Zeichnen auf dem Surface

Zeichnen auf dem Microsoft Surface

Viele kaufen sich ein Microsoft Surface mit dem Ziel, als Windows-Nutzer dem papierlosen Arbeiten einen Schritt näherzukommen. Und irgendwann kommt der Wunsch auf, mit dem Surface Pen auch die eine oder andere Zeichnung zu machen, um die Präsentation aufzuwerten, kleine Scribbles zu erstellen, etwas in einer Videokonferenz zu erklären oder einfach nur aus Spaß am Sketchnoten und Skizzieren. Doch welches Programm ist wofür geeignet?

Natürlich gibt es Profisoftware wie Photoshop, die zwar für alle Zwecke geeignet, aber für Einsteiger viel zu komplex ist. Und nicht alle wollen viel Geld ausgeben oder gleich ein Abo abschließen. Schauen wir uns daher die Programme an, die meist sowieso vorhanden sind, da sie zum Arbeiten benötigt werden, wie Word und PowerPoint in Office 365, oder bereits vorinstallierte Microsoft-Apps in Windows 10 wie Ausschneiden & Skizzieren, Fresh Paint, Paint 3D, OneNote und Whiteboard. Was lässt sich damit machen, sind sie wirklich nutzbar und wofür eigenen sie sich? Und ja, Sie haben übrigens richtig gelesen, Sie können in Word zeichnen und sogar animierte Zeichnungen erstellen. Mehr dazu weiter unten. Am Ende gehe ich noch kurz auf Programme ein, die mehr der Profi-Ecke zuzuordnen sind wie Sketchbook, Concepts und Fresco.

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Ganz gemütlich im Urlaub mit Stift und Surface Go.

Die App Surface aus dem Microsoft Store

Der erste wichtige Schritt für das dynamische Zeichnen

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Der digitale Stift des Surface ist drucksensitiv, d.h. der Strich ist je nach Andruck beim Zeichnen mal dicker und mal dünner, doch die Varianz hält sich in der Grundeinstellung in Grenzen. Hilfe naht in der App Surface, denn dort ist die Sensitivität einstellbar: von 1-12 (sehr sensitiv = federleicht bis gar nicht sensitiv = fester Druck). Die Standardeinstellung ohne App liegt bei 7. Meine Lieblingseinstellung liegt bei 3-4. Achtung: Leider wird bei jedem größeren Systemupdate von Windows 10 die Einstellung wieder auf 7 zurückgesetzt. Also nicht wundern, sondern immer wieder kontrollieren.

Ob die Drucksensitivität vom Programm später genutzt wird, ist abhängig von der Programmierung. Von allen hier besprochenen Programmen ist es nur Paint 3D, das einen eigenen Algorithmus für die simulierte Strichdicke hat (wie früher die nicht drucksensitiven iPads) und nicht auf die Einstellungen reagiert. Die Notizenfunktion in Edge für Anmerkungen in PDFs unterstützt das ebenfalls – momentan – leider nicht. Profiprogramme wie Photoshop oder die kleine Schwester Fresco erlauben weitere Modifikationen im Programm, die Grundeinstellung erfolgt jedoch über die Surface-App.

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Teil 1 : Zeichnen auf einer Ebene

Wie früher auf Papier und einfach zu lernen

In den Apps Ausschneiden & Skizzieren, Fresh Paint, Paint 3D, OneNote, Whiteboard, Word, PowerPoint zeichnet man nur auf einer Ebene. Das entspricht der natürlichen Malerfahrung auf einem Blatt Papier und ist für Einsteiger*innen leicht zu verstehen. Zeichnen auf nur einer Ebene bedeutet jedoch gute Planung. Für einfaches Kritzeln ist das ohne Bedeutung, aber wenn sie mit gefüllten Flächen im Hintergrund, halbtransparenten Schatten und Lichtern arbeiten wollen, sollten Sie es berücksichtigen. Farbige Flächen kommen zuerst, dann folgt der Strich, Schatten und Lichter zum Schluss. Hinweise finden Sie dazu in meiner Beschreibung von Paint 3D weiter unten. Während man in Fresh Paint und Paint 3D richtig malen kann, ist das in allen anderen oben genannten Programmen mehr ein Skizzieren.

Fresh Paint von Microsoft

Das Spaßprogramm mit coolen Pinseln

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Das kostenfreie Fresh Paint ist ein Zeichen-Programm für Kinder und neugierige Erwachsene. Es ist soweit als möglich an das natürliche Malen angelehnt, ob mit Stift oder Finger, und auch im Aussehen der App. Es lassen sich unterschiedliche Papiere/Leinwände und Pinsel bzw. Stifte auswählen. Die Effekte sind verblüffend real, die Farben mischen sich untereinander. Ölpinsel und Aquarellpinsel sind wirklich gut. Da sich aber die Größe der Leinwand nicht einstellen lässt und immer am genutzten Bildschirm orientiert, erreicht man für eine semiprofessionelle Nutzung schnell die Grenze. Als Spaßprogramm ist es jedoch empfehlenswert. Kinder können Vorlagen importieren und ausmalen. Meine Tochter liebte es, Werbe-Fotos aus dem Internet zu importieren und künstlerisch zu verzieren, oder Familienmitglieder zu fotografieren und zu verschönern. Exportieren kann man die Bilder als JPG- oder PNG-Datei.

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Der Aquarelleffekt in Fresh Paint

Paint 3D von Microsoft

Als schnelles 2D-Zeichenprogramm durchaus gut

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Einfache Kritzelei in Paint 3D

Als Nachfolger für das klassische Paint gedacht, ist das in Windows 10 vorinstallierte Paint 3D einerseits so viel mehr, andererseits dadurch nicht wirklich intuitiv in seiner Gesamtfülle. Nutzt man aber nur die 2D-Malfläche, lassen sich einfache Zeichnungen mit coolen Effekten erstellen, die sonst so nur über mehrere Ebenen möglich sind.

Gut gelungen finde ich die klare Oberfläche, die Auswahl an Pinseln, Stiften und Farbeimer, mit denen man kombiniert durchaus sehenswerte Bilder ohne großen Aufwand erstellen kann. Sehr praktisch ist die Möglichkeit den Maluntergrund frei in der Größe zu definieren, mit und ohne Hintergrund malen zu können, auch später noch, und Pinsel mit unterschiedlicher Transparenz zu nutzen. Ein kleines Gimmick ist die Option, die Zeichnung in der schrittweisen Entstehung als kleines Video zu exportieren. Exportieren lassen sich die Bilder in verschiedenen Formaten, die größeneinstellbar sind, mit und ohne Transparenz. Auch das Hauptbild dieses Beitrags, die Lady in Grau, wurde in Paint 3D erstellt.

Anleitung für einfaches Sketchnoten und Skizzieren

Im Folgenden finden Sie eine kleine Anleitung, wie man Paint 3D zum einfachen Sketchnoting nutzen kann. Ich verwende es gelegentlich in digitalen Zeichenkursen für Anfänger, um die ersten Schritte erlernen zu lassen.

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Lady in grey. Verschiedene Stift und Transparenzen lassen diesen Effekt möglich machen.
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Wenn man die verschiedenen Stifte clever kombiniert, kann man gute Effekte erreichen
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In 6 Schritten zum Bild. Der jeweils blau hinterlegte Stift war der gewählte Stift. Wichtig ist die Einstellung der Transparenz beim Schatten.

Ausschneiden & Skizzieren von Microsoft

Völlig unterschätztes Windows-10-Tool mit vielen Möglichkeiten

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Eigentlich ist die Standard-App in Windows 10 dazu gedacht, das, was auch immer auf dem Bildschirm zu sehen ist, auszuschneiden und woanders einzufügen, bzw. bei Bedarf auch mit handschriftlichen Anmerkungen zu versehen und/oder abzuspeichern. Daher auch der Name: Ausschneiden & Skizzieren. Sie können entweder nur ausschneiden oder nur skizzieren oder beides nutzen. Wenn man die App direkt über das Icon startet ist sie leer. Inhalte werden über das Ausschneiden eingefügt.

Option 1 : Nur Ausschneiden

Der direkte Start der App ist die Ausnahme. Normalerweise nutzt man die Ausschneidefunktion z.B. über Umschalt Win S, die Druck-Taste der Tastatur oder über oder die Kachel Bildschirmausschnitt im Action-Menü. Dabei wird das ausgeschnittene Bild im Arbeitsspeicher abgelegt und kann in anderen Programmen eingefügt werden.

Option 2 : Ausschneiden und Skizzieren

Möchten Sie die ausgeschnittenen Inhalte mit Anmerkungen versehen, klicken Sie auf das Stiftsymbol in der Taskleiste und wählen die Option „Vollbildausschnitt“. Dabei wird ein aktueller Screenshot erstellt, der weiterbearbeitet, kopiert und/oder abgespeichert werden kann. Sie können auch den Surface Pen in den Stifteinstellungen so konfigurieren, dass er bei Druck auf die hintere Taste die gleiche Funktion ausführt. Das ist sehr praktisch, wenn Sie z.B. mit dem Tablet auf der Baustelle oder im Seminarraum unterwegs sind. Wollen Sie mehrere Fenster der App offenlassen, können Sie es in den Einstellungen der App erlauben. Ansonsten wird das alte Fenster immer geschlossen. Ich verwende die App sehr gerne in Online-Schulungen, um einen Screenshot zu erstellen, den ich live mit Anmerkungen versehe. In Präsenzseminaren mache ich oft ein Foto von einem Flipchart oder Arbeitsblatt, werfe es über den Beamer an die Wand und nutze den Stift für Anmerkungen.

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Ein Screenshot meiner Website mit handschriftlichen Anmerkungen

Nutzung als einfache Skizzen-App mit selbst erstellter Vorlage

Mit einem Trick eignet sich die App aber auch als einfache Skizzen-App. Vor allem, wenn Sie auf Arbeit keinen Zugang zu anderen Programmen haben. Erstellen Sie sich einen weißen Hintergrund in PowerPoint oder Word oder Fresh Paint oder Paint 3D und speichern Sie ihn als JPG-Datei ab. Optional können Sie noch vorher Ihr Logo dazusetzen. Wenn Sie diese Datei über „öffnen mit…“ oder als feste Verknüpfung in der „Ausschneiden & Skizzieren“-Kachel öffnen, haben Sie einen weißen Hintergrund und können z.B. mit dem Bleistift schnell etwas skizzieren und per E-Mail verschicken.

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Mit Vorlage auch als Skizzenapp nutzbar

An Stiften gibt es deckende Kugelschreiber, weichen Bleistift und halbtransparente Marker, alle in unterschiedlichen Dicken mit vordefinierten Farben. Sie können Radieren, mit Lineal gerade Linien oder mit Winkelmesser Kurven wie Kreise zeichnen. In dieser App, wie auch in OneNote, Word und PowerPoint gibt es jedoch keinen Farbeimer für das Füllen von Flächen. Für den Künstler sind die Optionen eindeutig zu wenig, für die schnelle Skizze, z.B. in einer Videokonferenz oder unterwegs durchaus ausreichend und empfehlenswert, da einfach. Apps aus dem Microsoft Store, die optisch sehr ähnlich funktionieren, aber Inhalte laden lassen, sind Penbook (auch gut für PDFs) oder Inkpaint Preview.

Papier-Arbeitsblätter aus der Schule oder sonstige Blätter schnell mit handschriftlichen Anmerkungen versehen und als PDF versenden

Oft steht man vor der Situation, dass kein Scanner da ist, aber ein reales Blatt Papier muss digital bearbeitet und weiter verschickt werden, z.B. als PDF. Alles, was dazu notwendig ist, enthält die Standardinstallation von Windows 10: Die Apps für Kamera, Ausschneiden & Skizzieren und der virtuelle Microsoft Print-to-PDF-Drucker:

  • Schritt 1: Papier mit der Kamera-App aufnehmen, als Dokument oder Whiteboard, was besser passt.
  • Schritt 2: Vorschaubild in der Kamera-App unten rechts anklicken, das aufgenommene Bild zeigt sich groß am Schirm, über die verschnittenen Kreise oben läßt sich ausprobieren, welche Option besser passt und eventuell den Ausschnitt verbessern.
  • Schritt 3: Foto über Teilen in die App Ausschneiden & Skizzieren,
  • Schritt 4: Foto mit dem Stift handschriftlich bearbeiten,
  • Schritt 5: dann über Drucken als PDF ausgeben (Microsoft-Printer to PDF) und per E-Mail versenden.

Tipp: Die App Ausschneiden & Skizzieren lässt sich in den Standardeinstellungen immer nur einmal gleichzeitig öffnen. Möchte man mehrere Fenster der App nutzen, müssen Sie es in den Einstellungen über „mehrere Fenster erlauben“ aktivieren. Im Prinzip kann man jedes Foto über Drucken in ein PDF überführen. Das PDF ist zwar nicht editierbar und hat keine OCR-Texterkennung für die Suche im Dokument, aber für Arbeitsblätter ist das gut genug.

OneNote für Windows 10 von Microsoft

Der digitale Tausendsassa und ein toller Bleistift

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Kritzelei in OneNote

Ähnlich wie die App „Ausschneiden & Skizzieren“ funktioniert das Zeichnen im kostenfreien OneNote für Windows 10 mit Kugelschreiber, Bleistift und Marker. Zusätzlich gibt es noch ein paar Glitzerstifte, die ich liebe, sowie beliebig einstellbare Farben. Die Zeichenfläche ist nach rechts und nach unten endlos. Man kann mit Finger oder digitalem Stift kreativ sein. OneNote hat eine realistische Simulation des Bleistifts, wenn man die Drucksensitivität in der Surface App auf 3 herunterregelt. Probieren Sie es mal aus. Halten Sie den Stift gerade, bekommen Sie eine feine Linie, halten Sie ihn schräg, können Sie breit schraffieren, wie beim richtigen Bleistift.

Eine Zeichnung oder Ausschnitte daraus lassen sich aus OneNote vernünftig nur über Ausschneiden & Skizzieren exportieren. Der Schwerpunkt der App liegt auch nicht auf dem Exportieren und Drucken, sondern auf dem digitalen Teilen der digitalen Notizen. Als Alternative kann man eine leere DIN-A4-Wordseite nach OneNote drucken und hat dann die Möglichkeit diese Seite mit den eigenen Kritzeleien auf A4 zu drucken, entweder auf Papier oder als PDF. Oder man nutzt gleich die Desktop-Version von OneNote, die ich aber nicht so gerne mag, da sie wirklich mehr für den Desktop geeignet ist.

Ideal für die zeichnerischer Erklärung in Videokonferenzen

Trotz all der Export-Beschränkungen zeichne ich gerne in OneNote für Windows 10, wenn ich zu einer eingefügten Kunden-E-Mail erste Skizzenideen entwickeln soll, in einer Videokonferenz mit dem Kunden zusammen etwas diskutiere oder in einem Kurs etwas zeichnerisch erklären möchte. Dazu kopiere ich die notwendigen PowerPoint-Folien hinein. Der Vorteil zu PowerPoint: ich habe mehr Stifte, das Schriftbild sieht besser aus, die Stiftdicke ist variabel, ich kann besser hinein- und herauszoomen, und auch Verbindungen zwischen den Folien erzeugen. Der Nachteil: ich habe keine Animation, kein einfaches Vor und Zurück, und keinen zu 100% füllenden Bildschirm.

Eine praktische Erweiterung mit mehr Platz für Notizen bei PDFs und Präsentationen

Sehr gerne nutze ich es auch zum Lernen. Eine PowerPoint-Präsentation oder ein PDF drucke ich nach OneNote und ergänze dann handschriftlichen Notizen und Zeichnungen. Das würde zwar auch in PowerPoint oder im PDF funktionieren, aber hier habe ich mehr Platz für Notizen. Ab ca. 25 in eine OneNote-Seite virtuell gedruckten Dokumentseiten wird es aber auch in OneNote unpraktisch, da OneNote langsam zu reagieren beginnt. Hier würde ich die Präsentation in der Notizenansicht als PDF drucken und abspeichern. Geöffnet haben Sie dann oben die Folie, unten Platz zum Schreiben und können das leicht mit Edge bearbeiten (oder auch Penbook).

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Ein Fisch in OneNote gezeichnet: zuerst die Skizze mit schwarzem Bleistift, dann die Farbe flächig mit dem Kugelschreiber, dann wieder mit Bleistift die Form, dann die Lichter, fertig.

Warum ich OneNote in Zeichen-Kursen verwende?

Früher hätte ich nie daran gedacht, eine Notizen-Programm für Zeichenkurse zu verwenden. Aber die Anforderungen meiner Kunden haben mich so entscheiden lassen, denn es werden zwei Programme benötigt: a) ein einfaches für die schnelle Skizze, gut auf Tablet und Desktop, mit ausgeklügelter Verwaltung und Cloud-fähig und b) eine Profiprogramm für die gute Zeichnung (hier nehme ich Concepts). OneNote ist aus vielen Gründen für die schnelle Skizze perfekt. Es startet schnell, lässt sich vielfältig aufrufen, jede Notizseite ist sehr gut verwaltbar und die Qualität der Stift ist für eine Skizze genau richtig, nicht zu viel und nicht zu wenig. Auch das Prinzip des Zeichnens auf einer Ebene ist verständlich zu lernen und ansehnlich mit ein paar Tricks umzusetzen.

Word in Office 365

Das besser verwaltbare Notizbuch

Word im kostenpflichtigen Abo von Office 365 funktioniert von den Zeichenfunktionen wie OneNote, aber die Zeichnungen lassen sich besser drucken, wenn das eine notwendige Funktion sein sollte. Die Zeichnung selbst lässt sich – wie bei OneNote – nur über die App Ausschneiden & Skizzieren vernünftig exportieren und in ein Bildformat konvertieren. Ansonsten bietet Word nur PDF und Textprogramm-kompatible Varianten an. Ich kenne Studierende, die lieber Word als OneNote für das Erstellen von handschriftlichen Notizen verwenden. Der Grund? Es lassen sich die einzelnen Dateien besser verwalten und mit anderen teilen. OneNote ist von der Idee das eine große Notizbuch mit vielen Unterabschnitten und darin eingebetteten Seiten. Eine Word-Datei ist eher wie eine OneNote-Seite. Die Organisation findet in Word auf Dateisystemebene statt, in OneNote innerhalb der App. Ich persönliche nutze Word nicht zum Scribbeln, aber es wäre möglich wie die Zeichnung unten zeigt.

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Auch in Word kann man ganz gut skizzieren

Ein kleiner animierter Film der Zeichnung in Word

Was übrigens in Word – wie in PowerPoint – sehr gut funktioniert ist die Playback-Funktion (Wiedergabe in Freihand) im Menüpunkt „Zeichnen“. Alles, was mit dem Surface Pen gezeichnet wurde, lässt sich als Animation abspielen. Das bleibt auch nach dem Abspeichern und Wiederöffnen erhalten. Sie können sogar radieren und ausbessern. In die Animation geht nur das finale Produkt über. Wollen Sie die Animation als Film exportieren? Mit „Win G“ die in Windows 10 integrierte Screen-Aufzeichnungsoption starten und die Animation als MP4-Datei abspeichern. Hinterher können Sie den Film in der Videoeditierfunktion der Foto-App weiterbearbeiten und sogar mit Musik hinterlegen. Im Video unten sehen Sie ein einfaches Beispiel.

Ein kleines Herz zum Valentinstag in Word gezeichnet, 4-fach beschleunigt

PowerPoint in Office 365

Mehr als nur Präsentieren

PowerPoint aus dem kostenpflichtigen Abo von Office 365 kommt einem wahrscheinlich als Zeichenprogramm nicht sofort in den Sinn, aber es hat durchaus viele Vorteile. Im Programm lassen sich zwei Zeichenoptionen finden: das Zeichnen in einer laufenden Präsentation und das Zeichnen beim Erstellen einer Präsentation.

Zeichnen vor der Präsentation

Die Zeichenfläche in letzterem kann beliebig eingestellt werden, was die wenigsten wissen. PowerPoint es ist ein vollwertiges Layoutprogramm, mit dem wir früher an der Uni unsere wissenschaftlichen Poster für die Tagungen erstellt hatte. Die Zeichenfunktion ist wie bei OneNote oder Word, nur dass auch ordentliche Exportfunktionen zur Verfügung stehen. Einerseits als unbewegte Datei mit PNG und JPG, oder, wenn es eine animierte Präsentation ist, als animiertes GIF bzw. MP4-Video. Mit etwas Übung lässt sich sogar animierte Handschrift erstellen. Von Lehrern weiß ich, dass sie so auf einfache Art und Weise animierte Erklärfilme erstellen. Wenn nur die Zeichnung als Animation in einen Film überführt werden soll, empfehle ich den wie oben in Word beschriebenen Weg.

Ein Video in PowerPoint erstellen

Das Video unten mit dem Stift habe ich in PowerPoint gezeichnet, dann über „Wiedergabe in Freihand“ abspielen lassen, dabei gleichzeitig mit der Windows-eigenen Screenrecordingsoftware (Win G) aufgenommen und mit dem Video-Editor in der Windows-10-Fotos-App gekürzt, auf 8-fach beschleunigt und mit Musik hinterlegt.

Eine schnelle Skizze in PowerPoint. Die Wiedergabe ist achtfach beschleunigt.

Die Wiedergabe in Freihand in PowerPoint zur Animation nutzen

Die Wiedergabe in Freihand wie im Film oben ist leider nur in der Editieransicht der Folien möglich, nicht aber bei der Präsentation. Das Bild bleibt statisch. Möchte man es animiert wiedergeben und keinen großen Aufwand mit der Reihenfolge der Striche auf sich nehmen, empfehle ich, die ganze Zeichnung auszuwählen und unter Animation mit „Wiederholen“ zu verlinken. Der Effekt ist verblüffend, wie im Video unten. Soll dennoch die genaue Entstehung der Zeichnung zu sehen sein, bleibt nur den Film oben in die Präsentation einzubinden.

Die selbst erstellte Zeichnung von oben als animierte Wiedergabe in der Präsentation

Zeichnen während der Präsentation

Ich selbst nutze PowerPoint hauptsächlich, um darin während einer Präsentation zu zeichnen und so Online-Schulungen wesentlich spannender zu gestalten. Das immer sehr positive Feedback der Teilnehmer*innen spricht für sich. Die Anwahl der Stifte findet sich in der Vollbild-Präsentationsansicht ganz unten links in der Folie (mit der Maus oder dem Stift über den Bereich fahren), in der Referentenansicht (mit Folienvorschau) links unterhalb der Folie. Es gibt nur einen dünnen Stift oder transparenten Marker, eine Stiftdicke und eine kleine Auswahl an Farben. Ich warte seit Jahren auf eine Verbesserung der Optionen, die sich seit meiner ersten Nutzung im Jahr 2003 nicht verändert haben.

Im Video unten ist die Referentenansicht ausgeschaltet und das Bild wird an einen zweiten Bildschirm übertragen (hier nicht sichtbar). Auf dem Surface markiere ich die wichtigen Stellen live während der Präsentation.

Während einer Präsentation live wichtige Passagen markieren

Whiteboard von Microsoft

Digitale Zusammenarbeit und Brainstorming

Das kostenfreie Whiteboard gehört mit zu den Standard-Apps von Windows 10 und ist vom Prinzip ähnlich zu den Optionen wie OneNote, nur fehlt der Bleistift. Der Schwerpunkt liegt auf der kollaborativen Arbeitsmöglichkeit auf einer endlosen Arbeitsfläche. Es ist das Standard-Programm für die großen Surface-Hubs (digitale Whiteboards) von Microsoft. Ganz gelungen finde ich die Möglichkeit mit Notizzetteln zu arbeiten und diese wahlweise mit normalem Text wie auch mit Handschrift zu beschreiben und in der Größe zu ändern. Somit ist Whiteboard das Tool für kollektives Brainstorming in Onlinemeetings. Allerdings sollte der Bildschirm groß genug sind und man damit etwas geübt haben, denn dann lassen sich in Kombination mit Finger und Stift gute Effekte erzielen. Für zielgerichtetes Arbeiten können beliebige Arbeits-Vorlagen bzw. Bilder importiert und bearbeitet werden. Verblüffend gut ist das handschriftliche Zeichnen und Befüllen einer Tabelle. Wer das nutzen möchte, für den ist Whiteboard das Programm der Wahl. Zum Exportieren gibt es PNG oder SVG, und dabei immer nur das gesamte aktive befüllte Arbeitsblatt. Ansonsten bleibt es beim Behelf mit der App „Ausschneiden & Skizzieren“, wenn es kleine Objekte bzw. Ausschnitte sein sollen.

Einfaches Sketchnoten mit zwei Stiften

Aufgrund der geringen Auswahlmöglichkeiten an Stiften können keine Effekte wie in den bisher besprochenen Programmen erzielt werden, doch wer sich im kollektiven Brainstorming vor seinen Kolleg*Innen als Sketchnoter outen möchte, findet im einfachen schwarzen Stift und einem dunkelgrauen Textmarker zwei brauchbare Optionen. Im Video unten habe ich das mit Kuh, Pferd und Ziege demonstriert.

Kuh, Pferd, Ziege im einfachen Sketchnote-Stil in Whiteboard

Teil 2 : Zeichnen auf mehreren Ebenen

Im illustrativen Profibereich wurde schon immer mit Leuchttisch und Transparenzpapier gearbeitet, um auf mehreren Ebenen arbeiten zu können. Zum Beispiel, um eine Vorzeichnung zu erstellen oder zu sehen, wie es wohl in der Endzeichnung aussehen könnte, ohne die Endzeichnung wirklich zu bearbeiten. All das und noch viel mehr erlaubt das digitale Zeichnen auf mehreren Ebenen.

In der Regel arbeiten Illustrator*innen mit mindestens 6 Ebenen, daher auch die Beschränkung beim Concepts in der kostenlosen Version auf 5 Ebenen. Vom Verständnis müssen Sie sich das so vorstellen: Sie haben 6 Glasplatten, die Sie von oben betrachten. Was auf der Platte darunter gezeichnet wurde ist nur zu sehen, wenn es von oben nicht abgedeckt ist. Daher ist die Ebene 6 der Hintergrund. Dann kommen von unten nach oben Farbe, Schatten, die eigentliche Zeichnung, Lichter und Text. Je nach gewünschtem Effekt arbeitet man mit unterschiedlichen Ebeneneigenschaften. Schatten und Lichter sind in der Regel halbtransparente Ebenen (siehe Abbildung…).

Da die Ebenen unabhängig voneinander sind, können Sie beliebig in einer Ebene ändern, ohne dass die anderen Ebenen betroffen sind. Der Traum von vielen Illustratoren ist mit dieser Methode des Zeichnens wahr geworden. Änderungswünsche von Kunden lassen sich so zeitsparend umsetzen. Kein Wunder, dass fast alle Illustratoren*innen mittlerweile digital arbeiten. Auch sind die analogen Effekte in modernen Programmen so gut umgesetzt, dass der Unterschied zum analogen Pendant kaum mehr erkennbar ist.

Sketchbook von Autodesk

Kostenfrei mit Account und trotzdem meistens gut

Sketchbook ist ein gutes Mehrebenen-Programm, das auch für den semiprofessionellen Einsatz geeignet ist. Dabei ist es mit Account kostenfrei und ohne Einschränkung nutzbar. Zusätzliche Tools und Pinsel können nachgeladen werden. Es erlaubt vieles von dem, was professionelle Programme können und ist gerade für Tablets ohne Tastatur und Maus bequem nutzbar. Nur beim Export von Dateien schwächelt es. Nicht frei konfigurierbare Varianten von JPG, PNG oder PSD sind für den Profi zu wenig, aber für den gelegentlichen Nutzer völlig ausreichend. Im Internet finden sich Tutorials und ein vernünftiges Handbuch, daher will ich hier nicht weiter auf die Handhabung eingehen.

Ich nutzte Sketchbook früher in meinen Zeichen-Kursen, um das Ebenenprinzip zu demonstrieren. War ich unterwegs und hatte das Surface als Tablet in der Hand, war es das Programm meiner Wahl, um Skizzen anzufertigen, die ich später in Photoshop fertigstellte. In letzter Zeit bin ich auf die App Concepts umgeschwenkt, wenn es um das Unterwegs-Skizzieren auf mehreren Ebenen geht. Dafür ist Photoshop ohne Tastatur nicht wirklich gut nutzbar. Da Sketchnote immer wieder sehr instabil ist, verwende ich es auch in meinen Kursen nicht mehr und bin dazu auf Concepts (siehe unten) umgestiegen.

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Mit dem kostenfreien Sketchbook lassen sich ansehnliche Zeichnungen auf mehreren Ebenen erstellen

Concepts von TopHatch

Das Lieblingsprogramm der Architekten und Designer

Concepts ist definitiv ein Profiprogramm, das – wie ich gelernt habe – gerne von Architekten und Designern genutzt wird und für die Betriebssysteme von Microsoft wie Apple und sogar Android erhältlich ist. Völlig zurecht hat es bereits mehrere Preise bekommen. In der kostenfreien Variante zum einfachen Skizzieren gut nutzbar, lässt es sich über verschiedene Einmalkäufe zu geringen Kosten weiter ergänzen. Wer alle Optionen, regelmäßige Updates mit Verbesserungen und Premium-Support möchte, ist mit derzeit 5€ pro Monat immer noch günstig dabei. Ich schätze die Möglichkeit den Malgrund endlos zu lassen oder genau in der Größe zu definieren. Clever sind auch die vorhandenen Exportmöglichkeiten. Nicht zu viel und nicht zu wenig.

Ich verwende es gerne unterwegs und schätze das elegante Layout wie auch die gute Umsetzung für das Tablet. Visuell attraktiv ist das Rad für die Auswahl der Farben. Concepts hat sich in letzter Zeit zu meinem Lieblingsprogramm für das Zeichnen „on the go“ entwickelt. Es gibt viele Tutorials und eine vernünftige Hilfe. Das Headerbild dieses Blogeintrag zeigt die Plaza von Arezzo, unten ist eine belebte Strasse in Siena zu sehen. Die Bilder und noch viele mehr sind im letzten Italienurlaub auf einem Surface Go entstanden. Auch hier läuft Concepts problemlos. Da es ein reines Vektorzeichenprogramm ist, bleiben die Dateien sehr klein und alles kann später wieder geändert werden.

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Die klug gestaltete Oberfläche von Concepts
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Wenn man viel Platz zum Skizzieren braucht und mehr Stift als in OneNote oder Whiteboard nutzen möchte. Hier eine belebte Strasse in Siena.
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Touristen in Ravenna. Gezeichnet mit der App Concepts auf einem Surface Go.
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Für das schnelle Sketchen auf Firmenevents ist die App genial.

Fresco von Adobe

Das bessere Zeichenprogramm für das Tablet im Vergleich zu Photoshop

Die App ist eines der jüngeren Programme von Adobe und gibt es für iPhone, iPad und Windows 10. Eine 30-Tage-Version ist für Windows kostenlos testfähig, dann kostet das Abo ca. 12€ im Monat. Die App wird derzeit kontinuierlich ausgebaut und erweitert. Das Arbeiten mit Stift und Finger ist viel besser durchdacht als bei Photoshop, das eigentlich nur mit Tastatur und den Tastaturkürzeln effektiv zu bedienen ist. Pinsel und Einstellungsmöglichkeiten sind vielfältig, es gibt Pixel und Vektorpinsel, wie auch eine sehr gute Anbindung an die Adobe-Cloud. Zusätzlich kann man mit der Zeitraffer-Exportfunktion coole Videos erstellen.

Wer sich mit Photoshop auskennt, kann auch Fresco, zumal die Tastaturkürzel ebenfalls funktionieren. Als Desktop-Programm ist es mir wegen der konsequenten Anpassung an das Tablet zu umständlich, da nehme ich lieber Photoshop. Dennoch, Fresco ist ein sehr empfehlenswertes Programm. Wie schon bei Concepts gibt es ebenfalls eine sehr gute Hilfe mit vielen Tutorials.

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Als Programm für die Nutzung am Tablet eine gute Wahl

Welche Programme habe ich für diesen Beitrag benutzt?

Alle Zeichnungen für diesen Beitrag wurden von mir selbst in dem jeweiligen Programm erstellt und exportiert. Zum Teil habe ich Ausschnitte mit der App „Ausschneiden & Skizzieren“ ausgewählt und abgespeichert. In manchen Fällen habe ich auch die App Paint 3D verwendet, um Bilder zuzuschneiden und abzuspeichern. Videos habe ich über die Windows-eigene Screenrecording-Funktion aufgenommen: Windows-Taste und G. Die Videos habe ich in der Videoeditierfunktion der Foto-App als neues Projekt angelegt, geschnitten, mit Musik hinterlegt, Option mit Video synchronisieren, und als HD-Version exportiert.

Einzig das Bild „Eine Kuh in MS Paint 3D ganz einfach zeichnen“ wurde von mir in Photoshop mit Text und Überschrift versehen. Ich hätte es aber auch in Paint 3D so erstellen können, nur lässt sich Text hinterher nicht mehr editieren, sondern muss immer neu erstellt werden. Alternativ hätte ich es in PowerPoint machen können, indem ich die Arbeitsfläche auf die Bildmaße angepasst hätte.

Anmerkung in eigener Sache

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Entspannt im Urlaub mit Surface Go als dem Atelier „to go“.

Ich werde weder von Microsoft noch von den anderen genannten Firmen unterstützt. Meine Motivation ist es aufzuzeigen, was mit den bereits vorhandenen Programmen möglich ist. Oft ist alles an Bord, was gebraucht wird, nur fehlt das Wissen dazu und die Inspiration, es anzuwenden. In der Kombination von vorhandenen Möglichkeiten im „Fensterln“ zwischen verschiedenen Apps und Programmen, mit und ohne Stift/Finger, liegt für mich der große Mehrwert der Surface-Geräte 😉. Wir sind oft geneigt, immer das eine Programm zu suchen, das alles kann. Aber auch das eine Werkzeug gibt es in keinem Werkzeugkoffer. Um allerdings zu verstehen, was die unterschiedlichen Programme können, braucht es digitalen Pioniergeist, sich damit neugierig und spielerisch auseinanderzusetzen. Erst dann klappt es auch mit dem papierlosen Arbeiten und dem digitalen Mindset.

Sie wollen bei mir lernen, wie Sie auf dem Surface digital zeichnen können?

Im Durchschnitt einmal im Quartal biete ich einen offenen Online-Kurs an. Immer auf zwei halbe Tage verteilt.

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Published by

Dr. Wolfgang Irber

Wolfgang ist Illustrator im B2B-Bereich und überzeugter Surface-Pro-User. Er visualisiert Visionen & Strategien, leitet und illustriert Workshops, begleitet Führungskräfteseminare, unterrichtet Sketchnoting und erklärte die kreative Nutzung eines Surface in Kursen. Sein wichtigste Arbeitsmittel ist immer der Stift. Ob auf Papier oder digital auf seinem Surface. Im Blog, auf LinkedIn, Instagram, Twitter und Facebook berichtet er mit spitzem Surface Pen regelmäßig über ganz persönliche Erfahrungen aus der Welt der Illustration und der Digitalisierung.