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Visions-Visualisierung

Warum Top‑Down‑Visionen scheitern, und nur mit dem Team echte Zukunftsbilder entstehen

Die meisten Visionen scheitern nicht an der Idee. Sie scheitern daran, dass sie niemand wirklich akzeptiert. Sie hängen in Fluren, stehen auf Webseiten und tauchen in Präsentationen auf.

Aber im Alltag spielen sie keine Rolle.

Und das hat einen einfachen Grund: Visionen werden häufig „top-down“ für die Belegschaft formuliert – aber nicht mit ihnen. Doch was passiert, wenn man das Prinzip umdreht?

Ein Perspektivwechsel, der alles verändert

In einem Projekt, das ich visuell begleitete, stand genau diese Frage im Raum:

Wie entsteht eine Vision, die nicht nur verstanden wird, sondern den Alltag verändert?

Normalerweise hätte es diesen klassischen Ablauf gegeben: Workshop mit Führungskräften → Leitbild formulieren → kommunizieren.

Stattdessen wurde der Prozess vom CEO geöffnet: Die Vision sollte von innen entstehen, das Team spielte die Hauptrolle. Bottom‑up – nicht Top‑down.

Das Ziel war nicht eine „bessere Formulierung“. Das Ziel war echte Identifikation mit den Inhalten.

Der entscheidende Unterschied: Beteiligung statt Abstimmung

Viele Organisationen glauben, sie würden beteiligen, doch tatsächlich lassen sie oft nur abstimmen:

  • Ideen werden gesammelt
  • Entscheidungen trotzdem oben getroffen
  • Ergebnisse „zurückkommuniziert“

Das fühlt sich für Mitarbeitende schnell an wie: „Wir durften mitreden, aber nicht mitgestalten.

Ein echter partizipativer Ansatz funktioniert anders:

  • Perspektiven werden sichtbar gemacht
  • Widersprüche werden zugelassen
  • Konstruktive Vorschläge entstehen aus der Gruppe heraus

Die Vision wird nicht von oben herab definiert: Sie entwickelt sich aus der Mitte der Belegschaft.

Wie aus vielen Perspektiven ein gemeinsames Zukunftsbild wird

Angestoßen wurde der Prozeß zuerst von einer Handvoll ausgewählten Vertretern der Belegschaft. Die finale Ausarbeitung fand mit einer weltweiten Auswahl an rund 70 Teammitgliedern statt, die für zwei Tage in einem Hotel bei Zürich zusammenkamen.

Der Prozess folgte keiner simplen Ideensammlung, sondern einer klaren Dramaturgie.

1. Realität sichtbar machen

Was prägt die Organisation heute wirklich? Wichtig ist nicht das, was im Leitbild steht – sondern das, was heute gelebt wird.

2. Perspektiven öffnen

Unterschiedliche Rollen, Teams und Ebenen bringen ihre Sicht ein. Oft wird hier zum ersten Mal sichtbar: Wie unterschiedlich „die gleiche Organisation“ wahrgenommen wird.

3. Spannungen bewusst aufzeigen

Wo entstehen Reibung, Konflikte, Widersprüche? Genau hier liegt das größte Potenzial. Denn, eine Vision entsteht nicht aus Harmonie, sondern aus Spannung.

4. Zukunftsszenarien entwickeln

Nicht als PowerPoint‑Text, sondern als konkrete, vorstellbare Szenarien:

  • Wie arbeiten wir zusammen?
  • Wie treffen wir Entscheidungen?
  • Wie erleben Kunden uns?

Klare Szenarien und Bilder statt unklarer Buzzwords.

5. Verdichten statt bewerten

Statt sofort zu entscheiden, werden Ideen gesammelt, kombiniert, zugespitzt. So entstehen gemeinsame Grundlagen für:

  • wiederkehrende Themen und Muster
  • gemeinsame Sehnsüchte
  • erste Ideen für eine gemeinsame Richtung

6. Gemeinsames Ziel formulieren

Erst jetzt wird die Vision greifbar: Nicht weil jemand sie formuliert hat, sondern weil viele sie bereits als das Ergebnis des Prozesses gesehen haben.

7. Als Zukunftsbild für alle sichtbar machen

Hier kommt der entscheidende Schritt: Die Vision wird visualisiert. Warum? Weil Bilder Komplexität reduzieren und Emotion erzeugen.

Und genau das braucht eine Vision, um zu wirken.

Was dabei entsteht, und warum es wirkt

Der größte Unterschied zeigt sich nicht im Ergebnis, sondern im Verhalten danach:

Eine klassische Vision wird zwar verstanden, ist aber nicht relevant, sie wird akzeptiert, aber nicht gelebt.

Mit der Bottom‑up‑Vision bleibt sie emotional verankert, wird aktiv genutzt und ist in Gesprächen präsent.

Der Effekt: Die Vision wird Teil der täglichen Entscheidungen. Selbst heute, nach 8 Jahren, wird das Bild immer noch genutzt.

Warum dieser Ansatz entscheidend ist

Viele Führungskräfte stehen heute vor der gleichen Herausforderung. Sie sollen die Transformation beschleunigen, Orientierung geben und die Menschen mitnehmen.

Eine Vision soll all das leisten. Doch sie kann es nur, wenn sie nicht „verordnet“, sondern „angenommen“ wird.

Der Bottom‑up‑Ansatz ist kein „nice to have“. Er ist eine Antwort auf ein zentrales Führungsproblem:

Wie entsteht Klarheit in komplexen Organisationen?

Fazit: Die stärksten Visionen kommen nicht von oben

Eine Vision, die von oben formuliert wird, kann richtig sein. Aber sie bleibt oft fremd.

Eine Vision, die von innen entsteht, ist vielleicht weniger perfekt formuliert, aber sie ist von der Mehrheit getragen.

Und genau das macht den Unterschied. Nicht die Formulierung entscheidet über die Wirkung, sondern der Weg dorthin.

Und welche Rolle hat die Visualisierung gespielt?

Die Visualisierung war der rote Faden im gesamten Change-Prozess. Sie hat Diskussionen in klare, greifbare Bilder übersetzt und damit Komplexität reduziert und gemeinsames Verständnis geschaffen.

Vom ersten Scribble bis zum finalen Visionsbild diente sie als gemeinsamer Referenzpunkt, an dem sich alle ausrichten konnten. Entscheidend war dabei nicht nur das Ergebnis, sondern der Prozess: Weil das Bild iterativ gemeinsam entwickelt wurde, entstand echte Identifikation mit dem Bild und dessen Botschaften.

Im Rollout wurde die Illustration schließlich zum zentralen Träger der Vision – digital, räumlich und weltweit sichtbar verankert.

So haben die Zeichnungen Klarheit geschaffen und Licht ins Dickicht der vielen Worte gebracht.

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Visions-Visualisierung

12 Erfahrungswerte wie man ein überzeugendes Visions- oder Strategiebild erstellt

Visions- und Strategiebilder sind komplexe visuelle Erzählungen. Sie beschreiben eine übergeordnete Geschichte und viele kleinere – das Warum, das Wie und das Was der Transformation eines Unternehmens. Ihr Zweck ist es, Klarheit über bevorstehende Veränderungen zu schaffen.

Damit derart komplexe Bilder auch ihre ganze Wirkung erzielen können, müssen Sie bestimmte Vorgaben erfüllen. Hier meine 12 besten Tipps aus rund 15 Jahren Erfahrung.

1
Ein Visionsbild braucht Zeit

12 Erfahrungswerte wie man ein überzeugendes Visions- oder Strategiebild erstellt 6

Bei meinen ersten Aufträgen hieß es oft: wir brauchen das Bild ganz dringend in zwei Wochen. Und ich ließ mich darauf ein. Es war immer Stress, und nie war ich mit dem Ergebnis des hektisch zusammengeschusterten Bildes zufrieden. Die Kunden offenbar schon, also machte ich weiter.

Heute weiß ich, dass ein gutes Visionsbild Monate reifen muss, mit viel Austausch mit dem Kunden und seinen Mitarbeitenden. Aufträge, die mir weniger als einen Monat Zeit geben, nehme ich nicht mehr an. Eine Vision ist 3-10 Jahre gültig, da sollte auch etwas Zeit für die Visualisierung enthalten sein.

Warum es so lange dauert? Das liegt an den folgenden Punkten:

2
Ein Visionsbild macht eine Zukunft sichtbar, die viele Kunden so konkret noch nicht beschreiben können

12 Erfahrungswerte wie man ein überzeugendes Visions- oder Strategiebild erstellt 7

Das ist sicher keine neue Erkenntnis, aber dieser Zustand der Ungewissheit ist bei der Erstellung von Visionsbildern ein zentrales Thema. Denn wie kann ich ein Bild der Zukunft zeichnen, wenn die meisten Kunden die Zukunft nicht konkret beschreiben können?

Das ist jetzt kein Vorwurf an die Kunden, sondern liegt in der Natur der Sache. Eine Vision ist meist nur eine vage Idee, die es zu konkretisieren gilt.

Um diese Klarheit beim Kunden zu generieren, braucht es viele Fragen, und Zeit. Das Wort Warum ist ein wichtiges Werkzeug.

Die direkte Kommunikation mit den Entscheidern ist dabei essentiell. Sind Dritte dazwischen geschaltet, z.B. eine Assistentin oder eine Agentur, wird es unnötig kompliziert und zieht sich in die Länge.

An dieser Stelle noch ein Achtung: wenn das Bild ein Herzensprojekt der Marketing- oder Personalabteilung ist, aber der CEO nicht dahinter steht, kämpft man meist vergebens mit einem firmeninternen Konflikt und kommt zu keinem befriedigenden Ergebnis.

3
Ein Visionsbild ist das Ergebnis eines Prozesses

12 Erfahrungswerte wie man ein überzeugendes Visions- oder Strategiebild erstellt 8

Um ein Visionsbild zeichnen zu können, müssen viele Fragen beantwortet werden (siehe Punkt 2). Oft findet dabei beim Kunden ein Prozess der internen Synchronisierung statt. Ich stelle eine Frage, einer antwortet und ein anderer sagt: „Aber nein, ich sehe das anders.“ Spätestens bei der ersten Skizze holt mich diese Wirklichkeit ein. Ich nenne dies die Katharsis, die Reinigung von verbalen firmeninternen Missverständnissen.

Das ist gut so und nicht überraschend, denn das erste Mal sind alle Details der Vision auf einen Blick sichtbar. Was vorher nur vage und missverständlich im Raum und in den Gedanken schwebte, wird sichtbar und konkret (siehe Punkt 2). Daher ist dieser Prozess parallel zur Bildentstehung so wichtig und entscheidend.

4
Ein Visionsbild ist keine Illustration, sondern eine Übersetzung

12 Erfahrungswerte wie man ein überzeugendes Visions- oder Strategiebild erstellt 9

Texte zu Visionen, Missionen, Strategien und Werten sind meist sehr knapp gehalten. Sie sind das Ergebnis einer langen firmeninternen Diskussion und ein Konzentrat aus vielen Stunden Workshop.

Jetzt wird es kompliziert: Als Zeichner war ich meist nicht Teil der Diskussion, soll aber mit dem Bild mehr sagen, als die vorhandenen kurzen Texte. Das Bild soll sie erläutern und verständlich machen. Es soll sie so übersetzen, dass jeder in der Firma sie versteht.

Ein ausführliches Briefing ist daher unabdingbar. Im Idealfall ist der Zeichner von Anfang an dabei und kann den Prozess begleiten bzw. unterstützen. Ich persönlich bevorzuge mittlerweile einen kleinen Tages-Workshop als Briefing. Und kann damit die Punkte 2-4 abhaken.

5
Ein Visionsbild muss eine Geschichte erzählen

12 Erfahrungswerte wie man ein überzeugendes Visions- oder Strategiebild erstellt 10

Geschichten sind selbst in der modernen Zeit das Mittel der Wahl, um abstrakte Informationen verständlich und wiedererzählbar zu gestalten. Eine Geschichte hat einen Beginn, einen Mittelteil und ein Ende. Alles hängt voneinander ab. Nichts kann weggelassen werden, sonst funktioniert die Geschichte nicht mehr.

Es ist daher hilfreich, die Vision als Geschichte zu erzählen und zwar so spannend und so einfach wie möglich. Wenn alle Bestandteile aus Vision, Mission, Strategie und den Werten eine in sich geschlossene Geschichte ergeben, ist das Ziel erreicht. Die Vision lebt und nimmt ihren Platz in den Köpfen und Herzen der Mitarbeitenden ein.

Für mich kommt das Finden der passende Geschichte noch vor dem ersten Strich. Mit den Jahren habe ich gelernt, dass die erste Skizze viel leichter fällt, wenn die zugrunde liegende Story stimmt.

6
Ein Visionsbild braucht eine klare Erzählstruktur

12 Erfahrungswerte wie man ein überzeugendes Visions- oder Strategiebild erstellt 11

Hier unterscheiden sich Wimmelbilder von Visionsbildern. Wimmelbilder stellen das pralle Leben einer Situation dar: je mehr passiert, umso besser, aber vieles steht in keinem Bezug zu einander.

In einem Visionsbild hat jede Figur, jede Farbe, jede Position eine Bedeutung. Alles erzählt etwas. Im Bild gibt es einen Anfang und ein Ende. Das Bild ist vom Aufbau genau geplant und das Layout ist die Wiedergabe der Erzählstruktur.

Daher muss – wie schon in Punkt 6 – zuerst die Geschichte stimmen, dann kommt das Bild. Nach dem gleichen Schema wurden früher die Kirchenbilder geschaffen. Nur dass damals die Geschichten schon fertig aus der Bibel kamen.

7
Ein Visionsbild funktioniert am besten als Metapher

12 Erfahrungswerte wie man ein überzeugendes Visions- oder Strategiebild erstellt 12

Schon immer verwenden wir Metaphern, um neue Inhalte verständlich zu machen. Herr Meier (mit dem Namen wird hier wird keine Bild generiert) sieht aus wie der typische Buchhalter (hier wird ein Bild generiert). Jetzt wissen alle, wie Herr Meier wohl aussieht, ohne dass er im Detail beschrieben wurde.

Wir verwenden laufend Metaphern in der täglichen Sprache, ohne uns dessen bewusst zu sein. Wenn der Chef sagt, vor uns liegen Herausforderungen, die sind kein Spaziergang im Park, sondern eher mit der Besteigung des Mount Everest zu vergleichen, dann wissen die Mitarbeitenden, was sie zu erwarten haben: Es wird anstrengend.

Mit Metaphern wird der unbekannte neue Raum der zu erreichenden Vision zu einem vertrauten Raum. Es muss keine Bergbesteigung oder eine Schiffsreise sein. Mit etwas Kreativität findet sich immer die passende Metapher.

8
Ein Visionsbild braucht maximale Beteiligung

12 Erfahrungswerte wie man ein überzeugendes Visions- oder Strategiebild erstellt 13

Natürlich ist es am einfachsten, wenn das Visionsbild zu Beginn nur von einem kleinen Gremium erarbeitet wird. Da es aber die gesamte Belegschaft ansprechen soll, sollte im Verlauf der Bildentstehung das gesamte Team auch ein Mitspracherecht bekommen.

Das Team muss nicht zwingend von Anfang an dabei sein, aber sobald die Skizze die Geschichte gut wiedergeben kann, sollte man sich an die Mitarbeiter wenden und sie um ihre Meinung dazu fragen. Und über dieser Art der Einbindung haben sie sich dazu viel intensiver mit der Vision beschäftigt als es sonst je der Fall gewesen wäre: Eindeutig eine Win-Win-Situation.

Oft gibt es mit dem Feedback im Bild signifikante Änderungen. Nicht so sehr an der zugrunde liegenden Story, aber an den Details in der Darstellung. Und die können entscheidend sein (siehe Punkt 9).

Wenn die Mitarbeitenden dann ihre Vorschläge im finalen Bild wiederfinden, werden sie automatisch zu dessen Botschaftern.

9
Ein Visionsbild muss viele Details und auch Humor enthalten

12 Erfahrungswerte wie man ein überzeugendes Visions- oder Strategiebild erstellt 14

Warum sind Kinder von Wimmelbildern so fasziniert? Weil es immer etwas Neues zu entdecken gibt. Dieses Muster funktioniert auch bei Visionsbildern. Gerade die Details sind es, die das Visionsbild so typisch für die Firma machen. Hier bin ich immer auf die Hilfe der Mitarbeitenden angewiesen (siehe Punkt 8).

Gleichzeitig sollten die Details mit Humor gewürzt werden. Dann macht es Spaß, diese Bilder zu betrachten und sie auch gemeinsam anzusehen. Spielerisches Betrachten funktioniert immer. Humor ist der Kleber fürs Gehirn, um sich die Inhalte des Bildes zu merken.

10
Ein Visionsbild sollte in Abschnitten erzählt werden

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In den Visionsbildern sind in der Regel so viele Details enthalten, dass sie die Mitarbeitenden überfordern, wenn sie das Bild zum ersten Mal in seiner ganzen Fülle zu sehen bekommen.

Daher ist es von Vorteil, wenn das Bild parallel zur Erzählung aufgebaut wird und das ganze Bild erst am Ende zu sehen ist. Die moderne Technik macht es möglich. So können sich die Mitarbeitenden immer auf die aktuell wichtige Aussage in der Erzählung konzentrieren, ohne sich in der Detailfülle zu verlieren.

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Ein Visionsbild muss aktiv betrachtet werden

12 Erfahrungswerte wie man ein überzeugendes Visions- oder Strategiebild erstellt 16

Dieser Punkt ist entscheidend für den langfristigen Erfolg der Transformation, die eine Vision zwangsläufig bedeutet. Das Bild aufzuhängen und zu hoffen, dass sich daraus automatisch die Veränderung im Alltag ergibt, ist ein Trugschluss.

Das Bild muss aktiv von den Führungskräften immer wieder herangezogen und diskutiert werden. Es muss Teil jeder Mitarbeiterversammlung, jedes Kick-off und jedes Jahreszielgesprächs sein. Es muss Teil eine kritischen Reflektion mit den erreichten und nicht erreichten Zielen sein, denn nur so bleibt es authentisch und lebt.

12
Ein Visionsbild muss nach einer Weile angepasst werden

12 Erfahrungswerte wie man ein überzeugendes Visions- oder Strategiebild erstellt 17

Wir leben in volatilen Zeiten. Was heute gültig ist, kann morgen schon verworfen sein. Wird das Visionsbild angepasst, ist es ein sichtbares Zeichen für die Mitarbeitenden, dass sich etwas geändert hat. Und dass die Firma es auch ernst mit der Veränderung meint. Mehr Sichtbarkeit geht nicht.

Erstmals nach einem halben Jahr, spätestens nach einem Jahr, sollte man wieder einen gemeinsamen Blick darauf werfen.

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Was ist ein Dialogbild, Prozessbild, Wertebild, Big Picture, Zielbild, Leitbild, Visionsbild, Zukunftsbild, Strategiebild, Transformationsbild?

Die Illustrationen für diesen Beitrag wurden von mir über die KI in Microsoft Designer generiert und teils in Photoshop weiter bearbeitet.

In meiner täglichen Arbeit mit Visions- und Strategiebildern werde ich mit den unterschiedlichsten Begriffen konfrontiert. Sie werden fast beliebig und austauschbar verwendet, aber meinen doch im Kern immer etwas anderes und werden anders genutzt.

Daher versuche ich eine Begriffserklärung und Zuordnung.

Dialogbild

Dialogbilder treten in den Dialog mit dem Betrachter.

Dialogbild ist für mich der Oberbegriff für alle hier beschriebenen Visualisierungsvarianten.

Immer wird mit dem Bild ein komplexes Thema auf anschauliche und nachvollziehbare Weise erklärt. Diese Bilder treten in den Dialog mit dem Betrachter und regen zur Diskussion an.

Es geht um die Darstellung eines komplexen Zusammenhangs im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven , z.B. von aktuellen Marktrends, der eigene Historie, sozialen Veränderungen, wirtschaftlichen Perspektiven, der eigene Vision, etc.

Beispiele?

⇢ Visionen, Strategien & Werte als gezeichnetes Bild: die Zukunft sichtbar werden lassen

Marktführer in Deutschland ist die Firma Dialogbild in Hamburg. Daneben gibt es zahlreiche kleinere Anbieter, wie auch mein kleines Büro.

Viele nutzen den Begriff Wimmelbild, den ich allerdings hier nicht so gerne höre, da er doch eher den Kinderbüchern zuzuordnen ist.

Im internationalen Sprachgebrauch werden Dialogbilder Big Picture, The Bigger Picture oder auch Rich Picture genannt.

⇢ Prozessbilder

Prozessbilder sind eine eigene Gruppe innerhalb der Dialogbilder. Sie werden für die Erklärung der Zusammenarbeit unterschiedlicher Abteilungen in einem Großunternehmen oder für das Ineinandergreifen der Prozesse genutzt. Sie zeichnen sich durch einen eher technisch-strukturierten Aufbau aus.

⇢ Wertebilder

Wertebilder sind eine besondere Unterform der Dialogbilder und versuchen Ideale, Wertvorstellungen und/oder gemeinschaftliche Arbeitsweisen einer Firma im Überblick vorzustellen.

Idealerweise sind die Werte an der Firmenvision und Strategie ausgerichtet und im Bild mit anschaulichen Beispielen erklärt.

Nur zu sagen: „Wir kommunizieren auf Augenhöhe“ ist zu pauschal. Erst mit der Darstellung von 1-3 Beispielen ist die Erwartung eindeutig und unmissverständich aufgezeigt. Auch eine Erklärung, warum die Kommunikaton auf Augenhöhe für die Umsetzung der Strategie notwendig ist, macht es verständlicher.

Mit Wertebildern werden die gemeinschaftlichen Normen und Arbeitsweisen über alle Arbeitnehmer hinweg als Norm vereinheitlicht. Sie stellen das interne Fundament für alles Handeln dar.

⇢ Zielbilder

Leitbild, Visionsbild, Transformationsbild, Strategiebild, Zukunftsbild

Zielbilder sind eine weitere Variante der Dialogbilder, und wie der Name sagt, immer mit einer Ausrichtung auf ein spezielles Ziel. Während im Dialogbild/Prozessbild keine visuelle Erzählrichtung vorgegeben sein muss, weisen Zielbilder im Aufbau immer auf ein konkretes Ziel in der Zukunft und besitzen einen strukturierte Leserichtung.

In Zielbildern wird ein Weg beschrieben, der zum Ziel hinführt und aufzeigt, wie das Ziel erreicht werden kann.

Ein Zielbild heisst Zielbild, weil im Bild ein Ziel zu sehen ist.

Das Ziel kann beispielsweise die erfolgreiche Umsetzung eines neuen Kunden-Prozesses sein, die Einführung eines neuen digitalen Tools wie z.B. eine Umstellung auf SAP, oder die Darstellung eines visionären Zustands in 10 Jahren.

Leitbilder, Visionsbilder, Transformationsbilder, Zukunftsbilder und Strategiebilder sind daher den Zielbildern zuzurechnen, allerdings mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung:

  • Bei einem Leitbild werden neben dem Ziel auch die Werte aufgenommen, es ist also eine Kombination aus Ziel- und Wertebild.
  • Bei der Vision ist die Darstellung eines gewünschten Zielzustandes wichtig.
  • Bei der Transformation geht es um die Wandlung vom einen in einen anderen Zustand.
  • Ein Zukunftsbild richtet den Blick nach vorne.
  • Bei der Strategie geht es um die Ausführung der strategischen Schritte zur Erreichung eines Ziels

Der inhaltliche Schwerpunkt bestimmt die visuelle Gestaltung und die Kernaussage, die jedes Bild haben sollte.

Eine Firma, die ich seit vielen Jahren für ihre außergewöhnlichen Transformationsbilder bewundere, ist die Schweizer Firma Zense.

Was unterscheidet Prozessbilder von Zielbildern im Bildaufbau?

Der visuelle Aufbau von Prozessbildern

Prozessbilder sind illustrierte Abbildungen von Prozessabläufen und alle Elemente im Bild sind für sich gleichwertig. Man kann überall im Bild einsteigen und mit der Erklärung beginnen. Der Prozess bestimmt die Bildstruktur oder wie es im Design gesagt wird: „Form follows function.“

Gleiches gilt für die Wertebilder, die in einzelnen Blöcken jeden Wert erläutern, aber meist keinen komplexen Bildaufbau besitzen. Gerne wird ein Raster verwendet.

Da Prozessbilder und Wertebilder die Realität abbilden, sind in der Erstellung nur wenige Freiheitsgrade möglich. Vor allem Prozessbilder haben keine besonderen Anforderung an eine besonders empathische Kommunikation.

Der visuelle Aufbau von Zielbildern

Zahlreiche Beispiele für Zielbilder finden Sie auf meiner Website unter ⇢ Visionen, Strategien & Werte als gezeichnetes Bild: die Zukunft sichtbar machen

Zielbildern weisen eine sichtbare Erzählstruktur auf, in der alles auf das Erreichen des Ziels ausgerichtet ist. In einem sorgfältig aufeinander abgestimmten Storytelling werden folgende Aspekte erläutert:

  • Warum wollen wir das Ziel erreichen?
  • Wie ist der Ausgangszustand?
  • Was muß verändert werden, um losgehen zu können?
  • Welche strategischen Schritte sind notwendig?
  • Womit ist auf dem Weg zum Zielzustand zu rechnen?
  • Woran erkenne ich den Endzustand?

Zielbilder erzählen eine Geschichte

Da meist eine Metapher verwendet wird, liegt die Herausforderung für den Gestalter darin, aus den fast endlosen Möglichkeiten in der Darstellung die passende Variante zu finden.

In Zielbildern wird zudem durch den sorgfältig designten Aufbau das Auge des Betrachters geführt. Meist ist die Leserichtung von links nach rechts oder von vorne nach hinten. Jedes Element erfüllt eine Funktion in der Erzählgeschichte. Nichts ist dem Zufall überlassen oder hat nur gestalterische Funktion.

Alles macht Sinn.

Die Aufgabe von Zielbildern

Orientierung

Ein gutes Zielbild beschreibt die Zukunft und bietet bei Entscheidungen Unterstützung. Es zeigt, wohin sich das Unternehmen verändern soll und warum.

Motivation

Das Ziel zu erreichen ist anstrengend und nicht selbstverständlich. Mit der Darstellung im Bild wird deutlich, warum sich der Aufwand dennoch lohnt.

Ja, wir schaffen es

Auch wenn das Zielbild ambitioniert erscheint, die kommunizierten Ziele sind dennoch realistisch.

Klare Kommunikation

Zielbilder lassen sich so einfach kommunizieren, dass sie von allen im Unternehmen verstanden werden: von der Putzfrau bis zum Vorstand.


Wie kommunizieren Sie Ihre Vision oder Strategie an die Mitarbeitenden?

Inspirieren Sie mit einer Geschichte und einem großen Bild, indem alle Bausteine klar zu sehen sind und erklären Sie das Warum.

Wolfgang Irber mit Surface Pro 9

Doch warum mit einem Bild? Weil bereits unsere Sprache voller bildhafter Bezüge ist:

Lasst uns zuerst ein Bild machen, wie ist das Big Picture, ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

Wir Menschen denken in Bildern und nur, wenn wir etwas täglich vor Augen haben, bleibt es in Erinnerung. Oder wie heisst es: Aus den Augen, aus dem Sinn. Und genau das ist bei der täglichen Umsetzung der Strategie wenig hilfreich.

Bereits ein eintägiger Visions-Workshop bringt Klarheit und definiert die Richtung.

Wenn Sie bereits wissen, wohin Sie wollen, aber es fehlt das überzeugende Bild: Gerne unterstützen ich Sie dabei.

Beispiele für meine Arbeit finden Sie unter ⇢ Visionen, Strategien & Werte als gezeichnetes Bild: die Zukunft sichtbar machen

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Wenn die Vision nicht im Kopf ankommt, führt jeder in eine andere Richtung

Die Strategieklausur war gut. Die Richtung ist klar. Die Folien sind verabschiedet. Und trotzdem passiert ein paar Wochen später in vielen Unternehmen etwas Erstaunliches:

Jede Führungskraft erzählt die Zukunft ein wenig anders.

Wenn die Vision nicht im Kopf ankommt, führt jeder in eine andere Richtung 22

Jede Ebene setzt andere Akzente. Und im Alltag entsteht nicht die erhoffte gemeinsame Richtung, sondern eine Vielzahl gut gemeinter Interpretationen.

Das eigentliche Problem ist dann selten die fehlende Vision. Viel häufiger ist die Vision zwar vorhanden, aber im Unternehmen nicht so vermittelt, dass Menschen daraus ein einheitliches Bild ableiten.

Genau dieses Muster zeigt sich immer wieder:

Unternehmen haben eine Firmenvision, doch oft wissen Mitarbeitende zu wenig davon oder können sie nicht in ihren eigenen Arbeitsalltag übersetzen. 83% der Führungskräfte geben sogar an, die eigene Vision nicht gut verstanden zu haben (Quelle Zitat).

Die Hürde einer Vision ist nicht die Erstellung, sondern die Vermittlung

Viele Führungsteams investieren viel Zeit in Formulierungen. Sie feilen an Leitbildern, Zukunftssätzen und strategischen Botschaften. Das ist nachvollziehbar, aber es greift zu kurz.

Denn für die Wirksamkeit einer Vision ist – aus meiner Erfahrung heraus – nicht entscheidend, ob sie sprachlich sauber formuliert ist. Entscheidend ist, ob sie im Unternehmen verstanden, erinnert und weitererzählt werden kann.

Wenn die Vision nicht im Kopf ankommt, führt jeder in eine andere Richtung 23

Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer Vision, die lediglich auf Folien existiert, und einem Zukunftsbild, das im Führungsalltag Orientierung gibt.

Wenn Führung schwierig wird, liegt das deshalb oft nicht an mangelnder Motivation, sondern an fehlender gemeinsamer Orientierung.

Wo kein gemeinsames Zielbild existiert, entstehen zwangsläufig unterschiedliche Deutungen:

  • Was ist wirklich wichtig?
  • Was bedeutet die Strategie für Prioritäten?
  • Was heißt das konkret für Entscheidungen, für Zusammenarbeit, für Führung?

Solange diese Fragen in jeder Ecke des Unternehmens unterschiedlich beantwortet werden, bleibt die Vision offen für Interpretation. Und genau das erzeugt Reibung und kostet Energie.

Gute Führung braucht ein klares und gemeinsames Zukunftsbild

Führungskräfte brauchen heute mehr als eine gute Botschaft. Sie brauchen eine Form der strategischen Kommunikation, die im Alltag praxistauglich ist und Menschen verbindet.

Das gilt besonders in Veränderungsprozessen. Harvard Business Review (Storytelling that drives bold change) beschreibt Storytelling in diesem Zusammenhang nicht als nettes Add-on, sondern als einen entscheidenden Hebel, um die Energie einer Organisation zu bündeln und auf Veränderung auszurichten.

Sobald ein Plan steht, besteht die nächste Führungsaufgabe darin, eine Geschichte dazu so klar und überzeugend zu formulieren, dass sie

  • Orientierung schafft,
  • die Vergangenheit würdigt,
  • den Veränderungsauftrag verständlich macht und
  • einen nachvollziehbaren Weg nach vorn zeigt.
Wenn die Vision nicht im Kopf ankommt, führt jeder in eine andere Richtung 24

Eine Strategie wird also nicht wirksam, weil sie beschlossen wurde. Eine Strategie wird wirksam, weil Menschen sie in eine innere Landkarte „übersetzen“ können.

Warum Strategien so oft an der Übersetzbarkeit scheitern

In vielen Unternehmen ist nicht die strategische Richtung das Problem, sondern ihre mangelnde Übersetzbarkeit in eine Handlungsanweisung für das eigene Team.

McKinsey verweist seit Jahren regelmäßig darauf, dass große Transformationen häufig an den sogenannten „weichen“ Faktoren scheitern — also an Führung, Kultur, Haltung und Kommunikation.

In einem neueren Beitrag ( A better way to lead large-scale change) betont McKinsey zudem, dass schlechte oder uninspirierende Kommunikation die Umsetzung von Transformationen massiv ausbremsen kann.

Das ist für Führungskräfte hoch relevant. Denn es zeigt:

Zwischen strategischer Entscheidung und deren Umsetzung im Alltag liegt nicht nur der Maßnahmenplan. Dazwischen liegt vor allem die Frage, ob Menschen den Sinn, die Richtung und ihre eigene Rolle darin erkennen.

Darum muss eine Vision als Geschichte erzählt werden

Menschen orientieren sich nicht an isolierten Schlagworten. Sie orientieren sich an Zusammenhängen.

Eine gute Geschichte beleuchtet Zusammenhänge und stiftet Sinn.

Gregor Adamczyk, 2019

Eine gute Geschichte leistet genau das: Sie verbindet Ausgangslage, Herausforderung, Zielbild und den Weg nach vorn. Sie macht aus abstrakten Begriffen eine nachvollziehbare Entwicklung, sie stiftet Sinn und definiert ein gemeinsames Bild.

Wenn die Vision nicht im Kopf ankommt, führt jeder in eine andere Richtung 25

Das bedeutet nicht, dass jede Vision emotional aufgeladen oder pathetisch inszeniert sein muss.

Es bedeutet vielmehr, dass sie erzählbar sein muss. Führungskräfte sollten in der Lage sein, die Zukunft ihres Unternehmens so zu vermitteln, dass andere sie nicht nur hören, sondern innerlich nachvollziehen können.

Denn was nicht erzählbar ist, läßt sich nicht merken, und was sich nicht merken läßt, bleibt im Alltag folgenlos.

Warum Bilder dabei so wirksam sind

Eine erzählbare Vision gewinnt an Kraft, wenn sie zusätzlich in ein Bild übersetzt wird.

Denn ein Bild macht sichtbar, was sonst abstrakt bleibt: Zusammenhänge, Prioritäten, Spannungsfelder, Zukunftsszenarien.

Genau darin liegt die Stärke eines gut entwickelten Zukunftsbildes: Es übersetzt Strategie in eine Form, die nicht nur erklärt, sondern orientiert; aus abstrakten Inhalten wird ein für alle greifbares Bild.

So wird eine gemeinsame Referenz geschaffen, auf die sich Führung und Mitarbeitende immer wieder beziehen können. Sie können davor stehen und diskutieren. Sie können sich auf einen Aspekt konzentrieren, ohne alles andere aus dem Augenwinkel zu verlieren. Das schafft nur ein Bild und keine PowerPoint-Präsentation.

In meiner Erfahrung liegt hier oft der entscheidende Unterschied zwischen einer Vision, die „gut klingt“, und einer Vision, die tatsächlich führt.

Denn ein Bild reduziert nicht die Komplexität der Wirklichkeit.
Aber – und das ist der entscheidende Vorteil – es erhöht die Klarheit, mit der Menschen sich in der Wirklichkeit bewegen, da sie sehen, worin und wohin sie sich bewegen.

Die eigentliche Führungsfrage lautet daher nicht: „Haben wir eine Vision?“

Die wichtigere Frage lautet:

Ist unsere Vision bereits so klar, dass Menschen daraus ein gemeinsames Zukunftsbild entwickeln können?

Erst wenn diese Frage mit Ja beantwortet werden kann, entsteht mehr als Kommunikation. ⇢ Dann entsteht Orientierung. ⇢ Dann werden Prioritäten nachvollziehbar. ⇢ Dann sinkt der Interpretationsspielraum. ⇢ Und dann wird Führung über Ebenen hinweg so konsistent, dass aus einzelnen Abteilungen eine einheitliche Mannschaft wird.

Fazit

Eine Vision entfaltet ihre Wirkung nicht dadurch, dass sie verabschiedet ist. Sondern dadurch, dass sie im Unternehmen zu einem gemeinsamen inneren Bild wird.

Führungskräfte, die Zukunft wirksam kommunizieren wollen, brauchen deshalb mehr als starke Formulierungen. Sie brauchen eine Vision, die erzählbar und visuell verständlich ist. Erst dann wird aus theoretischer Strategie eine echte Orientierung im Alltag.

Und genau daran entscheidet sich am Ende oft, ob Führung Richtung gibt — oder nur Informationen verteilt.

Mein Angebot

Ich unterstütze Führungsteams dabei, aus abstrakten Strategien verständliche Zukunftsbilder zu machen, so dass Menschen sie nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern im Alltag nutzen können.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihre Vision zwar formuliert ist, aber noch nicht als gemeinsames Zukunftsbild im Unternehmen wirkt, lohnt sich ein genauer Blick auf ihre Erzählbarkeit und Verständlichkeit.

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Messe-Zeichnen

Als Illustrator drei Tage auf einer Messe und wie ein Weltraumbild davon entsteht

Ich war als Messe-Zeichner für die SAP-TechEd-Messe in Barcelona gebucht. Drei Tage, 3000 Entwickler, viele Hallen. Meine Aufgabe: zeichne ein Bild, das den Spirit der Developer’s Garage auf der Messe einfängt. 

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Die noch leere Fläche

Tag 1: Graphic Recorder an Muse: suche Inspiration und Ideen

Die Zeichenfläche war definiert. Und mehr Information gab es dazu nicht. Es war also kein klassisches Graphic Recording, eher eine Messe-Illustration, aber nicht von einzelnen Vorträgen, sondern der gesamten Atmosphäre. Damit bestand ein wesentlicher Teil meiner Arbeit darin, die Information zu finden, denn sie kam nicht zu mir. Muse küss mich!

Wo ist mein Plan?

Mein Einstieg in die Materie war die Keynote des CTO. Seine Begeisterung für den Weltraum setzte für mich die visuelle Metapher. Glück gehabt, denn ich liebe den Weltraum, da er zeichnerisch gut umzusetzen ist. Schon schwebten Raumschiffe und Planeten vor meinem inneren Auge.
Nach der Keynote sah ich mir die gesamte Messe und vor allem die Developer’s Garage an, die ja mein Auftraggeber war. Mit vielen Personen sprach ich, um das Wesen der Messe zu verstehen. Dann kam das große Überlegen: was macht Sinn zu visualisieren, was kann ich machen, was kann ich auch in drei Tagen schaffen, was würde mir gefallen, wäre ich der Auftraggeber?

Nebenbei stellte sich noch ein kleines Problem heraus: die Zeichenfläche war eine abwischbare Whiteboard-Folie, auf der keiner meiner Neuland-Stifte funktionierte, nur mein schwarzer Edding war zu gebrauchen. Dann muss es eben ein schwarz-weißes Bild werden. Nur sparsam konnte ich Grau für den Schatten und als Akzentfarbe Gelb verwenden. Immer und immer wieder musste ich bei Grau und Gelb mit dem Stift über die Folie gehen, bis etwas zu sehen war.

Tag-1
Am Ende von Tag 1

Da ist mein Plan

Nach einigem Überlegen entschied ich mich für eine grobe Dreiteilung des Bildes: a) Vision aus der Keynote, b) Aktivitäten um die Developer’s Garage und c) die Partnerfirmen.
Am Ende des ersten Tages hatte ich die Kernaussagen der Keynote und ein Barcelona-Banner als Fußzeile gezeichnet. Womit ich nicht gerechnet hatte: sobald ich anfing zu zeichnen, kamen Besucher neugierig auf mich zu und verwickelten mich in ein Gespräch. Das verlangsamte meinen Zeichenfortschritt, aber förderte gleichzeitig mein Wissen um die Messe immens.

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Das Bild entwickelt sich zum beliebten Hintergrund für Interviews, Reportagen und Selfies

Tag 2: Die Developer’s Garage oder an was Entwickler so richtig Spaß haben

Am zweiten Tag fügte ich die wesentlichen Elemente der Developers-Garage hinzu, einer Art Spielwiese für Programmier-Freaks. Und etwas völlig Ungeplantes begann meinen Zeichenfortschritt zu verlangsamen: Fernsehteams entdeckten die Wand als willkommenen Hintergrund für ihre Interviews. Immer wieder musste ich weichen und „durfte“ Pause machen. Und zusätzlich begann eine steigende Zahl von Besuchern ein Selfie mit dem Bild im Hintergrund zu machen oder fragte mich, ob ich sie fotografieren würde. Das Bild entwickelte sich zu einem Magneten, ich wurde zum Fotografen im Nebenjob.

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Am Ende von Tag 2

Tag 3: Marktstände der Partner und das Finale

Am Morgen des dritten Tages kam mein Auftraggeber und meinte, ich hätte beim Enterprise-Raumschiff links oben einen Fehler gemacht. Ein wichtiges Element hätte ich vergessen. Please, fix it! Jetzt war die Whiteboard-Folie von Vorteil. Mit Spiritus ließ sich der Edding problemlos abwischen. Und schon war der Platz für ein zusätzliches Triebwerk der „digital platform“ vorhanden.
In die verbliebene weiße Fläche fügte ich die Markstände der SAP-Partner hinzu. Was ist der Mehrwert in der Zusammenarbeit? Was macht ihr besonders? Für die verbliebenen kleinen Zwischenräume wählte ich Besucherzitate. Was denken Besucher über die TechEd? Zwei Stunden vor dem offiziellen Ende der Messe war die Zeichenfläche maximal gefüllt. Jetzt wartete ich auf die finale Zahl der programmierten Apps gegen 18 Uhr, um sie in den Zähler unterhalb der Developers Garage zu schreiben. In der Wartezeit kam noch das Finish: wo kann ich noch mehr Schwarz hinzufügen, um es besser zu gliedern oder wichtige Inhalte besser hervorzuheben? Dann war meine Arbeit getan. Mission completed!

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Mein Fazit: Vertrauen schafft Kreativität

Es hat gut getan, völlig frei zu entscheiden, was ich zeichnen darf. Und anders als bei einem Graphic Recording konnte ich planen, überlegen und nur wirklich wichtige Information hinzufügen. Wie sagte eine Besucherin: „Faszinierend, die ganze Messe auf einen Blick!“ Ich hatte die Zeit, vieles liebevoll zu illustrieren und eine in sich geschlossene Bildlandschaft zu schaffen. Alleine die Überschrift der „Developers Garage“ hatte eine Stunde gedauert.

Drei Tage war ich auf der Messe, das sind insgesamt 27 h. Zieht man 6 h Pausen ab, bleiben 21 h für die Arbeit. Davon war ich gut die Hälfte der Zeit mit der Informationsbeschaffung und der Planung beschäftigt, die andere Hälfte mit der Zeichnung. Damit hat es rund 10 h gedauert, das Bild zu schaffen. Ein realistischer Wert.

Das Feedback der Besucher hatte mich über die drei Tage motiviert. Durch die vielen Anmerkungen zu Details der Inhalte wurde das Bild wesentlich verbessert. Manche kamen jeden Tag vorbei, um den Fortschritt zu sehen. Was mit dem Bild im Anschluß passiert ist kann ich nicht sagen. Angeblich hat man versucht, die Folie abzuziehen und in Walldorf wieder aufzuhängen. Aber ob das funktioniert hat, werde ich vielleicht irgendwann einmal erfahren.
Auf alle Fälle danke ich meinem Auftraggeber für das Vertrauen. Ich denke, er war ganz zufrieden. Und ich fühlte mich zwischenzeitlich wie ein Astronaut im All…