war es bei mir?
Als es die Cloud im öffentlichen Bewusstsein noch gar nicht gab, nutzte ich schon ein Software-Tool von Microsoft (Skydrive), um die Daten auf Smartphone und zwei Notebooks synchron zu halten. Heute verwende ich die Cloud im Office 365-Paket und bin sehr zufrieden. Sehr praktisch finde ich die Möglichkeit, große Dateien direkt aus dem Dateiexplorer via Link teilen zu können und nicht mehr per Email verschicken zu müssen.
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Digitales Arbeiten erfordert neues Denken, und lernen Sie zu suchen
Wenn Sie mit Papier arbeiten, sehen Sie alles vor sich, Sie sehen die „Lage der Zettel im Raum“. Sie können mit den Fingern durch ein Dokument wandern. Im digitalen Raum sehen Sie dagegen nur den Bildschirm und eine Dateistruktur, das „Sehen“ der Dateien, die Lage im Raum findet rein im eigenen Kopf statt. Sie können nicht mehr schnell durch einen Ordner blättern und erfühlen, wo sich was befindet. Die digitale Welt ist eine gefühllose Welt ohne Haptik und ohne dem Geruch von Papier. Was das „Blättern“ in der alten analogen Welt war, ist die „Suchfunktion“ in der neuen digitalen Welt. Lernen Sie zu suchen, dann werden Sie finden.
Wie war es bei mir?
Als ich anfing, einen digitalen Kalender in Outlook und auf dem PDA (Vorgänger der Smartphones) zu nutzen, bin ich anfangs fast verzweifelt. Zudem war die Software damals vor 20 Jahren nicht annähernd so gut wie heute. Es hat ein halbes Jahr gedauert, bis ich den digitalen Kalender lieben lernte. Die größten Schwierigkeiten hatte ich mit dem „virtuellen Denken“ im Kopf. Später, als ich anfing, Dokumente nicht mehr zu drucken, sondern als PDF zu lesen und daraus zu lernen, merkte ich, dass es viel schwerer ist, sich etwas zu merken. Es fehlte die Personalisierung des Blattes, die haptische wie visuelle Erfahrung, der Geruch und das Schreiben mit der Hand. Heute ist das mit Tablets endlich kein Problem mehr. PDFs, aus denen ich lernen muss, wandern sofort nach OneNote und werden mit zahllosen Notizen versehen und mit kleinen Zeichnungen „verschönert“.
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Machen Sie sich einen Plan mit kleinen Schritten
Was ist Ihr erster Schritt? Alles auf einmal zu machen, wird Sie überfordern. Sie brauchen einen Plan. Legen Sie sich eine Strategie der kleinen Schritte zurecht, um Frustration zu vermeiden. Nichts ist so schwer zu verlernen wie alte Gewohnheiten. Und geben Sie sich Zeit. Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.
Nichts ist so schwer zu verlernen wie alte Gewohnheiten
Wie war es bei mir?
Es war ein langsamer Übergang. 1988 kaufte ich meinen ersten PC. Aber erst seit ungefähr 5 Jahren arbeite ich wirklich zu 99% papierfrei, also erst 28 Jahre später. Ohne Surfaces, Stift und OneNote wäre das nicht möglich gewesen. Es war ein Übergang mit vielen kleinen Schritten. Da ich alles selbst ausprobieren musste, gab es auch viele Fehler. Doch auch über diese habe ich viel gelernt.
Mit dem Stift kann man endlich leicht handschriftliche Anmerkungen in PDFs erstellen. Und Papier sparen. So ist die Hoffnung. Doch mit welchen Programmen? Was gelingt gut und wo gibt es Schwierigkeiten?
Als ich das erste Mal ein PDF mit dem Stift unterscheiben wollte, kam das böse Erwachen. Das soll die Zukunft sein? Diese Unterschrift kann ich doch keinem zumuten! Wieso ist die Handhabung so kompliziert und schwierig?
Wieso kann ich in vielen Programmen sehr gut schreiben und zeichnen, nur im PDF sieht meine Schrift wie eine „Sauklaue“ aus. Warum kann ich mit den Fingern nicht im Dokument navigieren, sondern der Finger wird auch als Stift erkannt und schreibt? Bin ich zu dumm dafür?
Jetzt, ein paar Jahr später, verstehe ich die Zusammenhänge besser. Und ja, es ist kompliziert, dennoch versuche ich es möglichst einfach zu erklären.
Wie ist meine Erwartung?
Im Prinzip sollte es so funktionieren, wie mit dem Stift auf Papier: einfach und unkompliziert. Die Handschrift soll realistisch aussehen, ich will mit dem Stift schreiben und unterschiedliche Stifte nutzen können, aber mit den Fingern gleichzeitig im Dokument zoomen und schieben. Doch die Realität ist eine andere.
Grundlagen: Was ist ein PDF?
Bevor es PDF als allgemein gültiges Anzeige-Format gab, herrschte babylonische Sprachverwirrung. Es war so gut wie kein Austausch zwischen verschiedenen Programmen und Computersystemen möglich. Erst mit PDF wurde 1993 von Adobe die „internationale Sprache“ für die immer gleiche Anzeige von Dateien geboren, unabhängig davon in welchem Programm und Computersystem die Datei erstellt worden war.
Damit liegt der Schwerpunkt eines PDFs primär auf der immer gleichen Anzeige, weniger auf der Möglichkeit zum Bearbeiten. Zwar gibt es viele Programme, die eine Bearbeitung in Objektrahmen wie Text und Bildern bzw. auch von ganzen Seiten erlauben, aber Änderungen sind in der Regel nur sehr eingeschränkt möglich. Und das soll es ja auch nicht sein.
Das PDF ist nie die Ursprungsdatei, sondern immer die Exportdatei. Vereinfacht gesagt ist ein PDF ein später kaum veränderbares Gerüst, in dem Text und Bild eingehängt werden. Das Gerüst jeder Seite ist vektorbasiert beschrieben und kann ohne Verlust skaliert werden. Daher kann z.B. in detaillierten Plänen bis auf kleinste Details hineingezoomt werden.
Was ist im PDF enthalten?
Ein PDF besteht aus Objekten, die mit Inhalt gefüllt sind. Eine ehemalige Worddatei ohne Bilder enthält z.B. als PDF-Objekte nur Text, die innerhalb der Textblöcke editiert und auch durchsucht werden können.
Ein Bild als Pixelgrafik ist dagegen für das PDF ein Objektrahmen mit einem nicht weiter identifizierbaren Inhalt. Fortgeschrittene PDF-Programme können im Bild enthaltenen Text zumindest über OCR erkennen und für die Suche verfügbar machen. Im Gegensatz zu Bildobjekten auf Pixelbasis sind Pläne oder Dateien vom Grafiker komplexe Vektorgrafiken, die auf einer mathematischen Funktion beruhen und ohne Verlust beliebig skaliert werden können. Enthaltene Texte und Zahlen sind leicht editierbar und stehen auch für die Suche zur Verfügung.
Was passiert beim Öffnen eines PDFs?
Die meisten Programme öffnen zwar das originale Vektorgerüst, lassen aber nur ein Zoomen auf maximal 500% zu (z.B. Microsoft Edge). Objekte sind oft nicht editierbar.
Fortschrittliche PDF-Programme öffnen die Vektorgrafik mit allen Objekten, lassen Veränderungen zu und ermöglichen ein Zoom auf mehrere 1000% (z.B. Acrobat Reader, PDF-Exchange, PDF Architekt), können aber bei komplexen Grafiken mit vielen Objekten auch schnell überfordert sein und werden langsam.
Andere PDF-Programme setzen den Schwerpunkt auf das Hinzufügen von handschriftlichen Anmerkungen. Sie extrahieren beim Öffnen aus der Vektorgrafik eine Pixelgrafik und importieren sie für die Bearbeitung (z.B. Inkodo, PDF Ink, Nebo, Concepts). Änderungen am PDF sind hier grundsätzlich nicht möglich, da alle Objekte zu einer Bildebene verschmolzen sind, dafür lassen sich handschriftliche Anmerkungen besser ergänzen. Die Handhabe der Datei ist sehr flüssig, Zoomen und Verschieben gehen leicht von der Hand.
Im Bauplan kann in guten Programmen locker bis auf 6000 Prozent gezoomt werden
Was kann ich im PDF hinzufügen oder ändern?
Die allermeisten PDF-Programme erlauben das farbige Markieren von Text, das Hinzufügen von Kommentaren bzw. Notizen, das Anbringen von neuen graphischen Formen, Symbole sowie von Linien als Freihand, wie z.B. eine Unterschrift.
Fortgeschrittene Programme erlauben die Umsortierung von Seiten, die Kombination von einzelnen PDFs, das Drehen oder Ersetzen von Bildern bzw. die pixelbasierte Bearbeitung in externen Programmen wie Photoshop.
Ein PDF mit persönlichen Inhalten ungesichert ins Netz zu stellen ist daher keine gute Idee. Leicht kann in einem Zeugnis der Name verändert oder in einem Pass das Foto ausgetauscht werden.
Die erste Frage: geschützt oder nicht geschützt?
Wenn ein PDF editiert bzw. mit handschriftlichen Anmerkungen versehen werden soll, ist die erste Frage: ist das PDF geschützt, und wenn ja, auf welchem Level? Geschützt heißt, dass das Dokument mit einem Kennwort verschlüsselt wurde. Der Schutz kann z.B. jegliche Manipulation verbieten, aber das Drucken erlauben. Oder alles ist verboten, nur das Hinzufügen persönlicher Anmerkungen wird gestattet. Oft wird z.B. an der Universität von Professoren nicht daran gedacht, dass man für die Studenten mit dem Stift Anmerkungen erlauben lassen sollte, auch wenn der Rest des Dokuments komplett vor Veränderung geschützt ist. Hier kann es helfen, das Dokument nochmals als PDF zu drucken, wenn nicht auch das Drucken bereits verboten wurde.
Wie kann ich erkennen, ob das PDF geschützt ist?
Lassen Sie sich im Dateiexplorer das Kontextmenü der PDF-Datei anzeigen. Im Tab unter Details können Sie alles genau einsehen. Im Beispiel rechts ist z.B. das handschriftliche Kommentieren erlaubt. Änderungen am Dokument dagegen nicht.
Wie funktioniert das handschriftliche Schreiben im PDF?
Vereinfacht kann man sich das vorstellen wie eine transparente Folie, die über die Stelle gelegt wird, die beschriftet werden soll. Die Folie ist gleichzeitig ein neues Objekt. Schreibt man einen Satz in einem Zug, ist der ganze Satz ein Objekt. Macht man Pausen zwischen den Worten, wird jedes Wort zum Objekt. Der Nachteil dabei ist: Die Anmerkung auf der „Folie“ ist in Programmen mit Editierfunktion frei beweglich und mit den Fingern leicht verschiebbar, so dass Anmerkungen plötzlich an der falschen Stelle landen.
Anmerkungen, ursprünglich in Edge erstellt, später in PDF-Exchange wieder geöffnet und leicht editierbar. Gut ist zu sehen, dass die Linien in einzelnen Objekten vorliegen.
Programme, die keine Editierfunktion besitzen, sind mit Stift und Finger deutlich einfacher zu bedienen. Zum Beispiel wird in Edge zwar eine Linie auf Vektorbasis erzeugt, aber da das Editieren nicht vorgesehen ist, kann mit den Fingern nichts aus Versehen verschoben werden.
Andere Programme wandeln das PDF vollständig in eine Pixelebene um, über die eine weitere und unverrückbare Ebene für handschriftliche Anmerkungen gelegt wird (PDF Ink, Inkodo, Nebo, Concepts). Diese Programme sind in der Regel besser mit Finger und Stift zu nutzen. Handschrift sieht realistisch aus und kann nicht aus Versehen verschoben werden. Dafür ist das Zoomen in die Datei begrenzt und oft auf 200% beschränkt, um die als Pixelebene importierte PDF-Datei nicht zu unscharf werden zu lassen. Später können die handschriftlichen Ergänzungen nicht mehr in anderen Editoren verändert werden, da alles eine Pixelebene ist (Inkodo, Concepts), oder die Linien aus einem Konglomerat an Teilobjekten bestehen (PDF Ink).
Darf ich Dokumente digital mit der Hand unterschreiben?
Eine digital eingefügte Unterschrift – mit welchem Programm auch immer – ist nicht offiziell rechtsgültig, wenn die Rechtsprechung für diesen Vorgang eine Unterschrift auf Papier ausdrücklich verlangt. Um hier dem Gesetz Genüge zu tun, muss eine eigene digitale Signatur-Infrastruktur aufgebaut werden, die spezielle Merkmale wie Schreibgeschwindigkeit, Andruck, Stiftneigung etc. mit protokolliert.
Das ist in professionellen Programmen wie Acrobat, PDF Architekt oder PDF-Exchange eingebaut und kann gegen Aufpreis aktiviert werden; innerhalb einer Firma aber können Sie die schnelle PDF-Lösung mit der Unterschrift gerne verwenden. Aber Sie sollten immer darauf achten, die Unterschrift nicht veränderbar einzubetten bzw. das Dokument zu sichern.
Soll ich Anmerkungen einbetten oder schützen?
Solange die Anmerkungen, auch z.B. die Unterschrift, nicht fest eingebettet sind, sind sie von Dritten wieder kopierbar, veränderbar oder löschbar. Sobald sie aber eingebettet werden, sind sie grundsätzlich nicht mehr zu editieren, zumindest nicht ohne größeren Aufwand. Eingebettete Anmerkungen sind fest mit dem PDF-Gerüst verbunden. Um ganz sicher zu gehen, empfehle ich es zusätzlich zu verschlüsseln (= schützen).
Möchte ich Anmerkungen jedoch für mich editierbar halten, aber für Dritte nicht, bleibt nur die Möglichkeit, das Dokument mit Passwort zu schützen und jede Veränderung zu verbieten.
Warum sieht meine Schrift so krakelig aus?
Das war meine spontane Frage, als ich mein erstes PDF digital unterschreiben wollte. Mittlerweile weiß ich: Der Grund ist ein technischer. Da das PDF eine rein mathematische Beschreibung von Inhalten ist, muss jeder Strich in eine Vektorgrafik umgewandelt werden. Je nach Qualität des Algorithmus sieht die Linie besser oder schlechter aus.
Gutes digitales Schreiben oder Zeichnen erfordert einen Strichalgorithmus, der die digitale Linie auch glättet. In professionellen Zeichenprogrammen lässt sich sogar der Grad der Glättung einstellen. Auch kann man definieren, ob der Strich am Anfang und am Ende dünner sein soll. Oder es wird sowieso die Drucksensitivität des Surface unterstützt. Und in der Güte des Linienalgorithmus trennt sich die Spreu vom Weizen.
Viele kostenfreie Programme unterstützen hier nur eine sehr einfache Linie, und so sieht die Handschrift aus. Oder es wird die Linie geglättet, aber nicht auf Druck reagiert. Oder es kommt zu seltsamen Artefakten. Je besser der Linienalgorithmus ist, umso intensiver wird die CPU belastet, was bei leistungsschwachen Geräten schnell Verzögerungen bedeuteten und die Nutzung trüben kann. Interessant ist der Ansatz bei PDF-Exchange: erst sieht man nur eine dünne Linie, mit Ende der Bewegung startet der Algorithmus und macht einen schönen Strich daraus.
Anmerkungen in Acrobat, die Schrift ist aufgeteilt in verschiedene ObjekteAnmerkungen in EdgeAnmerkungen in PDF-Exchange
Gibt es ein bestes Programm für alle?
Das PDF ist wie ein Paket mit beliebig definierbarem Inhalt. Und wie im richtigen Leben jedes Paket etwas anderes enthält und anders genutzt wird, so unterschiedlich sind in der digitalen Welt die Inhalte und die Bedürfnisse der Nutzer. Daher gibt es – leider – nicht das eine Programm für PDF, mit dem alle glücklich werden.
Typ „Normalnutzer*in“
Der Normalnutzer will nur hin und wieder in einem PDF etwas markieren, vielleicht eine Notiz dazuschreiben, das PDF unterschreiben, ohne weitere Ansprüche. Hier reicht der Edge-Browser in der neuesten Version von Microsoft völlig aus.
Typ „Student*in“
Der Student bekommt alle Unterlagen als PDF. In manchen PDFs muss er umfangreiche Anmerkungen machen, weitere Informationen dazuschreiben, digitale Klebezettel und Kommentare verwalten. Organisation der PDFs ist großgeschrieben. Seiten müssen eingefügt und verschoben werden können. Grundsätzlich sollten alle PDFs durchsuchbar sein. In der Vorlesung müssen mit dem Tablet und Stift leicht handschriftliche Ergänzungen möglich sein. Das Tablet liegt fest auf dem Pult. Hier könnte ich Inkodo, Xodo oder auch Drawboard empfehlen. Eine Kombination mit OneNote wäre denkbar.
Typ „Architekt*in / Bauingenieur*in“
Der Architekt bzw. Bauingenieur kommuniziert über PDF mit seinen Kunden. Sein Bedarf ist ähnlich dem des Studenten. Zusätzlich wird gemessen, angemerkt, verglichen, gezählt. Dokumente sollen vom Kunden nicht verändert werden dürfen. Auf der Baustelle müssen im Plan mit dem Stift leicht Ergänzungen gemacht werden, die nicht verrutschen sollen. Mit den Fingern wird gezoomt und verschoben, der große DIN A0-Plan auf Papier bleibt im Büro, das Tablet wird dabei in der Hand gehalten. Hier würde ich im Büro z.B. PDF-Exchange oder PDF-Architekt, für die Baustelle aber Inkodo, Edge oder ein ähnliches Programm empfehlen. Möglich wäre auch der Export des Plans als JPEG-Datei (siehe weiter unten) und die Bearbeitung in einem Zeichenprogramm. Als einfachste Lösung würde sich die App Ausschneiden & Skizzieren anbieten. Oder der Import der PDF-Datei in Concepts.
Wenn es schnell gehen soll: Microsoft Edge
In Windows selbst bietet sich als einfaches hauseigenes Tool für handschriftliche Ergänzungen der Browser Edge von Microsoft an (Abspeichern später nicht vergessen). PDF mit Kontextmenü „Öffnen mit…“ in Edge laden, Stift auswählen und loslegen. Sie können in den Einstellungen unter „Standardprogrammen“ einstellen, mit welchem Programm ein PDF immer geöffnet werden soll. Sie können Text farbig markieren und Kommentare hinterlegen, die auch in anderen Programmen gelesen werden können. Da in den letzten Jahren ein technisch notwendiger Umbau vom alten Edge zum neuen Edge erfolgt ist, empfehle ich nur die aktuellste Version zu verwenden.
Achtung: In Edge werden handschriftliche Anmerkungen aber derzeit nicht „eingebettet“ und können daher in anderen Programmen leicht wieder gelöscht werden. Die Einbettungsfunktion soll erst noch im Laufe des Jahres 2022 kommen. Als Zwischenlösung kann man den Tipp unten anwenden.
Vorteil: Bei vielen PDF-Dateien, die gleichzeitig geöffnet sein müssen, verliert man mit den Tabs in Edge nicht so leicht den Überblick. Mit dem neuesten Windows-Release vom Herbst 2020 sieht man Tabs in Edge in der Programm-Vorschau wie einzelne Programme und kann leicht hin- und herwechseln. Sehr praktisch. Zwar können auch Chrome und Firefox PDFs in Tabs öffnen, aber eine Stift-Funktion ist nicht vorhanden.
Fast natürliches Schreiben im PDF, hier in Edge mit der Möglichkeit zu markieren und Kommentare einzufügen
Tipp
Wenn das Dokument schnell als nicht veränderbare Bilddatei gedruckt werden soll
Auf jedem Windows-10-System gibt es einen vorinstallierten PDF-Drucker: Microsoft-Print-to-PDF. Hier werden handschriftliche Elemente eingebettet, alle Schriften und Vektorgraphiken in eine Bildebene umgewandelt und sind später nicht mehr so leicht editierbar. Bei sehr kleinen Schriften, geht es leider zu Lasten der Lesbarkeit. Für gute PDF-Editoren ist diese Art der Sicherung zwar auch keine Hürde, da sie alte Objekte wieder erkennen können, doch es ist immer noch besser als nichts zu unternehmen.
Programme aus dem Microsoft App-Store
Im App-Store sind für die Stiftnutzung viele gute Programme verfügbar: Drawboard PDF, PDF Ink, Inkodo, XODO (letzteres vollkommen kostenlos, dafür stürzt es bei großen Dateien gerne ab) oder PenBook, um nur einige zu nennen. PenBook ist eine optische Kopie der App Ausschneiden & Skizzieren. Beim Öffnen eines PDF wird automatisch eine Bilddatei erzeugt, die beschriftet werden kann (wie auch bei Inkodo oder Concepts). Leider ist bei diesen Programmen die Zoomstufe begrenzt und damit sind sie für hochauflösende PDFs im Ingenieurbereich unbrauchbar (Ausnahme Concepts).
Die Programme aus dem Store erkennen automatisch, dass der Stift zum Schreiben genutzt werden soll. Optionales Schreiben mit dem Finger muss extra aktiviert werden. Was generell den Eindruck etwas trübt: beim Auswählen einer anderen Stiftfarbe oder Stifts kann mit dem Finger nicht mehr gezoomt werden kann, das Auswahlmenü muss erst wieder beendet werden. Da es grundsätzlich so ist, scheint es technische Gründe zu haben. Das stört in der Handhabe bei Xodo z.B. sehr viel mehr als bei Inkodo, dafür ist in Xodo ein PDF auch auf Objektebene editierbar.
Die volle Funktionalität der meisten Apps aus dem Store kann man nur über die Bezahlung eines Geldbetrags bekommen. Aber das ist in Ordnung. Doch dazu braucht man wieder einen Microsoft-Account, sonst funktioniert es mit dem Bezahlen nicht, und daher sind diese Programme in Firmen nicht verfügbar.
Drawboard wäre von der Funktionsvielfalt und dem Schreibgefühl fast die perfekte Anwendung, wenn es bei großen Dateien nicht sehr langsam würde. Das Zoomen und Verschieben mit den Fingern macht keine Freude mehr, die mehrere Sekunden lange Denkpause irritiert. Unpraktisch ist auch, dass Anmerkungen wie in Acrobat oder PDF-Exchange sofort als bewegliche Objekte wieder aus Versehen verschoben werden können.
Anmerkungen in Inkodo bei Zoom von 900%, die Anmerkung ist scharf, das PDF im Hintergrund als Bildimport wird bereits unscharfDas Bild oben in Inkodo, hier exportiert als PDF und wieder reimportiert bei gleichem Zoom in PDF-Exchange. Deutlich ist zu sehen, dass alles in einer Pixelebene zusammengeführt ist.
Programme, die ohne App-Store installiert werden können
PDF-Exchange kann ohne Store installiert werden und hat – man merkt es – die Stifttauglichkeit nachträglich dazu programmiert bekommen. Doch PDF-Exchange glänzt in der kostenpflichtigen Version vor allem mit der Vielzahl an professionellen Funktionen, die gerade für Planer und Architekten von Bedeutung sind. Der Stift findet sich unter „Werkzeuge – Anmerkungen – Stift“ und kann auch in der kostenfreien Version genutzt werden. Hier können Anmerkungen auch so eingebettet werden, dass sie nicht mehr so leicht löschbar sind (nur Vollversion). Der Strich wird geglättet, reagiert auf Druck und sieht sehr gut aus; ein großer Vorteil gegenüber anderen Programmen. Verschiedene Stifte in unterschiedlichen Farben und Strichstärken kann man hinterlegen und mit dem Kontextmenü unter Stift leicht aufrufen.
Leider erkennt PDF-Exchange in der Bedienung nicht, ob man mit dem Stift oder Finger den Bildschirm berührt und macht immer einen Strich. So ist das Zoomen auf dem Tablet schwierig. Will man mit dem Fingern zoomen oder das Bild verschieben, muss man vorher das Handsymbol anklicken, also dem Programm mitteilen, dass man seine Finger benutzen möchte. Oder man benutzt grundsätzlich zwei Finger zum Verschieben und Zoomen. Intuitiv geht leider anders.
Nicht getestet habe ich eine Reihe von hochprofessionellen Programmen, die nur über Kauf die Stiftbearbeitung ermöglichen wie z.B. PDF-Architekt. In der Free-Version ist mit allerdings ein schwerfälliges Navigieren in großen Plänen aufgefallen. Auch belegt das Programm mit 0,3 GB ordentlich Speicherplatz und erinnert eine penetrant an die Option zum Kauf.
Die unterschiedlichen Stiftoptionen in PDF-Exchange. Sie erinnern mich an das alte Office 2013 oder an die derzeitige Version von OneNote in der Desktop-Variante
Der Acrobat-Reader war lange Zeit für die Stift-Nutzung eher etwas schwerfällig und damit habe ich mich sehr höflich ausgedrückt. Man konnte zwar Kommentieren und Markieren, aber das war kompliziert zu bedienen. Doch seit neuestem wird der Stift meist automatisch erkannt, die Strichglättung ist besser geworden, nur die Drucksensitivität wird noch nicht unterstützt. Allerdings enthält die Vektorlinie oft seltsame Artefakte, die wie kleine Ausbrüche aussehen.
Insgesamt ist die Handhabung jedoch immer noch weit von intuitiv entfernt. Wer es ausprobieren möchte: der Stift ist in der „Kommentarfunktion“ versteckt (unter den Werkzeugen versteckt, am besten danach suchen). Und es gibt das gleiche Fingerproblem wie bei PDF-Exchange. Noch umständlich ist das Löschen, da der Radiergummi nicht automatisch die ganze Linie erfasst. Besser man löscht den „Kommentar“ in der Randspalte oder man selektiert die Linie als Objekt und löscht sie.
Dafür eignet sich der Reader – auch in der kostenlosen Version – hervorragend, um eine vorher eingescannte Unterschrift als transparentes PNG einzubetten. Sie können auch direkt eine Unterschrift mit dem Stift anlegen und immer wieder einfügen.
Anmerkungen im Acrobat Reader
Der ungewöhnliche Weg: PDF mit Word öffnen und unterschreiben
Eine ungewöhnliche Methode, ein PDF mit schöner Schrift zu unterschreiben ist die Öffnung in Word. Bei einfachen PDFs wird das Layout nicht verändert und es steht die wirklich gute Stiftunterstützung von Word zur Verfügung. Nach der handschriftlichen Überarbeitung kann das Dokument wieder als PDF gedruckt werden. Das funktioniert nur bei nicht geschützten Dokumenten und ist eher etwas für den seltenen Fall, aber möglich.
Auch möglich: der kreative Weg für große Pläne mit JPG
Große Pläne im Architekturbereich lassen sich auch immer als hochaufgelöste JPG-Datei exportieren. Öffnet man diese z.B. mit der App Ausschneiden & Skizzieren, lassen sich schöne handschriftliche Anmerkungen durchführen. Da die App den Finger ignoriert, wenn der Stift verwendet wird, kann man lässig im Plan zoomen und schieben. Solange die App nicht geschlossen wird, und man nur zwischenspeichert, sind alle Anmerkungen noch zu löschen. Erst beim nächsten Öffnen sind sie fest eingebettet. Sicher ein etwas ungewöhnlicher Weg, aber wenn die Dateien beim Empfänger oder auch später nicht editierbar sein sollen, warum nicht?
Oder man öffnet die Datei in Photoshop bzw. dem kostenfreien Sketchbook. Hier kann die Anmerkung auf einer separaten Ebene durchgeführt und immer wieder editiert werden. In Photoshop könnte man zusätzlich Strecken messen, Flächen ausrechnen und Objekte zählen.
Concepts ist zwar ein Programm zum Zeichen und Skizzieren, aber es erlaubt auch das Importieren und Exportieren von PDFs. Beim Import wird die Bilddatei automatisch erzeugt und liegt dann als eine Ebene vor, die handschriftlichen Notizenkönnen in einer weiteren Ebene hinzugefügt werden. Die hervorragende Stiftunterstützung steht zur Verfügung und macht die Bedienung zum Genuss. Beim Export wird wieder ein PDF erzeugt, aber es ist in Wahrheit eine Bilddatei mit einer Ebene im PDF-Container. Nichts kann mehr im PDF editiert werden. Für eine reine Bestandsaufnahme auf der Baustelle aber durchaus eine Überlegung wert.
Anmerkungen in einem Bauplan mit PDF-Import nach Concepts. Die Handhabung der Stifte und Farben wie auch der Ebenenauswahl ist hervorragend, nur die Performance beim Zoomen und Verschieben ist zäh.
Wie mache ich es?
Wenn es nur um schnelle Anmerkungen geht, nutze ich Edge. Wenn ich große Dateien öffnen muss und handschriftliche Anmerkungen ergänzen will, nutze ich Drawboard oder PDF-Exchange. Wenn ich eine perfekte, eingescannte Unterschrift einfügen will oder das Dokument editieren muss, nutze ich den Acrobat Reader. In letzter Zeit verwende ich auch immer öfter PenBook oder Inkodo. Müsste ich große Pläne auf der Baustelle mit Anmerkungen versehen, würde ich sie als JPG nach Concepts laden und die Anmerkungen in verschiedenen Ebenen schreiben.
Das eine perfekte Tool für alles habe ich leider noch nicht gefunden. Für Tipps und Hinweise bin ich jederzeit sehr dankbar.
Viele kaufen sich ein Microsoft Surface mit dem Ziel, als Windows-Nutzer dem papierlosen Arbeiten einen Schritt näherzukommen. Und irgendwann kommt der Wunsch auf, mit dem Surface Pen auch die eine oder andere Zeichnung zu machen. Doch welches Programm ist wofür geeignet?
Der Artikel richtet sich an User, die bereits ein Surface besitzen. Für Neueinsteiger, die digital malen wollen, empfehle ich ein iPad, da die Auswahl und Qualität an Apps im Apple-Kosmos unübertroffen ist.
Natürlich gibt es Profisoftware wie Photoshop, die zwar für alle Zwecke geeignet, aber für Einsteiger viel zu komplex ist. Und nicht alle wollen viel Geld ausgeben oder gleich ein Abo abschließen. Schauen wir uns daher die Programme an, die meist sowieso vorhanden sind, da sie zum Arbeiten benötigt werden, wie Word und PowerPoint in Office 365, oder bereits vorinstallierte Microsoft-Apps in Windows 10/11 wie Ausschneiden & Skizzieren, Fresh Paint, Paint 3D, OneNote und Whiteboard.
Was lässt sich damit machen, sind sie wirklich nutzbar und wofür eigenen sie sich? Und ja, Sie haben übrigens richtig gelesen, Sie können in Word wie PowerPoint zeichnen und sogar animierte Zeichnungen erstellen. Mehr dazu weiter unten.
Am Ende gehe ich noch kurz auf Programme ein, die mehr der Profi-Ecke zuzuordnen sind wie Sketchbook, Concepts und Fresco.
Die App Surface aus dem Microsoft Store
Der erste WICHTIGE Schritt für die Einstellung der Drucksensitivität beim Zeichnen
Der digitale Stift des Surface ist drucksensitiv, d.h. der Strich ist je nach Andruck beim Zeichnen mal dicker und mal dünner, doch die Sensitivität hält sich in der Grundeinstellung in Grenzen. Hilfe naht in der App Surface, denn dort ist die Sensitivität einstellbar: von 1-12 (sehr sensitiv = leichter Druck > bis gar nicht sensitiv = fester Druck).
Die Standardeinstellung ohne App liegt bei 7. Meine Lieblingseinstellung liegt bei 3-4.
Leider wird die Drucksensitivität bei jedem größeren Systemupdate von Windows wieder auf 7 zurückgesetzt. Also immer wieder kontrollieren.
Ob die Drucksensitivität vom Programm später genutzt wird, ist abhängig von der Programmierung. Von allen hier besprochenen Programmen ist es nur Paint 3D, das einen eigenen Algorithmus für die simulierte Strichdicke hat (wie früher die nicht drucksensitiven iPads) und nicht auf die Einstellungen reagiert. Die Notizenfunktion in Edge für Anmerkungen in PDFs unterstützt das ebenfalls – momentan – leider nicht. Profiprogramme wie Photoshop oder die kleine Schwester Fresco erlauben weitere Modifikationen im Programm, die Grundeinstellung erfolgt jedoch über die Surface-App.
Zeichnen auf einer Ebene: wie auf Papier und einfach zu lernen
In den Apps Ausschneiden & Skizzieren, Fresh Paint, Paint 3D, OneNote, Whiteboard, Word, PowerPoint zeichnet man nur auf einer Ebene. Das entspricht der natürlichen Malerfahrung auf einem Blatt Papier und ist leicht zu verstehen.
Zeichnen auf nur einer Ebene bedeutet jedoch gute Planung. Für einfaches Kritzeln ist das ohne Bedeutung, aber wenn sie mit gefüllten Flächen im Hintergrund, halbtransparenten Schatten und Lichtern arbeiten wollen, sollten Sie es berücksichtigen.
Farbige Flächen kommen zuerst, dann folgt der Strich, Schatten und Lichter zum Schluss. Hinweise finden Sie dazu in meiner Beschreibung von Paint 3D weiter unten. Während man in Fresh Paint und Paint 3D richtig malen kann, ist das in allen anderen oben genannten Programmen mehr ein Skizzieren.
Die App Fresh Paint von Microsoft
Das Spaßprogramm mit coolen Pinseln für Kinder
Das kostenfreie Fresh Paint ist ein Zeichen-Programm für Kinder und neugierige Erwachsene. Es ist soweit als möglich an das natürliche Malen angelehnt, ob mit Stift oder Finger, und auch im Aussehen der App. Es lassen sich unterschiedliche Papiere/Leinwände und Pinsel bzw. Stifte auswählen. Die Effekte sind verblüffend real, die Farben mischen sich untereinander. Ölpinsel und Aquarellpinsel sind wirklich gut. Da sich aber die Größe der Leinwand nicht einstellen lässt und immer am genutzten Bildschirm orientiert, erreicht man für eine semiprofessionelle Nutzung schnell die Grenze.
Als Spaßprogramm ist es jedoch empfehlenswert. Kinder können Vorlagen importieren und ausmalen. Meine Tochter liebte es, Werbe-Fotos aus dem Internet zu importieren und künstlerisch zu verzieren, oder Familienmitglieder zu fotografieren und zu verschönern. Exportieren kann man die Bilder als JPG- oder PNG-Datei.
Die App Paint 3D von Microsoft
Als schnelles 2D-Zeichenprogramm durchaus gut
Als Nachfolger für das klassische Paint gedacht, ist das in Windows 10 vorinstallierte Paint 3D einerseits so viel mehr, andererseits dadurch nicht wirklich intuitiv in seiner Gesamtfülle. Nutzt man aber nur die 2D-Malfläche, lassen sich einfache Zeichnungen mit tollen Effekten erstellen, die sonst so nur über mehrere Ebenen möglich sind.
Gut gelungen finde ich die klare Oberfläche, die Auswahl an Pinseln, Stiften und Farbeimer, mit denen man kombiniert durchaus sehenswerte Bilder ohne großen Aufwand erstellen kann. Sehr praktisch ist die Möglichkeit den Maluntergrund frei in der Größe zu definieren, mit und ohne Hintergrund malen zu können, auch später noch, und Pinsel mit unterschiedlicher Transparenz zu nutzen.
Ein kleines Gimmick ist die Option, die Zeichnung in der schrittweisen Entstehung als kleines Video zu exportieren. Exportieren lassen sich die Bilder in verschiedenen Formaten, die größeneinstellbar sind, mit und ohne Transparenz. Auch das Hauptbild dieses Beitrags, die Lady in Grau, wurde in Paint 3D erstellt.
Anleitung für einfaches Sketchnoten und Skizzieren in Paint 3D
Im Folgenden finden Sie eine kleine Anleitung, wie man Paint 3D zum einfachen Sketchnoting nutzen kann. Ich verwende es gelegentlich in digitalen Zeichenkursen für Anfänger, um die ersten Schritte erlernen zu lassen.
Die App Ausschneiden & Skizzieren von Microsoft
Ein völlig unterschätztes Windows-10-Tool mit vielen Möglichkeiten
Eigentlich ist die Standard-App in Windows 10 dazu gedacht, das, was auch immer auf dem Bildschirm zu sehen ist, auszuschneiden und woanders einzufügen, bzw. bei Bedarf auch mit handschriftlichen Anmerkungen zu versehen und/oder abzuspeichern. Daher auch der Name: Ausschneiden & Skizzieren. Sie können entweder nur ausschneiden oder nur skizzieren oder beides nutzen. Wenn man die App direkt über das Icon startet ist sie leer. Inhalte werden über das Ausschneiden eingefügt.
Option 1 : Nur Ausschneiden
Der direkte Start der App ist die Ausnahme. Normalerweise nutzt man die Ausschneidefunktion z.B. über Umschalt Win S, die Druck-Taste der Tastatur oder über oder die Kachel Bildschirmausschnitt im Action-Menü. Dabei wird das ausgeschnittene Bild im Arbeitsspeicher abgelegt und kann in anderen Programmen eingefügt werden.
Option 2 : Ausschneiden und Skizzieren
Möchten Sie die ausgeschnittenen Inhalte mit Anmerkungen versehen, klicken Sie auf das Stiftsymbol in der Taskleiste und wählen die Option „Vollbildausschnitt“. Dabei wird ein aktueller Screenshot erstellt, der weiterbearbeitet, kopiert und/oder abgespeichert werden kann. Sie können auch den Surface Pen in den Stifteinstellungen so konfigurieren, dass er bei Druck auf die hintere Taste die gleiche Funktion ausführt. Das ist sehr praktisch, wenn Sie z.B. mit dem Tablet auf der Baustelle oder im Seminarraum unterwegs sind. Wollen Sie mehrere Fenster der App offenlassen, können Sie es in den Einstellungen der App erlauben. Ansonsten wird das alte Fenster immer geschlossen. Ich verwende die App sehr gerne in Online-Schulungen, um einen Screenshot zu erstellen, den ich live mit Anmerkungen versehe. In Präsenzseminaren mache ich oft ein Foto von einem Flipchart oder Arbeitsblatt, werfe es über den Beamer an die Wand und nutze den Stift für Anmerkungen.
Nutzung als einfache Skizzen-App mit selbst erstellter Vorlage
TIPP
Mit einem Trick eignet sich die App aber auch als einfache Skizzen-App. Vor allem, wenn Sie auf Arbeit keinen Zugang zu anderen Programmen haben. Erstellen Sie sich einen weißen Hintergrund in PowerPoint oder Word oder Fresh Paint oder Paint 3D und speichern Sie ihn als JPG-Datei ab. Optional können Sie noch vorher Ihr Logo dazusetzen. Wenn Sie diese Datei über „öffnen mit…“ oder als feste Verknüpfung in der „Ausschneiden & Skizzieren“-Kachel öffnen, haben Sie einen weißen Hintergrund und können z.B. mit dem Bleistift schnell etwas skizzieren und per E-Mail verschicken.
Mit Vorlage auch als Skizzenapp nutzbar
An Stiften gibt es deckende Kugelschreiber, weichen Bleistift und halbtransparente Marker, alle in unterschiedlichen Dicken mit vordefinierten Farben. Sie können Radieren, mit Lineal gerade Linien oder mit Winkelmesser Kurven wie Kreise zeichnen. In dieser App, wie auch in OneNote, Word und PowerPoint gibt es jedoch keinen Farbeimer für das Füllen von Flächen. Für den Künstler sind die Optionen eindeutig zu wenig, für die schnelle Skizze, z.B. in einer Videokonferenz oder unterwegs durchaus ausreichend und empfehlenswert, da einfach. Apps aus dem Microsoft Store, die optisch sehr ähnlich funktionieren, aber Inhalte laden lassen, sind Penbook (auch gut für PDFs) oder Inkpaint Preview.
Papier-Arbeitsblätter aus der Schule oder sonstige Blätter schnell mit handschriftlichen Anmerkungen versehen und als PDF versenden
TIPP
Oft steht man vor der Situation, dass kein Scanner da ist, aber ein reales Blatt Papier muss digital bearbeitet und weiter verschickt werden, z.B. als PDF. Alles, was dazu notwendig ist, enthält die Standardinstallation von Windows 10: Die Apps für Kamera, Ausschneiden & Skizzieren und der virtuelle Microsoft Print-to-PDF-Drucker:
Schritt 1: Papier mit der Kamera-App aufnehmen, als Dokument oder Whiteboard, was besser passt.
Schritt 2: Vorschaubild in der Kamera-App unten rechts anklicken, das aufgenommene Bild zeigt sich groß am Schirm, über die verschnittenen Kreise oben läßt sich ausprobieren, welche Option besser passt und eventuell den Ausschnitt verbessern.
Schritt 3: Foto über Teilen in die App Ausschneiden & Skizzieren,
Schritt 4: Foto mit dem Stift handschriftlich bearbeiten,
Schritt 5: dann über Drucken als PDF ausgeben (Microsoft-Printer to PDF) und per E-Mail versenden.
Tipp: Die App Ausschneiden & Skizzieren lässt sich in den Standardeinstellungen immer nur einmal gleichzeitig öffnen. Möchte man mehrere Fenster der App nutzen, müssen Sie es in den Einstellungen über „mehrere Fenster erlauben“ aktivieren. Im Prinzip kann man jedes Foto über Drucken in ein PDF überführen. Das PDF ist zwar nicht editierbar und hat keine OCR-Texterkennung für die Suche im Dokument, aber für Arbeitsblätter ist das gut genug.
Die App OneNote für Windows 10 von Microsoft
Achtung: es gibt zwei Varianten von OneNote
Da viele meiner Kunden verwirrt sind: es gibt ein „alte“ Version von OneNote (früher OneNote 2016 oder 2019) und eine „moderne“ UWP-App, die OneNote für Windows 10 heißt (früher nur OneNote). Beide Programme haben das gleiche Icon. Die „alte“ Version kommt mit dem Office-Paket und ist eher für Maus und Tastatur optimiert, die „moderne“ Version ist meist vorinstalliert bzw. leicht über den Store zu bekommen. Die „alte“ Version sollte durch die „moderne“ Version ersetzt werden, aber aus vielerlei technischen Gründen werden jetzt beide Versionen in einer Version ab 2022 zusammenfließen.
Zum Zeichnen empfehle ich die „moderne“ Version, da sie viel besser für Stift und Finger umgesetzt ist. Die moderne Version ist leicht an die vielen schönen Stiften im Tab Zeichnen erkennbar (siehe Bild mit dem blauen Fisch unten).
Der digitale Tausendsassa und ein toller Bleistift
Ähnlich wie die App „Ausschneiden & Skizzieren“ funktioniert das Zeichnen im kostenfreien OneNote für Windows 10 mit Kugelschreiber, Bleistift und Marker. Zusätzlich gibt es noch ein paar Glitzerstifte, die ich liebe, sowie beliebig einstellbare Farben. Die Zeichenfläche ist nach rechts und nach unten endlos. Man kann mit Finger oder digitalem Stift kreativ sein.
OneNote hat eine realistische Simulation des Bleistifts, wenn man die Drucksensitivität in der Surface App auf 3 herunterregelt. Probieren Sie es mal aus. Halten Sie den Stift gerade, bekommen Sie eine feine Linie, halten Sie ihn schräg, können Sie breit schraffieren, wie beim richtigen Bleistift.
Die schnelle Kopfskizze ist so entstanden.
Eine Zeichnung oder Ausschnitte daraus lassen sich aus OneNote vernünftig nur über Ausschneiden & Skizzieren exportieren. Der Schwerpunkt der App liegt auch nicht auf dem Exportieren und Drucken, sondern auf dem digitalen Teilen der digitalen Notizen. Als Alternative kann man eine leere DIN-A4-Wordseite nach OneNote drucken und hat dann die Möglichkeit diese Seite als Vorlage mit den eigenen Kritzeleien auf A4 zu drucken, entweder auf Papier oder als PDF.
Oder man nutzt gleich die Desktop-Version von OneNote, die ich aber nicht so gerne mag, da sie wirklich mehr für den Desktop geeignet ist.
Ideal für die zeichnerischer Erklärung in Videokonferenzen
Trotz all der Export-Beschränkungen zeichne ich gerne in OneNote für Windows 10, wenn ich zu einer eingefügten Kunden-E-Mail erste Skizzenideen entwickeln soll, in einer Videokonferenz mit dem Kunden zusammen etwas diskutiere oder in einem Kurs etwas zeichnerisch erklären möchte. Dazu kopiere ich die notwendigen PowerPoint-Folien hinein. Der Vorteil zu PowerPoint: ich habe mehr Stifte, das Schriftbild sieht besser aus, die Stiftdicke ist variabel, ich kann besser hinein- und herauszoomen, und auch Verbindungen zwischen den Folien erzeugen. Der Nachteil: ich habe keine Animation, kein einfaches Vor und Zurück, und keinen zu 100% füllenden Bildschirm.
Eine praktische Erweiterung mit mehr Platz für Notizen bei PDFs und Präsentationen
Sehr gerne nutze ich es auch zum Lernen. Eine PowerPoint-Präsentation oder ein PDF drucke ich nach OneNote und ergänze dann handschriftlichen Notizen und Zeichnungen. Das würde zwar auch in PowerPoint oder im PDF funktionieren, aber hier habe ich mehr Platz für Notizen. Ab ca. 25 in eine OneNote-Seite virtuell gedruckten Dokumentseiten wird es aber auch in OneNote unpraktisch, da OneNote langsam zu reagieren beginnt. Hier würde ich die Präsentation in der Notizenansicht als PDF drucken und abspeichern. Geöffnet haben Sie dann oben die Folie, unten Platz zum Schreiben und können das leicht mit Edge bearbeiten (oder auch Penbook).
Warum ich OneNote in Zeichen-Kursen verwende?
Früher hätte ich nie daran gedacht, eine Notizen-Programm für Zeichenkurse zu verwenden. Aber die Anforderungen meiner Kunden haben mich so entscheiden lassen, denn es werden im Alltag zwei Programme benötigt:
a) ein einfaches Programm für die schnelle Skizze, gut auf Tablet und Desktop, mit ausgeklügelter Verwaltung und Cloud-fähig,
b) eine Profiprogramm für die gute Zeichnung (hier nehme ich Concepts).
OneNote ist aus vielen Gründen für die schnelle Skizze perfekt. Es startet schnell, lässt sich vielfältig aufrufen, jede Notizseite ist sehr gut verwaltbar und die Qualität der Stift ist für eine Skizze genau richtig, nicht zu viel und nicht zu wenig. Auch das Prinzip des Zeichnens auf einer Ebene ist verständlich zu lernen und ansehnlich mit ein paar Tricks umzusetzen.
Êin kleines Video von ganz einfachen Zeichnungen in OneNote
Das Programm Word in Office 365
Das besser teilbare Notizbuch
Word im kostenpflichtigen Abo von Office 365 funktioniert von den Zeichenfunktionen wie OneNote, aber die Zeichnungen lassen sich besser drucken, wenn das eine notwendige Funktion sein sollte. Die Zeichnung selbst lässt sich – wie bei OneNote – nur über die App Ausschneiden & Skizzieren vernünftig exportieren und in ein Bildformat konvertieren. Ansonsten bietet Word nur PDF und Textprogramm-kompatible Varianten an. Ich kenne Studierende, die lieber Word als OneNote für das Erstellen von handschriftlichen Notizen verwenden. Der Grund? Es lassen sich die einzelnen Dateien besser verwalten und mit anderen teilen. OneNote ist von der Idee das eine große Notizbuch mit vielen Unterabschnitten und darin eingebetteten Seiten. Eine Word-Datei ist eher wie eine OneNote-Seite. Die Organisation findet in Word auf Dateisystemebene statt, in OneNote innerhalb der App. Ich persönliche nutze Word nicht zum Scribbeln, aber es wäre möglich wie die Zeichnung unten zeigt.
Ein kleiner animierter Film der Zeichnung in Word
Was übrigens in Word – wie in PowerPoint – sehr gut funktioniert ist die Playback-Funktion (Wiedergabe in Freihand) im Menüpunkt „Zeichnen“. Alles, was mit dem Surface Pen gezeichnet wurde, lässt sich als Animation abspielen. Das bleibt auch nach dem Abspeichern und Wiederöffnen erhalten. Sie können sogar radieren und ausbessern. In die Animation geht nur das finale Produkt über. Wollen Sie die Animation als Film exportieren? Mit „Win G“ die in Windows 10 integrierte Screen-Aufzeichnungsoption starten und die Animation als MP4-Datei abspeichern. Hinterher können Sie den Film in der Videoeditierfunktion der Foto-App weiterbearbeiten und sogar mit Musik hinterlegen. Im Video unten sehen Sie ein einfaches Beispiel.
Ein kleines Herz zum Valentinstag in Word gezeichnet, 4-fach beschleunigt
Das Programm PowerPoint in Office 365
Mehr als nur Präsentieren
PowerPoint aus dem kostenpflichtigen Abo von Office 365 kommt einem wahrscheinlich als Zeichenprogramm nicht sofort in den Sinn, aber es hat durchaus viele Vorteile. Im Programm lassen sich zwei Zeichenoptionen finden: das Zeichnen in einer laufenden Präsentation und das Zeichnen beim Erstellen einer Präsentation.
Zeichnen vor der Präsentation
Die Zeichenfläche in letzterem kann beliebig eingestellt werden, was die wenigsten wissen. PowerPoint es ist ein vollwertiges Layoutprogramm, mit dem wir früher an der Uni unsere wissenschaftlichen Poster für die Tagungen erstellt hatte. Die Zeichenfunktion ist wie bei OneNote oder Word, nur dass auch ordentliche Exportfunktionen zur Verfügung stehen. Einerseits als unbewegte Datei mit PNG und JPG, oder, wenn es eine animierte Präsentation ist, als animiertes GIF bzw. MP4-Video. Mit etwas Übung lässt sich sogar animierte Handschrift erstellen. Von Lehrern weiß ich, dass sie so auf einfache Art und Weise animierte Erklärfilme erstellen. Wenn nur die Zeichnung als Animation in einen Film überführt werden soll, empfehle ich den wie oben in Word beschriebenen Weg.
Ein Video in PowerPoint erstellen
Das Video unten mit dem Stift habe ich in PowerPoint gezeichnet, dann über „Wiedergabe in Freihand“ abspielen lassen, dabei gleichzeitig mit der Windows-eigenen Screenrecording-Software (Win G) aufgenommen und mit dem Video-Editor in der Windows-10-Fotos-App gekürzt, auf 8-fach beschleunigt und mit Musik hinterlegt.
Eine schnelle Skizze in PowerPoint. Die Wiedergabe ist achtfach beschleunigt.
Die Wiedergabe in Freihand in PowerPoint zur Animation nutzen
Die Wiedergabe in Freihand wie im Film oben ist leider nur in der Editieransicht der Folien möglich, nicht aber bei der Präsentation. Das Bild bleibt statisch. Möchte man es animiert wiedergeben und keinen großen Aufwand mit der Reihenfolge der Striche auf sich nehmen, empfehle ich, die ganze Zeichnung auszuwählen und unter Animation mit „Wiederholen“ zu verlinken. Der Effekt ist verblüffend, wie im Video unten. Soll dennoch die genaue Entstehung der Zeichnung zu sehen sein, bleibt nur den Film oben in die Präsentation einzubinden.
Die selbst erstellte Zeichnung von oben als animierte Wiedergabe in der Präsentation
Zeichnen während der Präsentation
Ich selbst nutze PowerPoint hauptsächlich, um darin während einer Präsentation zu zeichnen und so Online-Schulungen wesentlich spannender zu gestalten. Das immer sehr positive Feedback der Teilnehmer*innen spricht für sich. Die Anwahl der Stifte findet sich in der Vollbild-Präsentationsansicht ganz unten links in der Folie (mit der Maus oder dem Stift über den Bereich fahren), in der Referentenansicht (mit Folienvorschau) links unterhalb der Folie. Es gibt nur einen dünnen Stift oder transparenten Marker, eine Stiftdicke und eine kleine Auswahl an Farben. Ich warte seit Jahren auf eine Verbesserung der Optionen, die sich seit meiner ersten Nutzung im Jahr 2003 nicht verändert haben.
Im Video unten ist die Referentenansicht ausgeschaltet und das Bild wird an einen zweiten Bildschirm übertragen (hier nicht sichtbar). Auf dem Surface markiere ich die wichtigen Stellen live während der Präsentation.
Während einer Präsentation live wichtige Passagen markieren
Die App Whiteboard von Microsoft
Digitale Zusammenarbeit und Brainstorming
Das kostenfreie Whiteboard gehört mit zu den Standard-Apps von Windows 10 und ist vom Prinzip ähnlich zu den Optionen wie OneNote, nur fehlt der Bleistift. Der Schwerpunkt liegt auf der kollaborativen Arbeitsmöglichkeit auf einer endlosen Arbeitsfläche. Es ist das Standard-Programm für die großen Surface-Hubs (digitale Whiteboards) von Microsoft. Ganz gelungen finde ich die Möglichkeit mit Notizzetteln zu arbeiten und diese wahlweise mit normalem Text wie auch mit Handschrift zu beschreiben und in der Größe zu ändern. Somit ist Whiteboard das Tool für kollektives Brainstorming in Onlinemeetings. Allerdings sollte der Bildschirm groß genug sind und man damit etwas geübt haben, denn dann lassen sich in Kombination mit Finger und Stift gute Effekte erzielen. Für zielgerichtetes Arbeiten können beliebige Arbeits-Vorlagen bzw. Bilder importiert und bearbeitet werden. Verblüffend gut ist das handschriftliche Zeichnen und Befüllen einer Tabelle. Wer das nutzen möchte, für den ist Whiteboard das Programm der Wahl. Zum Exportieren gibt es PNG oder SVG, und dabei immer nur das gesamte aktive befüllte Arbeitsblatt. Ansonsten bleibt es beim Behelf mit der App „Ausschneiden & Skizzieren“, wenn es kleine Objekte bzw. Ausschnitte sein sollen.
Einfaches Sketchnoten mit zwei Stiften
Aufgrund der geringen Auswahlmöglichkeiten an Stiften können keine Effekte wie in den bisher besprochenen Programmen erzielt werden, doch wer sich im kollektiven Brainstorming vor seinen Kolleg*Innen als Sketchnoter outen möchte, findet im einfachen schwarzen Stift und einem dunkelgrauen Textmarker zwei brauchbare Optionen. Im Video unten habe ich das mit Kuh, Pferd und Ziege demonstriert.
Kuh, Pferd, Ziege im einfachen Sketchnote-Stil in Whiteboard
Zeichnen auf mehreren Ebenen wie die Profis
Im illustrativen Profibereich wurde schon immer mit Leuchttisch und Transparenzpapier gearbeitet, um auf mehreren Ebenen arbeiten zu können. Zum Beispiel, um eine Vorzeichnung zu erstellen oder zu sehen, wie es wohl in der Endzeichnung aussehen könnte, ohne die Endzeichnung wirklich zu bearbeiten. All das und noch viel mehr erlaubt das digitale Zeichnen auf mehreren Ebenen. Von den unzähligen Programmen stelle ich Sketchbook, Concepts und Fresco kurz vor.
In der Regel arbeiten Illustratoren mit mindestens 6 Ebenen, daher auch die Beschränkung beim Concepts in der kostenlosen Version auf 5 Ebenen. Vom Verständnis müssen Sie sich das so vorstellen: Sie haben 6 Glasplatten, die Sie von oben betrachten. Was auf der Platte darunter gezeichnet wurde ist nur zu sehen, wenn es von oben nicht abgedeckt ist. Daher ist die Ebene 6 in der Regel der Hintergrund. Dann kommen von unten nach oben Farbe, Schatten, die eigentliche Zeichnung, Lichter und Text. Je nach gewünschtem Effekt arbeitet man mit unterschiedlichen Ebenen-Eigenschaften. Schatten und Lichter sind in der Regel halbtransparente Ebenen (siehe Abbildung…).
Da die Ebenen unabhängig voneinander sind, können Sie beliebig in einer Ebene ändern, ohne dass die anderen Ebenen betroffen sind. Der Traum von vielen Illustratoren ist mit dieser Methode des Zeichnens wahr geworden. Änderungswünsche von Kunden lassen sich so zeitsparend umsetzen. Kein Wunder, dass fast alle Illustratoren*innen mittlerweile digital arbeiten. Auch sind die analogen Effekte in modernen Programmen so gut umgesetzt, dass der Unterschied zum analogen Pendant kaum mehr erkennbar ist.
Die App Sketchbook von Autodesk
Kostenfrei mit Account und trotzdem meistens gut
Sketchbook ist ein gutes Mehrebenen-Programm, das auch für den semiprofessionellen Einsatz geeignet ist. Dabei ist es mit Account kostenfrei und ohne Einschränkung nutzbar. Zusätzliche Tools und Pinsel können nachgeladen werden. Es erlaubt vieles von dem, was professionelle Programme können, ist Photoshop sehr ähnlich und gerade für Tablets ohne Tastatur und Maus bequem nutzbar. Nur beim Export von Dateien schwächelt es. Nicht frei konfigurierbare Varianten von JPG, PNG oder PSD sind für den Profi zu wenig, aber für den gelegentlichen Nutzer völlig ausreichend. Im Internet finden sich Tutorials und ein vernünftiges Handbuch, daher will ich hier nicht weiter auf die Handhabung eingehen.
Früher nutzte ich Sketchbook in meinen Zeichen-Kursen, um das Ebenenprinzip zu demonstrieren. War ich unterwegs und hatte das Surface als Tablet in der Hand, war es das Programm meiner Wahl, um Skizzen anzufertigen, die ich später in Photoshop fertigstellte. In letzter Zeit bin ich auf die App Concepts umgeschwenkt, wenn es um das Unterwegs-Skizzieren auf mehreren Ebenen geht. Dafür ist Photoshop ohne Tastatur nicht wirklich gut nutzbar. Da Sketchnote immer wieder sehr instabil ist und plötzlich abstürzt, verwende ich es auch in meinen Kursen nicht mehr und bin dazu auf Concepts (siehe unten) umgestiegen.
Die App Concepts von TopHatch
Das Lieblingsprogramm der Architekten und Designer
Concepts ist definitiv ein Profiprogramm, das – wie ich gelernt habe – gerne von Architekten und Designern genutzt wird und für die Betriebssysteme von Microsoft wie Apple und sogar Android erhältlich ist. Völlig zurecht hat es bereits mehrere Preise bekommen. In der kostenfreien Variante zum einfachen Skizzieren gut nutzbar, lässt es sich über verschiedene Einmalkäufe zu geringen Kosten weiter ergänzen. Wer alle Optionen, regelmäßige Updates mit Verbesserungen und Premium-Support möchte, ist mit derzeit 5€ pro Monat immer noch günstig dabei. Ich schätze die Möglichkeit den Malgrund endlos zu lassen oder genau in der Größe zu definieren. Clever sind auch die vorhandenen Exportmöglichkeiten. Nicht zu viel und nicht zu wenig.
Ich verwende es gerne unterwegs und schätze das elegante Layout wie auch die gute Umsetzung für das Tablet. Visuell attraktiv ist das Rad für die Auswahl der Farben. Concepts hat sich in letzter Zeit zu meinem Lieblingsprogramm für das Zeichnen „on the go“ entwickelt. Es gibt viele Tutorials und eine vernünftige Hilfe. Das Headerbild dieses Blogeintrag zeigt die Plaza von Arezzo, unten ist eine belebte Strasse in Siena zu sehen. Die Bilder und noch viele mehr sind im letzten Italienurlaub auf einem Surface Go entstanden. Auch hier läuft Concepts problemlos. Da es ein reines Vektorzeichenprogramm ist, bleiben die Dateien sehr klein und alles kann später wieder geändert werden.
Ein paar Zeichnungen als Beispiele für die Ausführung in Concepts
Die App Fresco von Adobe
Das bessere Zeichenprogramm für das Tablet im Vergleich zu Photoshop
Die App ist eines der jüngeren Programme von Adobe und gibt es für iPhone, iPad und Windows 10. Eine 30-Tage-Version ist für Windows kostenlos testfähig, dann kostet das Abo ca. 12€ im Monat. Die App wird derzeit kontinuierlich ausgebaut und erweitert. Das Arbeiten mit Stift und Finger ist viel besser durchdacht als bei Photoshop, das eigentlich nur mit Tastatur und den Tastaturkürzeln effektiv zu bedienen ist. Pinsel und Einstellungsmöglichkeiten sind vielfältig, es gibt Pixel und Vektorpinsel, wie auch eine sehr gute Anbindung an die Adobe-Cloud. Zusätzlich kann man mit der Zeitraffer-Exportfunktion coole Videos erstellen.
Wer sich mit Photoshop auskennt, kann auch Fresco, zumal die Tastaturkürzel ebenfalls funktionieren. Als Desktop-Programm ist es mir wegen der konsequenten Anpassung an das Tablet zu umständlich, da nehme ich lieber Photoshop. Dennoch, Fresco ist ein sehr empfehlenswertes Programm. Wie schon bei Concepts gibt es ebenfalls eine sehr gute Hilfe mit vielen Tutorials.
Welche Programme habe ich für diesen Beitrag benutzt?
Alle Zeichnungen für diesen Beitrag wurden von mir selbst in dem jeweiligen Programm erstellt und exportiert. Zum Teil habe ich Ausschnitte mit der App „Ausschneiden & Skizzieren“ ausgewählt und abgespeichert. In manchen Fällen habe ich auch die App Paint 3D verwendet, um Bilder zuzuschneiden und abzuspeichern. Videos habe ich über die Windows-eigene Screenrecording-Funktion aufgenommen: Windows-Taste und G. Die Videos habe ich in der Videoeditierfunktion der Foto-App als neues Projekt angelegt, geschnitten, mit Musik hinterlegt, Option mit Video synchronisieren, und als HD-Version exportiert.
Einzig das Bild „Eine Kuh in MS Paint 3D ganz einfach zeichnen“ wurde von mir in Photoshop mit Text und Überschrift versehen. Ich hätte es aber auch in Paint 3D so erstellen können, nur lässt sich Text hinterher nicht mehr editieren, sondern muss immer neu erstellt werden. Alternativ hätte ich es in PowerPoint machen können, indem ich die Arbeitsfläche auf die Bildmaße angepasst hätte.
Anmerkung in eigener Sache
Ich werde weder von Microsoft noch von den anderen genannten Firmen unterstützt und schreibe meine ganz persönliche Meinung.
Meine Motivation ist es aufzuzeigen, was mit den bereits vorhandenen Programmen möglich ist. Oft ist alles an Bord, was gebraucht wird, nur fehlt das Wissen dazu und die Inspiration, es anzuwenden. In der Kombination von vorhandenen Möglichkeiten im „Fensterln“ zwischen verschiedenen Apps und Programmen, mit und ohne Stift/Finger, liegt für mich der große Mehrwert der Surface-Geräte 😉.
Wir sind oft geneigt, immer das eine Programm zu suchen, das alles kann. Aber auch das eine Werkzeug gibt es in keinem Werkzeugkoffer. Um allerdings zu verstehen, was die unterschiedlichen Programme können, braucht es digitalen Pioniergeist, sich damit neugierig und spielerisch auseinanderzusetzen. Erst dann klappt es auch mit dem papierlosen Arbeiten und dem digitalen Mindset.
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